
4. April 2025, 5:43 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Robust, selbstständig und zutiefst loyal – der Pungsan, auch Poongsan genannt, ist eine nordkoreanische Jagdhunderasse mit einer einzigartigen Geschichte und beeindruckenden Fähigkeiten. Als nationales Symbol Nordkoreas steht der Pungsan nicht nur für Stärke und Ausdauer, sondern auch für einen ausgeprägten Jagdtrieb und Schutzinstinkt.
Der Pungsan-Hund stammt aus der abgelegenen Bergregion Pungsan (heute Kimhyonggwon) in Nordkorea und hat eine lange Tradition als Jagdhund. Er wurde speziell für die Jagd auf große Wildtiere wie Bären, Wildschweine und – zumindest der Volksüberlieferung nach – sogar Tiger gezüchtet. Seit 1956 ist er als nationales Naturdenkmal Nordkoreas anerkannt und seit 2014 offizieller Nationalhund des Landes.
Trotz dieser prominenten Stellung ist die Rasse außerhalb Koreas nahezu unbekannt und äußerst selten. Der Pungsan ist ein Hund mit starken Charakterzügen: loyal gegenüber seiner Familie, aber zurückhaltend bis abweisend gegenüber Fremden und anderen Hunden. Seine robuste Konstitution, seine Kälteresistenz und seine Unabhängigkeit machen ihn zu einem idealen Begleiter für erfahrene Halter – vor allem in ländlicher Umgebung. Gleichzeitig erfordert seine Haltung ein hohes Maß an Konsequenz, Bewegung und Sozialisierung.
Herkunft
Der Ursprung des Pungsan-Hundes geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Dort wurde er in der Bergregion des heutigen Kimhyonggwon (früher Pungsan) in der nordkoreanischen Provinz Ryanggang gezüchtet. Das raue Klima und das unwegsame Gelände dieser Region prägten einen Hund mit besonderer Ausdauer, Kälteresistenz und Jagdfähigkeit. Über Jahrhunderte wurde der Pungsan gezielt für die Großwildjagd eingesetzt – zum Beispiel auf Wildschweine, Bären und vereinzelt sogar auf Tiger.
Auch in Russland wurde er zur Jagd eingesetzt. Während der japanischen Kolonialzeit wurde er erstmals als regionales Symbol wahrgenommen. 1956 wurde er in Nordkorea offiziell zum Naturdenkmal erklärt. Seitdem wird er staatlich gefördert und gilt als Prestigeobjekt nordkoreanischer Kulturpolitik. Zweimal – 2000 und 2018 – überreichte die nordkoreanische Führung Pungsan-Paare als diplomatische Geschenke an südkoreanische Präsidenten. Diese symbolischen Gesten unterstreichen die nationale Bedeutung des Hundes und seine Rolle als kulturelles Aushängeschild.
Aussehen & Fell
Der Pungsan ist ein mittelgroßer Spitztyp mit muskulösem Körperbau und kompaktem Format. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von etwa 55 cm, Hündinnen sind meiste etwas kleiner und zierlicher. Das Gewicht variiert bei Rüden zwischen 24 und maximal 28 Kilogramm, bei Hündinnen zwischen 22 und 27 Kilogramm. Die Beine sind kräftig und vergleichsweise kurz, was dem Hund eine gute Trittsicherheit im Gebirge verleiht.
Charakteristisch sind die kleinen, dunklen oder aschgrauen Augen mit sichtbar durchbluteter Bindehaut, sowie die aufrecht stehenden, nach vorn oder seitlich gerichteten Ohren. Der Hals ist kurz, kräftig und gut bemuskelt. Der Rücken ist gerade, beim Rüden leicht nach oben gezogen, was eine schnelle Bewegung begünstigt. Der Bauch ist beim Weibchen eher hängend. Den buschigen Schwanz trägt der Vierbeiner ringförmig über dem Rücken. Das dichte Doppelfell schützt zuverlässig vor Kälte und widrigen Wetterbedingungen. Die Fellfarbe ist überwiegend weiß, gelegentlich auch hellbraun, wobei Off-White-Töne typisch sind.
Charakter & Gemüt
Pungsan-Hunde gelten als mutig, treu und selbstbewusst. Sie bauen eine enge Bindung zu ihrer Bezugsperson auf und zeigen in der Familie meist ein sanftes Wesen. Kindern gegenüber sind sie – bei entsprechender Sozialisierung – gutmütig. Gegenüber Fremden verhalten sie sich oft zurückhaltend oder misstrauisch, was sie zu wachsamen, aber nicht grundlos aggressiven Hunden macht.
