Direkt zum Inhalt wechseln
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Nachgeforscht

Können Hunde neidisch sein? Das besagen Studien

Hund neidisch
Neid ist keine ausschließlich menschliche Emotion, denn auch Hunde können neidisch werden. Foto: GettyImages/Aleksandr Zotov

6. Februar 2025, 10:48 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Viele Hundebesitzer kennen die Situation, wenn der eigene Hund dazwischengeht, sobald sich einem Artgenossen zuwendet. „Ach, der ist nur neidisch“, heißt es dann oft. Kein Wunder: Bei uns Menschen spielt Neid oft eine große Rolle, doch können auch Hunde Neid empfinden? PETBOOK hat nachgeforscht.

Artikel teilen

„Ist dein Knochen etwa größer als meiner?“ – Neid ist eine komplexe Emotion, die wir Menschen instinktiv verspüren, sobald wir überzeugt sind, dass eine Person etwas bekommt oder besitzt, was ihr nicht zusteht. Diese Reaktion habe ich tatsächlich auch schon bei meinem Hund beobachtet. Als Gesundheitsexpertin für Hunde bin ich für PETBOOK der Frage auf den Grund gegangen, ob unsere Vierbeiner auch „neidisch“ sein können. 

Hunde können Neid empfinden, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen

Forscher an der Universität Wien haben 2008 das Experiment zur Verhaltensforschung von Hunden zu diesem Thema gemacht. Dafür ließen sie zwei nebeneinander sitzende Hunde das zuvor gelernte Kommando „Pfote geben“ ausführen. Beide bekamen zunächst eine Belohnung. Später wurde aber nur noch einer der Hunde belohnt – und das sogar, ohne dass er die Pfote gegeben hatte. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie die Tiere auf diese „Ungerechtigkeit“ reagieren. 

Der nicht belohnte Hund beobachtete die Situation fast argwöhnisch, zögerte und reagierte stärker auf seinen Konkurrenten, was zur Folge hatte, dass er sich schließlich weigerte überhaupt noch irgendetwas zu tun, da es sich ja offensichtlich für ihn nicht lohnte. Er kooperierte nicht mehr, reagierte regelrecht beleidigt, ablehnend und gestresst und das noch mehr als in der gleichen Situation alleine ohne einen anderen Hund an seiner Seite.

Hunde empfinden Neid, aber keine Missgunst

Dieses sensible Verhalten aufgrund einer ungleichen Behandlung kannte man bisher nur von Menschenaffen oder Menschen. Vor diesem Experiment war man davon ausgegangen, dass das Gefühl „Neid“ zutiefst menschlich sei, was einmal wieder beweist: Unsere Hunde sind uns ähnlicher als wir denken. 

Dabei handelt es sich bei Hunden wohl um konstruktiven Neid, das bedeutet, das Tier wünscht sich ebenfalls die Dinge zu bekommen, ohne sie dem anderen nicht zu gönnen. Das Gefühl der Missgunst, also destruktiver Neid, bei dem der Wunsch entsteht, dass der Andere etwas verliert oder einen Schaden davon trägt, wird bei Hunden wahrscheinlich kaum der Fall sein. 

Auch interessant: Diese Gefühle ihrer Hunde verstehen Menschen häufig falsch

Ein Sonderfall: der Futterneid

Futterneid ist bei Hunden aus verhaltensbiologischer Sicht nicht mit dem Gefühl, wie wir Menschen Neid empfinden vergleichbar. Es handelt sich dabei mehr um das Verteidigen von Ressourcen, um zu überleben. Dieses Verhalten kann gegen Artgenossen, andere Tiere und auch gegenüber Menschen auftreten und bis zur Futteraggression reichen. 

Bei Welpen kommt Futterneid häufig vor. Wenn sie in großen Würfen geboren werden, müssen sie früh lernen, sich durchzusetzen im Konkurrenzkampf um die Zitzen der Mutter. Dieses teilweise angeborene Verhalten soll ihr Überleben sichern, sich im Laufe der Zeit aber geben, um ein sozial verträgliches Leben zu führen. Eine Ausnahme bilden dabei oft Tierschutzhunde, Straßenhunde oder vernachlässigte Tiere. In diesen Fällen braucht es ein gezieltes Verhaltenstraining. 

„Die Fabel vom neidischen Hund“ aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.

Die Frage, ob Hunde neidisch sein können, hat die Menschen wohl schon früher beschäftigt. So gibt es eine Fabel von Äsop, einem antiken griechischen Dichter, zu diesem Thema. Diese wurde allerdings erst ab dem 12. Jahrhundert aus dem lateinischen übersetzt. Äsop verpackte in seinen Fabeln menschliche Schwächen, unter anderem Neid, in denen Tiere miteinander sprechen und menschliche Charakterzüge aufweisen. 

PIWOSGOL Hunde Kauspielzeug

Interaktives Kauspielzeug – aus Baumwolle und Hanf

Die Fabel mit dem Titel „Die Fabel vom neidischen Hund: Neid ist gar garstig – hört diese Fabel und prüfet euch“ erzählt folgende Geschichte: Ein Hund fand einen alten, abgenagten Knochen, den wollt er keinem anderen gönnen und legte sich in eine Krippe, die voll war von Heu. Als nun Ochs und Esel von der Arbeit kamen zu ihrer Krippe, wollt er sie nicht lassen essen und fletschte über sie die Zähne und knurrte zornig. Da sprach der Ochse zu ihm: du tust uns unrecht, dass du uns das Heu neidest, denn ob du es gleich nicht essen kannst, willst du uns verbieten, dass wir es auch nicht essen sollen. (Fabeln des Äsop: Die 41.Fabel, von dem neidischen Hund)

Mehr zum Thema

Fazit

Nicht umsonst gibt es die Redewendung: „Zwei Hunde können sich schwer auf einen Knochen einigen.“ Neid ist ein soziales Phänomen, das entsteht, wenn sich Individuen untereinander vergleichen. Der „Neidische“ fühlt sich dabei meist ungerecht behandelt und benachteiligt. Solche Situationen sowie das damit verbundene Verhalten sind im Alltag unserer Hunde allgegenwärtig. Ob der größere Knochen, das bessere Leckerli, das spannendere Spielzeug oder mehr Aufmerksamkeit, unsere Hunde sind uns in diesem Thema wohl doch sehr ähnlich. 

Themen #AmazonPets Hundeverhalten

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.