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Ohne Spielzeug

Studie zeigt, wie man am besten die Aufmerksamkeit von Hunden erregt

Mann erregt durch Zeigen Aufmerksamkeit seines Hundes
Versteht dieser Magyar Viszla, dass ihm sein Halter gerade etwas zeigen will, oder folgt er nur der Bewegung? Eine Studie hat die Antwort. Foto: Getty Images
Louisa Stoeffler
Redakteurin

13. Februar 2025, 16:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Seit Langem arbeiten und leben Hund und Mensch zusammen. Im Laufe der Zeit hat sich daher die Sensibilität für menschliche Kommunikation bei den Tieren immer mehr verfeinert. Aber wie gut verstehen sie unsere Gesten und Blickrichtungen wirklich? Mithilfe einer innovativen Studie konnte festgestellt werden, wie wir am besten die Aufmerksamkeit eines Hundes erregen können.

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Gesten sind nicht aus der Kommunikation von Menschen wegzudenken. Sie dienen nicht nur der Verstärkung unserer Aussagen, sondern beschleunigen auch das Verstehen. Sätze wie: „Guck mal, da“, erhalten mehr Bedeutung, wenn wir in die Richtung des Objektes mit dem Finger zeigen, oder dorthin nicken. Doch auch in der Kommunikation mit unseren Hunden behelfen wir uns häufig mit Gesten – doch wie gut verstehen die Tiere diese eigentlich? Wissen sie, dass wir ihnen etwas zeigen wollen, oder reagieren sie nur auf die Bewegung? Eine Studie belegt nun, wie wir am effektivsten die Aufmerksamkeit unserer Hunde erregen können.

Wie Hunde auf unsere Bewegungen reagieren

Christoph Voelter von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und seine Kollegen haben untersucht, ob Hunde unsere Absichten erfassen können oder schlicht unserer Bewegung folgen. Dazu nutzten die Forscher eine mobile Eye-Tracking-Technologie, mit einer Brille und einer integrierten Kamera. Die Hunde wurden zuvor auf die Nutzung der Apparatur trainiert und konnten die Experimente jederzeit selbst verlassen, wenn sie keine Lust mehr darauf hatten.

So konnten visuelle Reaktionen von Hunden auf menschliche Signale das erste Mal in Echtzeit analysiert werden. Die Ergebnisse zeigen überraschende Unterschiede zwischen rein richtungsweisenden Gesten und solchen, die wirklich referenziell – also auf ein bestimmtes Objekt gerichtet – sind. Denn bisherige Studien legen nahe, dass Hunde eher auf ostensive Signale – wie Blickkontakt oder direkte Ansprache – reagieren und dadurch menschlichen Gesten folgen.

Die Forscher untersuchten 20 Haushunde in einem standardisierten Versuchsaufbau mit fünf verschiedenen Bedingungen:

  1. Zeigen (mit ausgestrecktem Arm auf ein Objekt)
  2. Zeigen + Blickrichtung (kombiniertes Zeigen und Blicken auf das Objekt)
  3. Nur Blickrichtung (wiederholtes Schauen auf das Objekt)
  4. Scheinwurf (eine Bewegung, die lediglich eine Richtung suggeriert, aber nicht referenziell ist)
  5. Kontrollbedingung (keine Geste)

In jeder Bedingung wurde beobachtet, ob der Hund mit seinem Blick dem Signal des Menschen folgte und anschließend das richtige Objekt auswählte. Die Forscher analysierten sowohl die Augenbewegungen während der Signale als auch die letztendlichen Entscheidungen der Hunde.

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Fingerzeig oder Blick? Was Hunde am besten verstehen

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Art und Weise, wie Hunde auf verschiedene Gesten reagieren und wie wir am besten ihre Aufmerksamkeit erregen:

  • Am effektivsten war die Kombination aus Zeigen und Blickrichtung: Hunde folgten diesem Signal am zuverlässigsten mit ihren Blicken und wählten das richtige Objekt häufiger als bei anderen Bedingungen.
  • Zeigen allein war ebenfalls wirksam, aber nicht so zuverlässig wie die Kombination aus Zeigen und Blickrichtung.
  • Nur Blickrichtung reichte nicht aus, um die Aufmerksamkeit der Hunde gezielt auf das Objekt zu lenken.
  • Der Scheinwurf führte dazu, dass die Hunde zwar in die richtige Richtung schauten, aber nicht zwingend das richtige Objekt auswählten.
  • In der Kontrollbedingung (keine Geste) wählten die Hunde das richtige Objekt nur zufällig.

Besonders auffällig war, dass die Hunde in der Zeigen+Blickrichtung-Bedingung nicht nur öfter in die richtige Richtung schauten, sondern auch ihre Blickbewegungen gezielt zwischen Gesicht, Hand und Objekt wechselten – ein Hinweis darauf, dass sie die Geste tatsächlich als referenziell interpretierten.

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Wie man am effektivsten die Aufmerksamkeit von Hunden erregt

Diese Studie liefert neue Hinweise darauf, dass Hunde nicht nur richtungsweisenden Gesten folgen, sondern tatsächlich ein gewisses Verständnis für die Bedeutung unserer Kommunikation haben. Das bedeutet, dass sie nicht einfach nur einer Bewegung hinterherlaufen, sondern aktiv Informationen über ein bestimmtes Objekt verarbeiten können.

Für Hundebesitzer und Trainer ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Klare Kombinationen aus Zeigen und Blickkontakt helfen Hunden besser zu verstehen, worauf sie sich konzentrieren sollen und womit man ihre Aufmerksamkeit erregen kann. Dies könnte insbesondere im Training oder im Alltag, etwa beim Apportieren oder bei der Suche nach Gegenständen, nützlich sein.

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass mobile Eye-Tracking-Technologie eine vielversprechende Methode ist, um das Verständnis von Hunden für menschliche Signale genauer zu untersuchen – und potenziell auch Unterschiede zwischen verschiedenen Hunderassen oder Trainingshintergründen aufzudecken.

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Weitere Forschung nötig

Obwohl die mobile Eye-Tracking-Methode eine realitätsnahe Messung ermöglicht und präzisere Erkenntnisse liefern als bisherige Methoden, muss dies noch weiter erforscht werden. Denn an der Studie nahmen nur 20 Hunde teil. Größere und diverse Gruppen könnten die Ergebnisse jedoch bestätigen.

Außerdem wäre es interessant, Tiere aus dem Tierheim und mit unterschiedlichen Trainingshintergründen zu vergleichen. Denn individuelle Erfahrung und Sozialisation könnten einen signifikanten Einfluss auf Hunde haben. 1

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Quellen

  1. Huber, L. et al. (2024). „Using mobile eye tracking to study dogs’ understanding of human referential communication.“ Proceedings of the Royal Society B. ↩︎

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