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Altersforschung

Stirbt Ihr Hund bald? Neuer Test soll es zeigen

Forscher haben ein Tool entwickelt, mit dem Halter von älteren Hunden erfahren können, wie der körperliche Zustand ihres Hundes ist und wie lange das Tier noch leben könnte
Forscher haben ein Tool entwickelt, mit dem Halter von älteren Hunden erfahren können, wie der körperliche Zustand ihres Hundes ist und wie lange das Tier noch leben könnte Foto: Getty Images/Westend61
Dennis Agyemang
Redakteur

14. Oktober 2024, 17:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

„Das Leben von Hunden ist zu kurz. Das ist ihr einziger Fehler.“ Das stellte einst die amerikanische Schriftstellerin Agnes Sligh Turnbull fest und spricht damit den meisten Hundehaltern aus der Seele. Denn oft ist es gerade bei älteren Hunden schwer vorherzusagen, wie lange sie noch zu leben haben. Was das Treffen von wichtigen Entscheidungen erschweren kann. Ein neuer Test soll nun helfen.

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Der Verlust eines geliebten Haustieres ist für die meisten Halter ein einschneidendes Erlebnis, von dem sich viele nicht wieder erholen. Doch auch vor dem Tod des Tieres geht ihm oft eine andere schwierige Phase voraus: Und zwar das Treffen wichtiger Entscheidungen über die Gesundheitsfürsorge für den älteren Hund.

Neuer Test kann vorhersagen, ob der Hund innerhalb der nächsten sechs Monate versterben wird

Im Rahmen einer neuen Studie von Forschenden der North Carolina State University entstand nun ein Test, der Hundehalter bei diesem schweren Prozess unterstützen soll. So soll dieses neu entwickelte Tool Tierhaltern und Tierärzten dabei helfen, die tatsächliche Gebrechlichkeit älterer Hunde einzuschätzen. So können Unsicherheiten bei diesen ohnehin schwierigen Entscheidungen beseitigt und Haltern die Möglichkeit gegeben werden, sich im Zweifelsfall auf das Ableben ihres Tieres besser vorzubereiten.

Laut den Forschern könne der Test in Kombination mit einer tierärztlichen Beurteilung von Körper und Muskelzustand die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Sterblichkeit des Hundes vorhersagen. Kurzfristig meint hier einen Zeitraum von einem halben Jahr. Zudem sollen Halter hilfreiche Informationen über den Gesundheitszustand sowie die Lebensqualität ihres Hundes erhalten.

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„Wir verfügen über Tools zur Bewertung der Gebrechlichkeit beim Menschen“

„Beim Menschen klassifizieren wir Gebrechlichkeit als einen physischen oder physiologischen Zustand, der mit Kraftverlust, langsamer Gehgeschwindigkeit, Gewichtsverlust, Erschöpfung und verminderter Aktivität einhergeht. Also das, was passiert, wenn der Körper anfängt, abzubauen“, sagt Mitautorin Natasha Olby, Professorin für Gerontologie am NC State.

„Beim Menschen korreliert Gebrechlichkeit mit Einschränkungen und Sterblichkeit, und wir verfügen über Instrumente zur Bewertung der Gebrechlichkeit beim Menschen“, sagt Olby. „Bei Hunden ist dies jedoch ein neues Feld, und es besteht ein Bedarf an Screening-Tools, die einfach anzuwenden sind.“

„Wie lange wird mein Hund noch leben?“

Kurz zur Einordnung: Olby ist Leiterin des Programms für Neuroalterung bei Hunden an der NC State University, wo sie gemeinsam mit ihren Kollegen die Mechanismen des Alterns bei Hunden erforscht. Ein Tool, das die Gebrechlichkeit von Hunden messen kann, wäre aus gleich mehreren Gründen wertvoll, sagt sie.

Tractive GPS Tracker

So könnte ein solches Tool Besitzern von älteren Hunden dabei helfen, schwierige Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise bei der Frage, ob man einem Senioren-Hund noch eine aggressive Behandlung zumuten kann. Oder ob er bereits so gebrechlich ist, dass man Palliativmaßnahmen oder gar eine Einschläferung in Betracht ziehen sollte. Die aus dem Test gewonnen Informationen könnten Haltern im Falle einer Einschläferungsempfehlung zu mehr Klarheit und weniger Schuldgefühlen verhelfen.

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Die Sache hat einen Haken

Denn wie Natasha Olby verrät, sei eine der häufigsten Fragen, die Tierärzte von besorgten Besitzern gestellt bekommen: „Wie lange wird mein Hund noch leben?“ Gerade Halter von älteren Hunden würden diese Frage stellen, um so zu versuchen, eine Entscheidung über die weitere Behandlung ihres Haustieres zu treffen.1

Daher entwarf das Forscherteam einen Fragebogen, der von Tierhaltern ausgefüllt werden kann, um die Gebrechlichkeit älterer Hunde zu ermitteln. Dieser enthält Fragen zum Ernährungszustand, zur Erschöpfung, zur Muskelschwäche, zur sozialen Aktivität und zur Mobilität des Hundes. Die Fragen basieren auf fünf Kategorien, die auch bei der Beurteilung menschlicher Gebrechlichkeit verwendet werden:

  • Ernährungszustand
  • Erschöpfung
  • Mobilität
  • Muskelzustand
  • soziale Aktivität
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„Natürlich weiß man in der Realität nie genau, wie lange ein Hund leben wird“

Dabei haben laut den Forschern Hunde, die in drei der fünf Bereiche als beeinträchtigt eingestuft werden, ein fast fünfmal höheres Risiko, innerhalb von sechs Monaten zu sterben, als andere Hunde. „Natürlich weiß man in der Realität nie genau, wie lange ein Hund leben wird. Aber dieser Fragebogen in Verbindung mit den Körper- und Muskelwerten eignet sich gut zur Vorhersage der sechsmonatigen Sterblichkeit“, räumt Olby ein.

Besonders verlockend sei an diesem neuen Screening-Test, dass er leicht einsetzbar sei und keine Laboruntersuchungen erfordere. Denn „ein Tierarzt kann den Körper- und Muskelzustand durch einfaches Abtasten beurteilen“, erklärt Olby.

Allerdings räumen die Autoren der Studie ein, dass dies noch ein erster Schritt sei, aber ein notwendiger. Man hoffe nun, dass ihre Forschung den Stein ins Rollen bringt und zu einem besseren Verständnis dafür führe, wie sich Gebrechlichkeit bei Hunden zeige.2

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Quellen

  1. frontiersin.org, „Establishing a clinically applicable frailty phenotype screening tool for aging dogs“, (aufgerufen am 14.11.2024) ↩︎
  2. sciencealert.com, „New Tool Reveals How Much Longer You Have With Your Beloved Dog“, (aufgerufen am 14.11.2024) ↩︎

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