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Unterschiedliche Ursachen

Ihr Hund zittert? Das könnte dahinterstecken

Hunde zittern
Eine Unterkühlung kann einer von vielen Gründen dafür sein, dass Hunde zittern. Foto: Getty Images / Korneeva_Kristin

30. April 2024, 6:09 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Dass ein Hund gelegentlich zittert, ist nichts Außergewöhnliches und kommt manchmal auch ohne ersichtlichen Grund vor. Doch hinter dieser körperlichen Reaktion kann nicht nur ein einfacher Auslöser, sondern auch eine ernsthafte Erkrankung stecken.

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Welche verschiedenen Gründe es für das Zittern bei Hunden gibt und wie man sie unterscheiden kann, erklärt PETBOOK-Autorin und Gesundheitsberaterin für Hunde, Philine Ebert, hier im Folgenden. 

Was bedeutet Zittern?

Zittern entsteht durch Kontraktionen gegensätzlicher Muskelpaare, die sich im Rhythmus zusammenziehen und entspannen. Durch Zittern wird am ganzen Körper Wärme erzeugt. In der Fachsprache wird dieser Zustand häufig als „Tremor“ bezeichnet. 

Ursachen für das Zittern beim Hund

Wenn ein Hund zittert, kann das viele verschiedene Ursachen haben. PETBOOK hat die wichtigsten Gründe aufgelistet.

Angst

Angst ist wohl der häufigste Grund, warum ein Hund zittert. Hunde zeigen ihre Emotionen durch körperliche Reaktionen und dazu gehört bei Angst auch das Zittern. Plötzlich auftretender Stress, eine unbekannte Situation, der bevorstehende Tierarztbesuch, die Fahrt in den Urlaub oder eine neue und ungewohnte Umgebung sind typische Angstauslöser.

Auch Feuerwerk, Schüsse, Explosionen oder andere unbekannte Geräusche lassen viele Tiere vor Angst zittern. Bei einer anhaltenden Angstsymptomatik kann der Hund z.B. durch Homöopathie unterstützt werden. 

Freude – Aufregung

Hunde drücken Freude mit aufgeregtem Schwanzwedeln und Zittern oder Bellen aus. Gerade zur Begrüßung von Menschen kommt dies häufig vor. Diese emotionale Reaktion ist meistens positiv, kann aber auch negativ sein, wenn sich das Tier bedroht fühlt oder ängstlich ist. 

Ein Hund, der vor übermäßiger Freude oft zittert, sollte beruhigt werden, damit er nicht noch weiter dazu motiviert wird. Beruhigende Mittel auf natürlicher Basis können ihm helfen, langfristig ruhiger und gelassener zu werden. 

Anstrengung

Der einfachste und physiologisch bedingte Grund für Muskelzittern ist eine übermäßige Beanspruchung der Muskeln durch anstrengende Aktivitäten, Sport, Training oder besonders aufregende Erlebnisse. Muskelzittern und ein Muskelkater können die Folge sein. Das Zittern durch zu hohe Beanspruchung und Anstrengung lässt von allein nach. Eine kleine Massage nach dem Abklingen entspannt die beanspruchten Muskeln und lindert den Muskelkater. 

Frieren – Unterkühlung

Jedes Lebewesen, das friert, fängt vor Kälte an zu zittern – auch unsere Hunde. Besonders die Rassen, die keine Unterwolle haben, frieren schnell, vor allem wenn sie sich bei niedrigen Temperaturen oder Nässe nicht ausreichend bewegen. Auch klimatisierte Räume oder Autos können Auslöser sein. 

Einige Tiere frieren schneller aufgrund ihrer rassespezifischen Eigenschaften und ihrer Größe, Statur oder Fellbeschaffenheit. Dazu gehören z.B. kleine Rassen wie Yorkshire Terrier, Malteser, Havaneser oder große Hunde wie Windhunde, Dobermann, Greyhound, Weimaraner, Boxer oder der Whippet. Bei diesen Hunden empfiehlt es sich, einen Hundemantel griffbereit zu haben. 

Ähnlich wie Frieren kann auch zu große Hitze und ein damit verbundener Hitzschlag zu Zittern führen. Da Hunde so gut wie keine Schweißdrüsen haben, um ihre Körpertemperatur zu regulieren, kann angestaute Hitze nur durch Hecheln heruntergefahren werden. Schafft der Organismus das Herunterkühlen aufgrund zu starker Erhitzung nicht mehr, droht ein Hitzeschlag. 

