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Expertin gibt Antwort

Wie weit kann ein Hund seine Halter riechen?

Die Nase eines Hundes ist extrem leistungsfähig – viel empfindlicher als die eines Menschen. Doch wie weit können Hunde ihre Halter riechen?
Die Nase eines Hundes ist extrem leistungsfähig – viel empfindlicher als die eines Menschen. Doch wie weit können Hunde ihre Halter riechen? Foto: Universal Images Group via Getty
Dennis Agyemang
Redakteur

6. Februar 2025, 17:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Es ist nichts Neues, dass Hunde eine viel bessere Nase haben als wir Menschen. Eine Hundenase verfügt über rund 300 Millionen Geruchszellen und ist damit 40-mal leistungsfähiger als die eines Menschen. Daher wird ihr besonderes Talent seit Jahrhunderten in den verschiedensten Bereichen eingesetzt. Doch wie weit kann ein „normaler“ Hund seinen Besitzer riechen?

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Hunde sind wahre Meister der Geruchswahrnehmung. Die Hundenase ist ein sehr feines Organ und so können die Vierbeiner Dinge wahrnehmen, die für uns Menschen fast unerklärlich sind. Der Begriff „Spürnase“ kommt daher nicht von ungefähr. Bei der Jagd auf Wild, bei der Personensuche in Katastrophengebieten oder bei der Suche nach Drogen, Waffen und Sprengstoff auf Flughäfen macht man sich diese beeindruckende Eigenschaft seit Jahrzehnten zunutze. Selbst Erkrankungen wie COVID-19, Malaria oder bestimmte Krebsarten können ausgebildete Spürnasen riechen.1 Doch wie weit kann ein „normaler“ Hund seinen Besitzer riechen?

Darum können Hunde besser als Menschen riechen

Vielleicht sollten wir uns zuerst mal – stark vereinfacht – die größten Unterschiede einer Hunde- und einer Menschennase ansehen. Wie beim Menschen gelangen auch beim Hund verschiedene Geruchspartikel durch die Nasenlöcher in die Nasenhöhle. Drüsen in der Nasenhöhle befeuchten die aufgenommene Luft, damit die Geruchsmoleküle mit der Riechschleimhaut in Kontakt kommen. Diese bedeckt die Nasenmuscheln mit einer Fläche von etwa 200 Quadratzentimetern.

Die bis zu 300 Millionen Riechzellen in der Riechschleimhaut eines Hundes leiten die Geruchspartikel an das Gehirn weiter. Ein spezieller Bereich des Gehirns ist ausschließlich für die Verarbeitung von Geruchssignalen zuständig. Hier werden alle eintreffenden Gerüche verarbeitet und bewertet.2 Mit ihrer Nase können Hunde Gerüche in einer Konzentration von eins zu einer Billion wahrnehmen – damit ist ihr Geruchssinn etwa 10.000-mal genauer als der menschliche. So kann eine Hundenase sogar komplexe Geruchsvariationen aufnehmen.

Die Sache mit der Pizza und ihren einzelnen Bestandteilen

Während die menschliche Nase beispielsweise den Geruch einer Pizza wahrnehmen kann, ist die Nase eines Hundes noch viel feiner. Sie könnte theoretisch nicht nur jeden einzelnen Belag der Pizza, sondern auch jedes einzelne Gewürz sowie die Bestandteile der Soße und des Teigs unterscheiden. Zudem können Hunde mit ihrer Nase Temperaturunterschiede von Gegenständen aus einer Entfernung von etwa eineinhalb Metern wahrnehmen. Wir Menschen müssten dafür die entsprechenden Gegenstände berühren.

Kurzum, der Geruchssinn ist der Hauptsinn von Hunden, sagt Tierärztin Dr. Meaghan Thomas vom East Ridge Animal Hospital im US-amerikanischen Chattanooga. „Dieser Sinn ermöglicht ihnen, Echtzeitinformationen aus der aktuellen Umgebung sowie vergangene Ereignisse zu verarbeiten.“ So könnten Hunde anhand eines Geruchs erkennen, ob sich ein Raubtier oder Nahrung in der Nähe befinden. Diese evolutionäre Eigenschaft habe es Hunden ermöglicht zu überleben und sich anzupassen.3

Auch interessant: Catalburun – die seltene Hunderasse mit der gespaltenen Nase

Wie weit können Hunde riechen?

