
11. Juni 2024, 17:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Dass Hunde kein Bier trinken sollten, ist hoffentlich jedem Hundebesitzer klar. Leider passiert es aber immer wieder, dass die Vierbeiner versehentlich an Schnapspralinen oder Eierlikör gelangen. Geht es unseren Hunden dann auch so wie uns, wenn wir zu viel Alkohol getrunken haben?
Der Dackel plündert die Schnapspralinen, die Dogge schlürft unbemerkt die Fruchtbowle leer, der Pudel findet die vergorenen Kirschen im Müll – leider passieren immer wieder Unfälle, bei denen Hunde versehentlich Alkohol konsumieren. Dass Bier, Eierlikör und Co. absolut tabu sind und auch nicht zur Belustigung der Besitzer an die Vierbeiner verabreicht werden, ist für verantwortungsvolle Hundebesitzer selbstverständlich.
Aber was passiert, wenn unsere Hunde doch mal versehentlich einen „über den Durst“ trinken? Ist ihnen dann auch schlecht oder schwindelig und bekommen sie sogar einen Kater? Und ab welcher Menge Alkohol sollte man besser den Tierarzt aufsuchen? PETBOOK ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.
Das passiert, wenn Hunde Alkohol trinken
Nehmen Hunde Alkohol wie Bier oder Wein oral auf, gelangt er innerhalb von 30 Minuten über den Darm ins Blut. Bei geringen Mengen können Symptome wie Schläfrigkeit oder Benommenheit auftreten. Bei größeren Mengen müssen sich die meisten Hunde übergeben, denn Alkohol irritiert die Magenschleimhaut der Tiere. 1
Genau wie wir können Hunde Alkohol über die Leber abbauen. Allerdings geschieht dies sehr viel langsamer. Grund dafür ist, dass Hunde nicht so leistungsstarke Enzyme für den Alkoholabbau besitzen wie wir Menschen, da Alkohol in ihrer Ernährung kaum eine Rolle spielt. Daher reagieren sie viel empfindlicher auf den Konsum von Bier oder Wein.
Alkohol wirkt als Zellgift – davon ist das zentrale Nervensystem, also das Gehirn, als erstes betroffen. Dadurch kommt es zu Koordinationsstörungen. Zudem werden dem Körper beim Abbauprozess Wasser und Zucker entzogen. So kommt es auch bei Hunden zu einer Dehydrierung und Hypoglykämie, also einer Unterzuckerung. Viele Vierbeiner müssen sich übergeben, was den Wassermangel im Körper noch verstärkt. Schließlich werden auch Leber und Niere in Mitleidenschaft gezogen.
Symptome und Folgen einer Alkoholvergiftung beim Hund
Hat der Hund größere Mengen an Alkohol konsumiert, kommt es zu einer Alkoholvergiftung. Diese äußert sich mit ganz ähnlichen Symptomen wie bei uns Menschen. Dazu zählen:2
- Übelkeit und Erbrechen
- Schlappheit
- Desorientierung
- vermehrtes Trinken
- starkes Speicheln
- Atemprobleme
- Unruhe
- verlangsamter Herzschlag
- Krämpfe
Haben Hunde nach zu viel Alkohol einen Kater?
Trinken wir Menschen „einen über den Durst“, geht es uns am nächsten Tag schlecht, was wir umgangssprachlich als „Kater“ bezeichnen. Zu den typischen Symptomen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelschmerzen, vermehrter Durst, Müdigkeit und depressive Verstimmung. 3
Der genaue Entstehungsprozess des Katers ist wissenschaftlich immer noch nicht vollständig geklärt. Man kann aber davon ausgehen, dass die Kater-Symptome zum einen vom Alkohol selbst kommen, der ja als Zellgift wirkt. Zum anderen wird vermutet, dass auch der Abbauprozess und die dabei entstehenden Produkte wie Acetaldehyd, auch Ethanal genannt, für das Unwohlsein am nächsten Tag sorgen.
