
13. Januar 2025, 17:15 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Hunde leiden unter der Knallerei am Jahreswechsel. Vor allem dieses Jahr kursierte unter Hundebesitzern der Geheimtipp, Schutz an größeren Flughäfen zu suchen. In deren Umfeld darf nicht geböllert werden. Aber hilft dies Angsthunden wirklich? Hundetrainer Dennis Panthen hat sich dort umgesehen. Sein Fazit ist ernüchternd.
Für viele Hunde ist der Jahreswechsel der reinste Horror. Denn die Böllerei, die oft mehrere Tage anhält, versetzt viele Tiere in Angst und Schrecken. Daher pilgerten an Silvester viele Halter von Angsthunden an deutsche Flughäfen, da in unmittelbarer Nähe nicht geböllert werden darf. Zudem sind die Gebäude in der Regel auch gut isoliert, sonst wäre der Lärm der landenden und startenden Flugzeuge in den Flughäfen ohrenbetäubend.1 Es scheint also keine schlechte Idee zu sein, mit ängstlichen Hunden den Jahreswechsel dort zu verbringen.
»Für Problemhunde ist der Flughafen eine extreme Herausforderung
Doch der vermeintliche „Geheimtipp“ sei für viele Hunde eher eine Zumutung, wie Hundetrainer Dennis Panthen im Gespräch mit PETBOOK sagt. Er war an Silvester am Flughafen Köln Bonn, um sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation zu machen. Was sich ihm dort bot, war teilweise schockierend.
So habe er vor Ort viele sensible oder ängstliche Hunde angetroffen, die offensichtlich in dieser Umgebung völlig überfordert waren. Gleiches habe in vielen Fällen auch auf die Halter zugetroffen, so der Hundetrainer. „Für Hunde, die bereits im Alltag Probleme haben – sei es im Restaurant, Einkaufszentrum oder in Menschenansammlungen – war der Flughafen eine extreme Herausforderung. Dazu kam die Nähe zum Feuerwerk, das draußen ordentlich ‚gescheppert‘ hat. Innen konnten man das aber nicht war nehmen.“
„Viele Hunde waren so gestresst, dass sie sich in Kot und Urin lösten“
Dennoch hätten sich im Flughafen verstörende Szenen abgespielt, resümiert Panthen. „Viele Hunde waren so gestresst, dass sie sich in Kot und Urin lösten. Ein Hund, den ich sah, hyperventilierte und erweckte optisch den Eindruck, als stünde er kurz vor einem Kreislaufkollaps. Es war erschreckend zu sehen, wie hilflos einige Besitzer in solchen Situationen sind, weil sie nicht wissen, wie sie die Situation managen können.“
Hinzukomme noch, dass der 24-Stunden-Betrieb des Flughafens ganz normal weitergegangen sei und dazwischen all die Menschen mit ihren Hunden auf Decken und Kissen kampiert hätten. „Die Atmosphäre erinnerte an ein Einkaufszentrum: glatte Böden, gläserne Fahrstühle, offene Treppen und Menschenmengen mit Koffern.“ Kurzum eine Umgebung, die ohnehin schon gestresste und ängstliche Hunde weiter stressen dürfte, ist sich der Hundetrainer sicher. Zudem dürfe man auch nicht vergessen, dass die Hunde irgendwann mal hinausmüssten, um ihr Geschäft zu verrichten und wenn dann ein Böller zu hören sei, würde das für den Hund noch mehr Stress bedeuten.
Kein explizites Angebot an Hundehalter
In den sozialen Netzwerken wird oft der Eindruck erweckt, es handele sich um eine direkte Einladung der Flughäfen an Hundebesitzer, mit ihren Angsthunden zu kommen. Doch dies ist in den meisten Fällen nicht der Fall. So erklärte ein Sprecher des Frankfurter Flughafens auf PETBOOK-Anfrage, dass es kein explizites Angebot an Hundehalter gebe.
Vielmehr handele es sich beim Frankfurter Flughafen um einen öffentlichen Ort, den man eben auch mit einem Hund aufsuchen könne. Allerdings würden einige Hotels in der Umgebung des Flughafens an Silvester gezielte Aktionen für Hundehalter mit ängstlichen Hunden anbieten.

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„Die Situation am Flughafen war für einige Hunde eine Katastrophe“
Im Flughafen selbst werden die Hundehalter oft nur geduldet. Viele empfinden die Stimmung vor Ort als kameradschaftlich – immerhin haben alle hier einen ähnlichen Leidensweg hinter sich. Doch für die Tiere selbst ist die Atmosphäre vor Ort oft alles andere als gemütlich, sagt Dennis Panthen. „Die Situation am Flughafen war für einige Hunde eine Katastrophe“, fasst er seine Eindrücke zusammen.
Daher sein Fazit: Halter von sehr ängstlichen Hunden sollten lieber das ganze Jahr über an der Desensibilisierung arbeiten und zum Jahreswechsel an einen ruhigen Ort reisen, anstatt ihr Tier an Silvester dem zusätzlichen Stress im Flughafen mit all den anderen verängstigen Hunden auszusetzen. Dennoch kann ein Flughafen für manche Hunde eine Lösung sein, sagt Panthen. „Wenn dein Hund allerdings keine Probleme hat mit dem Stress eines Flughafens, kann es innen zumindest eine Lösung sein, solange du nicht hinaus musst zum Pinkeln.“