6. November 2024, 17:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Am 3. November fand in München ein Dackelrennen im Rahmen des Hundefestivals „Dogworld“ statt. PETBOOK-Autorin Philine Ebert war vor Ort und hat sich drei Rennen angesehen. Als Hundegesundheitsberaterin und Tierbesitzerin teilt sie hier ihre Eindrücke vom Spektakel und kommt zu einem eindeutigen Fazit.
Am 3. November fand in München im Rahmen des Hundefestivals „Dogworld“ auch ein Dackelrennen statt. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Auf einer Rennstrecke von 40 Metern fanden den Tag hindurch mehrere Rennen statt, an denen insgesamt 70 Hunde teilnahmen. Die Teilnehmer kamen mit ihren Tieren dabei aus ganz Deutschland, Österreich, Großbritannien, Spanien und sogar aus Lettland angereist.
Ich habe mir drei Rennen angeschaut, die jeweils kurz und schnell vorbei waren. Darüber kann ich eigentlich nichts Negatives sagen. Die Rennstrecke an sich war gut machbar: nicht zu lang, der Boden nicht rutschig und die Bahn breit genug. Wie ein kleiner Dackel mit kurzen Beinen das empfindet, wenn er über mehrere Durchgänge stundenlang immer wieder laufen muss, weiß ich nicht.
In meinen Augen grenzwertig
Einige Teilnehmer übten vor den richtigen Rennen mit ihren Hunden auf der Bahn. Allerdings wurde es dabei oft laut oder hektisch, wenn Herrchen oder Frauchen ans andere Ende gingen, um den Hund abzurufen. Ich kenne das von meinem eigenen, sehr sensiblen Hund, der regelrecht „weint“, wenn ich einfach weggehe.
Das Drumherum auf dem Festival – für mich war es eher eine Lifestyle-Messe – ist allerdings in meinen Augen grenzwertig. Der Veranstalter selbst beschreibt das Event als „vielfältige Palette an Aktivitäten, Shows und Workshops, die speziell auf die Bedürfnisse und Vorlieben von Hunden und ihren Besitzern zugeschnitten ist“.
So voll, dass kein Durchkommen mehr war
Auf dem Teil des Geländes, auf dem die Hauptattraktionen stattfanden, waren so viele Menschen und so viele Hunde, dass der Platz zum Laufen so eng war, dass ein Hund an der Leine in der Menge getreten und untergegangen wäre. Vor allem im Bereich der Stände und um die einzige Rolltreppe herum stapelten sich die Besucher förmlich. Die meisten Leute hatten ihre Tiere deshalb auf dem Arm. Die Location ist an sich jedoch riesig. Man hätte das Ganze auch weiter auseinanderziehen und weitläufiger gestalten können, damit sich nicht alle auf die Füße und Pfoten treten.
Ähnlich war es auch in der großen Halle bei den Wettkämpfen. Dort war es zeitweise so voll, dass kein Durchkommen mehr war. Und obwohl die vierbeinigen Zuschauer vom oberen Stockwerk zuschauen sollten, waren trotzdem viele Hunde, auch die Teilnehmer, im Gedränge. Wobei das natürlich nicht die einzige Rasse vor Ort war: Vom Mops über Riesendogge bis hin zum Mischling war alles dabei.
Es kam mir eher wie ein „Schaulaufen“ vor
Die Stimmung war im Allgemeinen gut. Natürlich gab es gelegentlich mal Gebell oder Stress, aber bei so vielen Hunden fand ich es unter den Hunden eigentlich sehr friedlich. Trotzdem werden solche Veranstaltungen von Tierschützern kritisch gesehen. Aber Proteste vor Ort habe ich nicht mitbekommen. Im Gegenteil, es kam mir eher so vor als wäre es generell ein „Schaulaufen“ unter Dackelbesitzern darum, wer den tollsten, besten oder schönsten Dackel hat.
Das Angebot der Aussteller war abwechslungsreich: Ob Tierrettung, Hundeschulen, Hundefriseure, Ernährungsberatung oder Futter und Zubehör – alles war dabei. Auf einer Bühne gab es verschiedene Vorführungen wie eine Modenschau oder Dogdancing. Auch Workshops gab es vor Ort, die ich aber nicht besucht habe.
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Ich würde das meinem Hund nicht antun
Das Dackelrennen wird vom Veranstalter als „Highlight“ des Festivals beworben. Die beiden Events miteinander zu verbinden, ist meiner Meinung nach an sich eine gute Idee. Allerdings ist der Besuch nur für Hunde geeignet, die Menschenaufläufe und viele fremde Artgenossen um sich herum gewohnt sind und dabei keinen großen Stress empfinden.
Zum Dackelrennen kann ich persönlich aus meinem „hundefreundlichen“ Empfinden nur sagen, dass ich die Idee zwar nett finde, aber ich denke, dass das Ganze für viele Hunde puren Stress und Überforderung bedeutet. Dafür sind in meinen Augen wirklich nur solche Hunde geeignet, die Wettkampferfahrung haben und geübte und routinierte Teilnehmer an solchen Großveranstaltungen sind. Ich kann mir vorstellen, dass ein kleiner Dackel nach etwa sieben Stunden vor Ort inklusive mehrerer Durchgänge der Rennen, dem Drumherum und teilweiser länger An- und Abreise wahrscheinlich fix und fertig ist. Ich würde das meinem Hund nicht antun.
Die Veranstalter haben bereits angekündigt, dass das Dackelrennen und das „Dogworld-Festival“ auch 2025 in der Motorworld stattfinden wird. Der Termin ist am Sonntag, dem 2. November 2025.