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Wie weit können Hunde eigentlich riechen? „Laut einer Studie der Universität Leipzig können gut trainierte Suchhunde Geruchsspuren über mehrere Kilometer verfolgen, selbst wenn die Spur mehrere Tage alt ist“, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth. Einige Berichte aus der Praxis – etwa von Rettungshunden oder Mantrailern – zeigten, dass Hunde Spuren über mehr als zehn Kilometer verfolgen können. Dies hänge allerdings von verschiedenen Faktoren wie Wetter, Trainingszustand oder Hunderasse ab.

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„Einige Studien deuten darauf hin, dass Umwelteinflüsse wie Regen, Wind und Temperatur die Haltbarkeit einer Spur stark beeinflussen“, erklärt Maritoth im PETBOOK-Interview. So könne sich der Geruch bei günstigen Windverhältnissen weiter ausbreiten, während Regen oder Nebel die Geruchsmoleküle schneller binden. „Feuchtes Wetter verbessert die Geruchsbindung am Boden. Starker Wind kann Gerüche stark verteilen und die Verfolgung erschweren“, so die Expertin.

Diese Hunderassen können besonders gut riechen

„Eine Studie der Universität Hannover aus dem Jahr 2015 ergab ein Verhältnis von 60 zu 40, auch wenn die Spur älter als vier Wochen war“, sagt Katharina Marioth. Ein weiterer Faktor sei aber auch die Temperatur. So könne ein Hund bei genau 0 Grad nicht arbeiten. Bei -0,5 °C oder +0,5 °C sei das aber kein Problem. „Das liegt daran, dass Wasser bei exakt 0 °C in drei Aggregatzuständen gleichzeitig ‚vorliegt‘“.

Doch welche Hunderassen haben die besten Spürnasen? „Bloodhounds sind dafür bekannt, dass sie Spuren über längere Strecken und Zeiträume verfolgen können als andere Rassen“, fasst die Hundeexpertin zusammen. „Auch unter den Dienst- und Jagdhunderassen finden sich viele ‚Nasenspezialisten‘. Spaniel, Malinois oder auch Deutsche Wachtelhunde, um nur einige zu nennen“.

So könnte der Geruchssinn bestimmter Rassen noch verbessert werden

Die Faktoren, die die unterschiedlichen Fähigkeiten der Hunde bei der Geruchserkennung beeinflussen, sind noch wenig erforscht. Es wird vermutet, dass die Gene für die Geruchsrezeptoren bei einigen Hunden verändert und bis zu einem gewissen Grad verfeinert werden können. „In Kombination mit selektiver Zucht, die darauf abzielt, den Geruchssinn bestimmter Rassen zu verbessern, können wir erhebliche Unterschiede in den Geruchsfähigkeiten verschiedener Hunderassen beobachten“, erklärt Dr. Meaghan Thomas.

Aus welcher Entfernung Hunde ihre Besitzer riechen können, lässt sich also nicht pauschal sagen, sondern hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben Rasse, Wetter und Umwelteinflüssen spielt auch der Trainingsstand des einzelnen Hundes eine Rolle. Mit einem gezielten Nasentraining können Halter die Fähigkeiten ihres Vierbeiners in diesem Bereich nicht nur verbessern, sondern ihr Haustier auch auslasten. Allerdings nur unter einer Voraussetzung, sagt Katharina Marioth. „Es muss beiden Spaß machen, und dann heißt es üben, üben, üben.“

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Bei Nasenarbeitstrainings wie Mantrailing sei es wichtig, sich immer wieder auf neue Orte und Situationen einzulassen, so die Hundeexpertin. So erhöhe man nach und nach die Sicherheit und Souveränität des Hundes, dem eigenen „Geruchssinn“ zu vertrauen. „Also langsam aber sicher die Ablenkung steigern, Differenzierungen einbauen, Dauer und Distanz erhöhen.“ Und ganz wichtig: „Wir arbeiten hier IMMER mit Belohnung am Ende“.

Doch eine weitere, wichtige Sache gibt es zu beachten, mahnt die Hundetrainerin. „Achtung bei Suchspielen z. B. mit Futter im Haushalt: Bringen Sie Ihrem Hund niemals bei, dass Sie z.B. etwas in Schränken verstecken. Das kann mal ganz blöde in ganz viel Chaos enden“, erklärt Katharina Marioth lachend.

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Quellen

  1. „nationalgeographic.de“, „Diese Tiere erkennen Krankheiten am Geruch“, (aufgerufen am 03.02.2025) ↩︎
  2. tag24.de“, „Wahre Supernasen: So weit können Hunde riechen“, (aufgerufen am 03.02.2025)
    ↩︎
  3. rover.com, „Vom Bloodhound bis zum Beagle – 11 Hunderassen mit einem ausgeprägten Geruchssinn“, (aufgerufen am 03.02.2025) ↩︎

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