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Ursachen und Maßnahmen

Warum es Futteraggression bei Hunden gibt und wie man damit am besten umgeht

Futteraggression: Jack Russell Terrier mit Knochen
Dass Hunde ihr Futter verteidigen, ist normal. Problematisch wird es, wenn der Vierbeiner knurrt oder gar zubeißt Foto: iStock/alexei_tm
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PETBOOK Redaktion

17. September 2022, 20:39 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ihr Futter ist den Hunden wichtig – kein Wunder, dass manche von ihnen es verteidigen. Beim Menschen kommt das meist nicht gut an. Dabei hat das Verhalten vorwiegend eine bestimmte Ursache und kann verhindert bzw. abtrainiert werden.

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Beim Thema Fressen hört bei vielen Hunden der Spaß auf. Das bekommen manchmal auch ihre Halter zu spüren, die von ihrem Tier angeknurrt werden, sobald sie sich in die Nähe des Napfes wagen. „Futteraggression ist ein häufiges Thema, aber für den Hund ein ganz normales Verhalten. In der Natur würde das keinen stören“, erklärt die Hundetrainerin Kris Hansen. Schließlich sei das Futter für das Tier eine wichtige Ressource und Hunde verteidigen, was ihnen wichtig sei. Doch kann man dennoch etwas tun, wenn der Hund Futteraggression zeigt – und was sollte man vermeiden?

Diese Signale zeigen Hunde bei Futteraggression

Manche Hunde fressen zum Beispiel besonders schnell, um das Futter in den Bauch und damit in Sicherheit zu bringen. Andere legen demonstrativ eine Pfote auf ihren Knochen. Während dies von menschlicher Seite aus toleriert wird, sieht das bei der Futteraggression anders aus: Dann knurren die Hunde, schnappen vielleicht in die Richtung des Menschen oder beißen sogar zu.

Auch deshalb sollte man auf einige Signale achten. Aus dem Nichts kommt das nur selten, die meisten Hunde warnen nämlich vorher. Die Signale sind:

  • steifer Körper
  • fixierter Blick
  • nach vorne gestellte Ohren
  • nach oben zeigende Rute
  • gesträubtes Fell
  • nach hinten geschobene Lefzen
  • Knurren

Stellt der Hund mit Futteraggression die Rangfolge infrage?

Nein. Mit dem Infragestellen einer Rangfolge, wie es so oft propagiert wird, hat Futteraggression nichts zu tun. Dies sei wissenschaftlich längst belegt, weiß Hundetrainerin Kris Hansen. Rassen, die zur Verteidigung gezüchtet werden, wie etwa Rottweiler und Schäferhunde, tendieren generell zur Futterverteidigung. Auch bei Hunden, die schon mal gehungert haben, gibt es ein höheres Risiko.

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Was der Hundebesitzer nicht tun sollte

Eine Bestrafung oder übertrieben dominantes Verhalten seitens des Menschen sollte vermieden werden, da beides kontraproduktiv wirken kann. Zudem beseitigt das nicht die Ursache des Problems. Im ungünstigen Fall folgert der Hund daraus, dass er nicht mehr knurrt, sondern gleich beißt. Kris Hansen: „Knurren ist ein Bestandteil der Hundesprache und bedeutet ein deutliches ‚Nein‘. Und das sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.“

Futteraggression vorbeugen und abtrainieren

Wer einen Welpen aufzieht, kann einiges tun, damit es gar nicht zu einer Futteraggression kommt. „Er sollte von klein auf merken, dass er nicht um sein Futter fürchten muss“, sagt die Hundetrainerin Tina Schnatz. Sie empfiehlt, sich neben den Napf zu setzen, während der Kleine frisst und dabei immer wieder Futterbrocken hineinzulegen. So lernt der Welpe, dass ein Mensch in der Nähe des Napfes das Beste ist, was ihm passieren kann.

Beim erwachsenen Hund, bei dem sich das aggressive Verhalten während des Fressens bereits verfestigt hat, ist das Training natürlich aufwendiger. „Eine Möglichkeit ist es, das Tier nur aus der Hand zu füttern“, so Hansen. Zudem kann mit dem Hund ein Unterbrechungssignal eingeübt werden, zunächst natürlich in entspannten Situationen, also fern vom Napf. Hört der Hund auf dieses Signal, erhält er ein Leckerli. Klappt die Übung gut, wird auch am Napf geübt. Stoppt der Hund auf das Signal hin mit dem Fressen, gibt es eine große Belohnung: sein Lieblingsleckerli.

Anders sieht es bei einer sehr extremen Futteraggression aus, wenn also der Hund den Menschen attackiert und der Halter sich kaum mehr in die Küche traut. Sowohl Kris Hansen als auch Tina Schnatz plädieren dafür, dann den Rat eines Hundetrainers einzuholen, der mit positiver Verstärkung arbeitet. Das Ziel ist es, dem Hund ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln – er soll lernen, dass ihm nichts weggenommen wird.

Eine Herausforderung sind Hunde, die bereits mehrere Besitzer hatten und dort mit ihrem Drohverhalten erfolgreich waren. Und sehr schwierig wird es bei Tieren, die für ihr Drohverhalten bereits bestraft wurden. „Dann droht das Tier nicht mehr, sondern greift direkt an“, sagt Schnatz. Dabei kann es einige Wochen dauern, bis zum Beispiel ein Hund aus dem Tierschutz in seinem neuen Zuhause ein solches Verhalten zeigt. „Am Anfang ist der Hund dafür noch von der neuen Umgebung zu beeindruckt“, erklärt die Hundetrainerin diesen scheinbar plötzlichen Sinneswandel des Tieres.

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Was tun bei mehreren Hunden?

Vorsicht ist auch geboten, wenn mehrere Hunde zusammenleben. „Am Anfang füttert man sie am besten mindestens in verschiedenen Ecken oder besser sogar Räumen“, empfiehlt Schnatz. Es ist wichtig, dass jeder Hund lernt: Mein Napf ist nicht bedroht. Mit der Zeit können die Näpfe bei unkomplizierten Tieren immer näher zusammengerückt werden.

Damit kein Hund, dem anderen etwas wegfrisst, sollte der Halter während der Fütterung im Raum bleiben. „Sonst wird ein Hund immer dicker und der andere immer dünner“, so Hansen. Typischerweise checken die Vierbeiner nach dem Fressen auch den Napf des Kollegen. Sollte dies der andere nicht tolerieren, sollten alle Näpfe sofort nach dem Fressen weggeräumt werden.

Mit Material von dpa

Themen Hundeverhalten

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