
30. Januar 2024, 10:49 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Mittlerweile leidet fast jeder fünfte Hund an einer Allergie oder Unverträglichkeit. Mit einem Test für zu Hause soll man diese nun ganz einfach nachweisen können. Etwas Speichel und Haare vom Vierbeiner einschicken und nach ein paar Wochen ist das Ergebnis da. Aber wie akkurat sind solche Tests? Mittlerweile haben dies mehrere Studien untersucht.
Der Hund kratzt sich ständig, erbricht regelmäßig oder hat Haarausfall? Das können Anzeichen einer Allergie oder Unverträglichkeit sein. Doch dies nachzuweisen, ist oft gar nicht so leicht. Trotzdem versprechen zahlreiche Angebote im Netz und auf Social Media, dass jeder seinen Vierbeiner jetzt ganz einfach von Zuhause testen kann. Alles, was es dafür braucht, sind etwas Speichel und Haare vom Tier. Diese werden eingeschickt und nach wenigen Wochen bekommt man das Ergebnis. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es leider auch! Denn mehrere Studien konnten bereits zeigen, dass die Allergietests für Hunde zum Selbsttesten nicht das halten, was sie versprechen.
Das versprechen die Allergietests für Hunde
Je nach Anbieter sollen die Allergietests für Hunde die eingeschickten Proben auf bis zu 200 verschiedene Unverträglichkeiten testen. Die meisten davon umfassen Stoffe aus Futtermitteln wie verschiedene Fleischsorten, aber auch Zusatzstoffe und Getreidearten. Zudem bieten manche Hersteller auch Tests auf Gräser, Pollen und Milben an. Kostenpunkt: zwischen 90 und 200 Euro pro Test.
Die Anbieter werben damit, dass der Allergietest für Hunde einfach und schmerzfrei von Zuhause erfolgen kann. Einfach ein bisschen Speichel und ein paar Haare einschicken und nach wenigen Wochen erhält man eine umfangreiche Analyse. Wer will seinem Hund da noch einen Besuch beim Tierarzt zumuten, wo ihm wahrscheinlich Blut abgenommen wird, um auf mögliche Allergien zu testen?
Was wird bei den Tests nachgewiesen?
Im Gegensatz zum Allergietest für Hunde beim Tierarzt werden bei den Selbsttests für zu Hause keine sogenannten Antikörper nachgewiesen. Stattdessen soll der Test Unverträglichkeiten und Empfindlichkeiten des Hundes ermitteln, indem das Protein aus der bereitgestellten Probe entnommen und auf Reaktionen mit mehr als 200 unterschiedlichen Allergenen getestet wird, heißt es auf der Website des Herstellers „Hundelabs“.
Den Speicheltest könne man daher nicht mit dem Bluttest vergleichen, heißt es weiter. Sie befänden sich in zwei verschiedenen Bereichen der Tiermedizin. So lege der Bluttest im Bereich der Schulmedizin und der Speicheltest im Bereich der Naturheilpraktik.
Allergietest testet nicht gar nicht auf Allergien!
Das Unternehmen Canix erklärt, bei der Analyse würden die Proben diversen Tests unterzogen. Die daraus gewonnenen Werte würden automatisch mit einer Datenbank verglichen, in der für jede der getesteten Substanzen die Normwerte hinterlegt sind. Diese repräsentierten den Normalzustand bei einem gesunden Stoffwechsel.
Überschreiten die Werte einen bestimmten Grenzwert oder weichen deutlich von den Normwerten ab, wird die jeweilige Substanz als Ursache für eine Überempfindlichkeit eingestuft. Hier wird noch einmal deutlich, dass bei diesem Verfahren nicht auf Allergien, sondern auf Unverträglichkeiten getestet wird, was medizinisch ein bedeutender Unterschied ist.
Der Unterschied zwischen Allergie und Unverträglichkeit
Bei einer Allergie kommt es immer zu einer Reaktion des Immunsystems. In der Regel reagiert der Körper dabei auf ungefährliche Fremdstoffe, die Allergene genannt werden. Das können bestimmte Eiweiße wie in Hühner- oder Rindfleisch sein, aber auch Pollen oder Ausscheidungen von Milben.
Die körpereigene Abwehr bildet dann sogenannte IgE-Antikörper. Die Symptome reichen bei Allergien von leichten Jucken, Brennen und Schwellungen der Schleimhäute bis zum lebensbedrohlichen Kreislaufversagen im anaphylaktischen Schock.
Bei einer Unverträglichkeit, auch Intoleranz genannt, ist das Immunsystem nicht beteiligt. Demnach werden auch keine IgE-Antikörper gebildet. Die Symptome können jedoch ähnlich zu denen einer Allergie sein – dazu gehören Verdauungsbeschwerden oder Juckreiz. Die Beschwerden werden aber nicht durch Allergene verursacht, sondern weil der Körper nicht genug von bestimmten Enzymen oder Transportproteinen besitzt, um bestimmte Bestandteile der Nahrung wie beispielsweise Laktose, Fruktose und Histamin abzubauen oder in den Körper aufzunehmen.
Da aber auch Symptome einer Unverträglichkeit unangenehm und einschränkend sind, können Tests hierauf durchaus Sinn ergeben – wenn sie tatsächlich funktionieren würden.
