
30. Dezember 2024, 6:40 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Haben Wölfe Zahnhygieneprobleme? Kaum vorstellbar, denn die Natur hat sie perfekt darauf abgestimmt, ihre Zähne gesund zu halten. Durch das Zerteilen von Beutetieren reinigen sie ihr Gebiss automatisch. Ganz anders sieht es bei Haushunden aus: Rund 85 Prozent der über dreijährigen Tiere leiden an Zahn- oder Zahnfleischproblemen.
Während Wölfe durch ihre natürliche Lebensweise automatisch für gesunde Zähne sorgen, sieht es bei ihren domestizierten Nachfahren weniger rosig aus. Weiches Futter und fehlende Reinigung begünstigen bei Hunden Zahnprobleme, die unbehandelt ernsthafte Folgen haben können. Doch woran erkennt man Zahnprobleme beim Hund, und welche Maßnahmen helfen effektiv? Von ersten Warnsignalen bis hin zu praktischen Tipps zur Zahnpflege – hier erfahren Halter alles Wichtige.1
Übersicht
Woran merkt man, ob der Hund Probleme mit den Zähnen hat?
Müffelt der Hund aus dem Maul? Sind die Zähne des Vierbeiners gelblich-braun verfärbt oder sind braune Ränder am Zahnfleisch sichtbar? Wenn ja, dann ist das ein ernst zu nehmendes Alarmsignal, denn hierbei handelt es sich um Plaque und bakteriellen Befall. Ein weiteres Zeichen ist, dass der Hund weniger frisst, plötzlich mäkelig ist und nur noch ganz weiches Futter mag.
Generell kann sich die Laune mit Zahnproblemen betroffener Hunde verschlechtern und sie wirken niedergeschlagen und lustlos. Manchmal kann man auch beobachten, dass der Hund nur noch auf einer Seite seines Mauls kaut. Vielleicht jault er sogar beim Fressen kurz auf? Auch auffälliges Kratzen an der Schnauze und Reiben des Kopfes am Boden können Hinweise für Zahnschmerzen sein.
Wie entsteht Zahnstein bei Hunden?
Überwiegend sind eine falsche Fütterung und mangelnde Reinigung der Grund dafür, dass sich bei Hunden Zahnstein bildet. Zudem haben zuchtbedingt besonders kleinere Rassen vermehrt Zahnprobleme. Ursachen sind hier schmale Kiefer und zu eng stehende Zähne. Genetisch bedingt sind bei bestimmten Hunderassen einige Zähne verkümmert oder besonders kurz. Während fehlende oder kleine Backenzähne die Gesundheit der Hunde nicht beeinträchtigen, stellt eine Zahnfehlstellung ein gesundheitliches Risiko dar.
Auch interessant: Französische Bulldogge – die beliebten „Frenchies“ im Porträt
Bei Hunden mit kurzer Schnauze ist der Fang oft zu klein für die Anzahl der Zähne, sodass es passieren kann, dass die Milcheckzähne nicht ausfallen. So entstehen Zahnfehlstellungen, es kann sogar zu Parodontitis, einer bakteriell bedingten Entzündung, kommen. Eine Zahnfehlstellung verhindert nämlich die spezifischen selbstreinigenden Mechanismen des Gebisses. Beim Fressen bilden sich durch zahnsteinfördernde Futtermittelanteile, gemischt mit Speichel und im Mundraum lebenden Bakterien, Beläge (Plaque) auf den Zähnen.
Tipps für das Zähne putzen beim Hund
Manche finden es vielleicht eine komische Vorstellung, dem Hund die Zähne zu putzen. Aber Parodontose verschont eben auch unsere Haustiere nicht. Deshalb empfehlen Tierärzte zumindest alle zwei Tage, das Hundegebiss zu reinigen. Natürlich nicht mit einer herkömmlichen Zahnbürste und einer Zahnpasta mit Minze-Geschmack.
Im Tierfachhandel gibt es unzählige Zahnbürsten-Modelle, die weich genug sind für das empfindliche Zahnfleisch von Hunden. Die Technikfreaks unter den Hundehaltern tendieren vielleicht gleich zu einer Ultraschall-Zahnbürste, für die man allerdings tiefer in die Tasche greifen muss. Manche Modelle kosten rund 200 Euro. Bei der Zahnpasta hat man u.a. die Qual der Wahl zwischen Rind- und Lebergeschmack. Zahnpasta für Hunde ist frei von Fluorid.2
Früh übt sich
Am besten gewöhnt man schon Welpen spielerisch daran, dass sie ohne Probleme ihren Fang öffnen. So klappt das Zähne putzen beim Adult-Hund meist deutlich besser. Zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat verlieren die Junghunde ihre Milchzähne und bekommen dann 42 Zähne zum Reißen und Kauen. Zum Einstieg kann man den jungen Hund mit einem Fingerling an das Zähneputzen gewöhnen. Dieser wird über einen Finger gezogen und damit das Zahnfleisch massiert.3
Prophylaxe
Damit der Hund gar nicht erst Probleme mit Zähnen oder dem Zahnfleisch bekommt, gibt es einige prophylaktische Maßnahmen: Diverse Kauwurzeln, Kau-Stripes oder Denta-Stix zum Knabbern können die Zähne zusätzlich reinigen. Man kann das Gebiss auch mit einem Zahnpflegespray einsprühen, das die Plaque auflöst. Hunde, die gebarft (naturbelassenes, rohes Futter) werden, haben übrigens sehr viel weniger Zahnbelag. Rohes sehniges Fleisch zum Kauen oder ein Knochen zwischendurch ist also nicht verkehrt zur Prophylaxe.
Auch interessant: Wie erkennt man einen guten Tierarzt?

Maulhygiene Die richtige Zahnpflege für Hunde und Katzen

Pflege und Reinigung Experte erklärt, wie die Zähne der Katze gesund bleiben

Fast jedes Tier betroffen Warum Zahnschmerzen bei Katzen oft unentdeckt bleiben
Zahnstein beim Tierarzt entfernen lassen
In besonders hartnäckigen Fällen kann Zahnstein auch beim Tierarzt entfernt werden. Die meisten Hunde reagieren jedoch gestresst, wenn sie sich einer Zahnreinigung unterziehen müssen. Deshalb rät man zur Vollnarkose, da es der Tierarzt natürlich auch gerne vermeiden möchte, dass das Tier in Panik gerät und sich möglicherweise dabei selbst verletzt. Davon abgesehen, dass eine Zahnreinigung in Narkose teuer ist, ist das Risiko einer Vollnarkose nicht zu unterschätzen. Es kann dabei zu Blutdruckabfällen und Herzrhythmusstörungen kommen. Je älter der Hund, desto höher ist das Risiko für etwaige Komplikationen.