Ihr Temperament ist ausgeglichen, aber von einem ausgeprägten Jagdtrieb und Territorialverhalten geprägt. Im Umgang mit anderen Hunden sind Pungsans oft dominant bis unverträglich, besonders wenn es um das eigene Revier oder die Familie geht. Gleichzeitig wird ihnen ein „gelehriges“, fast edles Wesen nachgesagt – sie bellen selten und zeigen kaum unprovoziert aggressives Verhalten. Ihre Ausdauer, Zähigkeit und Unabhängigkeit machen sie zu ernstzunehmenden Arbeitshunden mit hoher Eigenmotivation.
Erziehung
Die Erziehung eines Pungsan erfordert Erfahrung, Geduld und klare Führungsqualitäten. Aufgrund ihres starken Charakters und ihres unabhängigen Wesens ist eine frühe Sozialisierung unabdingbar. Ohne konsequente Anleitung neigen Pungsans dazu, dominant aufzutreten oder selbst Entscheidungen zu treffen. Besonders bei Begegnungen mit Fremden oder anderen Tieren ist ein verlässliches Grundgehorsam essenziell.
Belohnungsbasierte Trainingsmethoden, kombiniert mit klarer Struktur, zeigen gute Wirkung. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Hundetrainer, idealerweise mit Kenntnis dieser Rasse, wird empfohlen – insbesondere in der Jugendphase. Familienintegration gelingt gut, wenn der Hund klare Regeln kennt und von Beginn an gefördert wird.
Richtige Haltung & Pflege
Pungsans brauchen viel Platz, Bewegung und geistige Auslastung. Als Arbeitshunde sind sie nicht für ein Leben in kleinen Wohnungen oder in der Stadt geeignet. Ideal ist eine ländliche oder vorstädtische Umgebung mit einem sicher eingezäunten Garten. Regelmäßige lange Spaziergänge, Wanderungen und Aktivitäten wie Suchspiele oder Zugarbeit halten sie körperlich und geistig gesund. Ohne ausreichende Beschäftigung neigen sie zu unerwünschtem Verhalten wie Graben oder Kauen.
Pflege erfordert vor allem das dichte Fell, das regelmäßig gebürstet werden muss, insbesondere während des Fellwechsels. Zudem muss man Ohren, Zähne und Krallen regelmäßig pflegen. Die Robustheit der Tiere reduziert den Pflegeaufwand, ersetzt jedoch nicht eine konsequente Hygiene.
Ernährung
Eine ausgewogene, hochwertige Ernährung ist für den Pungsan essenziell. Die Fütterung sollte sich an Alter, Aktivitätsgrad und Gewicht orientieren. Besonders aktive Hunde benötigen proteinreiche Nahrung zur Muskelregeneration. Übergewicht lässt sich durch kontrollierte Portionierung und maßvollen Einsatz von Leckerlis vermeiden – Snacks sollten nicht mehr als 10 % der täglichen Energiezufuhr ausmachen.
Zudem muss frisches Wasser immer verfügbar sein. Eine Kombination aus Trocken- und Nassfutter, ergänzt durch tierärztlich empfohlene Nahrungsergänzungen bei Bedarf, unterstützt die Gesundheit. Zahnreinigung durch spezielle Kauartikel kann ergänzend helfen, Zahnerkrankungen vorzubeugen.
Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
Der Pungsan gilt insgesamt als robuste Rasse mit hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Kälte und vielen Krankheiten. Durch seine Entwicklung in den rauen Gebirgsregionen besitzt er eine natürliche Konstitution, die ihn unempfindlich gegenüber Witterungseinflüssen macht. Dennoch können – wie bei allen Hunden – Zahnprobleme, insbesondere Parodontitis, auftreten, wenn keine ausreichende Zahnhygiene erfolgt.
Gelenkbelastungen sind bei aktiven Tieren möglich, vor allem bei Übergewicht oder unzureichender Bewegung. Durch regelmäßige tierärztliche Kontrollen, ausgewogene Ernährung und gute Pflege lassen sich viele gesundheitliche Probleme vermeiden oder frühzeitig erkennen.

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Die Pungsan im Überblick
- Größe: Rüden ca. 55 cm, Hündinnen ca. 53 cm Schulterhöhe
- Gewicht: Rüden 24–28 kg, Hündinnen 22–27 kg
- Fell: Dichtes Doppelfell, überwiegend weiß
- Charakter: Loyal, wachsam & selbstständig
- Besonderheiten: Starker Jagdtrieb, territoriales Verhalten, geeignet für erfahrene Halter