Wie genau sind die Testergebnisse? Das besagen Studien
Schaut man sich die aktuelle Studienlage zu den sogenannten Allergietests für Hunde zum Selbsttesten an, darf man ernste Zweifel an deren Ergebnissen haben. Mittlerweile haben mehrere Veterinär-Institute – darunter Tierärzte, die sich auf Dermatologie von Tieren spezialisiert haben – die Test-Kits geprüft.
Dabei wollten sie feststellen, wie genau die Testergebnisse sind und ob sie zuverlässig zwischen einem gesunden Hund und einem Hund mit bekannten Allergien unterscheiden können. Dafür schickten die Forscher jeweils Fell- und Speichelproben der Tiere ein – darunter auch „falsche“ Proben, bei denen die Haare von Stofftieren stammten und der Speichel einfaches Salzwasser war.
Auch Stofftieren bescheinigten die Tests Unverträglichkeiten
Bei allen Testergebnissen zeigte sich kein Unterschied zwischen gesunden Hunden und Tieren mit bekannten Allergien. Nun könnte man noch argumentieren, dass sich eine Unverträglichkeit nicht immer in Symptomen äußert und daher auch ein als gesund eingestufter Hund positive Testergebnisse haben kann.
Allerdings bescheinigte der Test auch den Stofftieren mehrere Unverträglichkeiten. Auch die als Speichel eingeschickte Kochsalzlösung wies Unverträglichkeiten im Testergebnis auf. Dies konnten gleich zwei Studien unabhängig voneinander nachweisen.
Daher kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich Haar- und Speicheltests nicht zur Diagnose von Allergien oder Unverträglichkeiten eignen und kein Ersatz seien für eine tierärztlich angeordnete Abklärung und Diagnostik einer Allergie beim Hund.
Welche Allergietests für Hunde Sinn ergeben
Allerdings sind auch die Allergietests für Hunde beim Tierarzt nicht immer aussagekräftig. Denn die sogenannten IgE-Antikörper, die bei einem Bluttest nachgewiesen werden, sagen nur aus, dass der Körper sich mit bestimmten „potenziellen“ Allergenen auseinandergesetzt hat. Es bedeutet aber nicht, dass der Hund deswegen gleich allergisch ist.
So zeigen mehrere Studien, dass ein positives Ergebnis von Allergietests für Hunden gerade mal eine Aussagekraft von 15 Prozent hat. Das bedeutet also, dass von 10 Hunden, bei denen der Allergietest Antikörper nachweist, nur einer tatsächlich auch eine Allergie hat. Dafür kann man sich bei einem negativen Testergebnis ziemlich sicher sein, dass keine Allergie hinter Symptomen wie Durchfall, Juckreiz oder Blähungen steckt.
Hauttests haben meist höhere Genauigkeit bei Allergien von Hunden
Anders sieht es aus beim sogenannten Intrakutantest. Hierbei werden verschiedene Substanzen, die in Verdacht stehen, die Allergie auszulösen, in die Haut gespritzt und die Reaktion beobachtet. Ähnlich ist der Patch-Test oder Pricktest, den wir auch bei uns Menschen kennen. Dabei werden die Proben direkt auf die Haut aufgetragen. Reagiert diese mit Schwellungen, kann man laut Studien mit etwa 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Hund gegen den Stoff allergisch reagiert.
Allerdings sind diese Tests relativ aufwendig und nicht jede Praxis bietet sie an. Zudem muss der Hund großflächig rasiert und entweder mehrfach gespritzt oder zumindest die Haut angeritzt werden, was nicht jeder Vierbeiner so ohne Weiteres über sich ergehen lässt.
Daher gilt die Ausschlussdiät heute immer noch als die zuverlässigste Methode, um Futtermittelallergien beim Hund zu diagnostizieren.
Quellen
- Polovic, N. et al. (2013) „Dog saliva – an important source of dog allergens“. Allergy 68(5), 585-92. doi: 10.1111/all.12130
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- Lam, A. T. H., Johnson, L. N., Heinze, C. R. (2019) „Assessment of the clinical accuracy of serum and saliva assays for identification of adverse food reaction in dogs without clinical signs of disease“. Journal of the American Veterinary Medical Association 255(7), https://doi.org/10.2460/javma.255.7.812
- Mueller, R. S., Olivry, T. (2017) „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (4): can we diagnose adverse food reactions in dogs and cats with in vivo or in vitro tests?“. BMC Vet Res. 13, 275, doi: 10.1186/s12917-017-1142-0
- Coyner, K., Schick, A. (2018) „Hair and saliva test fails to identify allergies in dogs“. J Small Anim. Pract., 60(2), 121-125, doi: 10.1111/jsap.12952
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- Chan, S. K., Leung, D. Y. M. (2018) „Dog and Cat Allergies: Current State of Diagnostic Approaches and Challenges“. Allergy Asthma Immunol Res., 10(2), 97–105, doi: 10.4168/aair.2018.10.2.97

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Weitere Quellen
- vetskinandear.com.au, „Food Allergy and Diet Trials“ (aufgerufen am 30.01.2024)
- vet-dogs.de, „Warum ein Allergietest oftmals keinen Sinn macht“ (aufgerufen am 30.01.2024)
- anicura.de, „Allergietest Hund“ (aufgerufen am 30.01.2024)