Da Hunde Alkohol ähnlich abbauen wie wir Menschen, haben auch unsere Vierbeiner wahrscheinlich mit einem Kater zu kämpfen – oder zumindest mit vergleichbaren Symptomen. Ob sie dabei auch Kopf- oder Gliederschmerzen haben, ist allerdings schwer zu sagen. Körperlich beeinträchtigt sind sie aber definitiv, wie viele Praxisbeispiele aus dem Alltag der Tierärzte zeigen. Meist schlafen Hunde nach Alkoholkonsum viel.
Wie viel Alkohol verträgt ein Hund?
Wie viel Alkohol ein Hund verträgt und ab wann es für ihn lebensgefährlich wird, hängt von mehreren Faktoren ab wie: 4
- Größe und Gewicht des Hundes
- Menge des aufgenommenen Alkohols
- Füllung des Magens
- Vorerkrankungen
Als tödliche Dosis Alkohol gelten: 3 bis 6 g/kg Körpergewicht bei Hunden.
Hier ein Rechenbeispiel: Für einen kleinen Hund mit einem Gewicht von drei Kilogramm sind 9 bis 18 Gramm Alkohol bereits tödlich. In einem Glas Wein (100 ml) sind etwa 8,8 Gramm enthalten, in einem Glas Tequila (20 ml) etwa 6 Gramm. 5
Für kleine Hunde wie Chihuahuas kann es also schnell lebensgefährlich werden, wenn sie ein Glas Eierlikör ausschlecken, während Doggen in der Regel ohne Probleme ein Glas Bier vertragen – was jedoch nicht bedeutet, dass sie dieses auch bekommen sollten!
Hund hat Alkohol getrunken? Das ist zu tun!
Hat der Hund versehentlich Alkohol getrunken oder vergorene Früchte genascht, sollte man am besten zunächst die Menge abschätzen. Handelt es sich um einen großen Hund, der sich ein verschüttetes Bier einverleibt hat, besteht meist kein Handlungsbedarf. Anders sieht es auch, wenn der Dackel Omas Schnapspralinen entdeckt und vernichtet hat. Hier kann die Menge schnell lebensgefährlich werden.
Im Zweifel heißt es deswegen: lieber schnell zum Tierarzt. Dieser kann den Herzschlag und die Atemfrequenz im Blick behalten und anhand einer Blutprobe untersuchen, ob die Niere oder Leber geschädigt wurden. Zudem kann der Veterinär durch Infusionen und Medikamente Schlimmeres verhindern und dafür sorgen, dass es dem Hund schnell wieder besser geht. In extremen Fällen wird dem Hund der Magen ausgepumpt und er muss einige Zeit in der Klinik verbringen.
Aber auch Zuhause kann man einiges für seinen Hund tun. Bei milderen Fällen schlafen die Tiere ihren Rausch meist einfach aus. Hierfür sollte man ihnen ein ruhiges Plätzchen einrichten, damit sie sich schnell erholen.
Wichtig: Den Hund beim „Ausnüchtern“ nicht unbeobachtet lassen, damit er sich nicht verletzt und ausreichend Wasser zum Trinken bereitstellen.

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So schützen Sie Ihren Hund vor Alkohol
Genau wie wir können auch Hunde süßen Versuchungen schwer widerstehen. Vor allem Cocktails, alkoholische Pralinen oder vergorene Früchte werden von den Vierbeinern probiert oder gleich ganz vertilgt. Daher sollte man alkoholische Getränke stets hundesicher verwahren.
Getränke, die Alkohol enthalten, niemals unbeaufsichtigt lassen. Vor allem Welpen und Junghunde sind neugierig und probieren gerne unbekannte Dinge. Daher sollte man auch verschütteten Alkohol immer gleich wegwischen.
Übrigens stellen nicht nur Getränke wie Wein, Bier oder Spirituosen eine Gefahr dar. Auch Haushaltsmittel oder Desinfektionssprays können eine beträchtliche Menge Alkohol enthalten, den Hunde auch über die Haut aufnehmen können. Daher sollte man auch diese außer der Reichweite der Vierbeiner verwahren und die Schränke gegebenenfalls mit Kindersicherungen absichern.