Symptome bei einem Hitzschlag 

  • Zittern 
  • Krämpfe 
  • Übermäßiges Speicheln 
  • Extremes Hecheln 
  • Glasige Augen 
  • Dunkelrotes Zahnfleisch 
  • Durchfall und Erbrechen 

Ein Hitzschlag ist ein akuter Notfall. Das Tier sollte sofort mit ausreichend Trinkwasser versorgt und schnellstmöglich einem Tierarzt vorgestellt werden. 

Auch interessant: Nierenversagen beim Hund rechtzeitig erkennen und behandeln

Schmerzen

Zittern kann auch ein Anzeichen dafür sein, dass der Hund Schmerzen hat. Die Ursache für die akuten Schmerzen kann oft nicht sofort eindeutig identifiziert werden. Darum sollte das Tier genau beobachtet werden. 

Symptome für Schmerzen 

  • Zittern 
  • Schnelles Atmen und Hecheln 
  • Futterverweigerung 
  • Übermäßiges Lecken an bestimmten Körperstellen 
  • Eine veränderte Körperhaltung (gewölbter Rücken oder eingeklemmter Schwanz) 

In diesem Fall ist die Abklärung durch einen Tierarzt nötig, um der Schmerzursache auf den Grund zu gehen. 

Fieber – Infektion

Eine Temperatur zwischen 38,5 und 39 °C ist bei Hunden normal. Erhöhte Temperatur oder Fieber kann verschiedenste Ursachen haben und Zittern auslösen. Fieber kann von einem leichten Infekt bis zu einer schwerwiegenden Erkrankung auftreten und sollte immer von einem Tierarzt abgeklärt werden. 

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Niedriger Blutzuckerspiegel

Zittern kann auch ein Zeichen von Unterzuckerung sein. Besteht der Verdacht, kann eine Blutuntersuchung Aufschluss über eine beginnende oder schon bestehende Diabeteserkrankung geben. Ein diabeteskranker Hund, der seine Medikamente nicht regelmäßig nimmt oder erbricht, ist besonders gefährdet. Bei gesunden Tieren verhindert im Normalfall eine regelmäßige und ausgewogene Fütterung die Gefahr eines zu niedrigen Blutzuckerspiegels. 

Schlafen – Träumen

Im Schlaf und während der Traumphasen verarbeiten Hunde ihre Erlebnisse und Eindrücke. Wenn ein Hund träumt, äußert sich das durch Geräusche und Bewegungen, zu denen auch Zucken, Zittern oder Schwanzwedeln gehören kann. 

Diese intensive Verarbeitungsphase im Traum kann ein paar Minuten anhalten, beruhigt und legt sich von allein wieder und ist damit völlig normal und harmlos. 

Alter

Bei fast allen Lebewesen lassen im Alter Kraft, Gelenke und Muskulatur durch mangelnde oder weniger Bewegung nach. Hundesenioren zeigen nach körperlicher Anstrengung oft Reaktionen wie zitterige Beine oder weiche Knie. 

Altersbedingter Muskelabbau oder Gelenkerkrankungen, wie Arthritis oder Arthrose äußern sich in Symptomen wie Schmerzen, Schwäche oder Zittern. In den meisten Fällen ist es eine normale Alterserscheinung und harmlos, solange es nur gelegentlich auftritt. Erst, wenn Schmerzen dazu kommen, sollte das Tier dagegen behandelt werden. 

Vergiftung

Eine akute Vergiftung durch das Fressen eines Giftköders, giftige Lebensmittel, Pflanzen oder Pestizide verursacht Krämpfe und Zitteranfälle. 

Symptome für Vergiftungserscheinungen 

  • Krämpfe, Verkrampfen und Zitteranfälle 
  • Unwohlsein, Durchfall, Erbrechen, erhöhter Speichelfluss und Schäumen 
  • Fieber 
  • Benommenheit und Unruhe 
  • möglicherweise sogar Blut in Kot und Erbrochenem 

In diesem Fall sollte sofort ein Arzt oder eine Tierklinik aufgesucht werden. 

Auch interessant: Giftköder gefunden? Das ist jetzt zu tun

Epilepsie

Diese Krankheit betrifft leider zunehmend auch unsere Hunde. In der Regel bricht eine Epilepsie beim Hund zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr das erste Mal aus und kann durch spezielle Untersuchungen eindeutig diagnostiziert werden. Medikamente können die Anfälle verhindern, die durch eine starke Erregung der Nervenzellen im Gehirn ausgelöst werden. 

Typische Merkmale und Anzeichen einer Epilepsie: 

  • Zucken 
  • Zittern 
  • Krampfanfälle mit Versteifung und Schaumbildung 
  • Tier ist aphatisch und nicht mehr ansprechbar 

Zur Epilepsie neigen besonders Rassen wie Dackel, Pudel, Boxer und Schäferhunde. 

Bei dieser Erkrankung ist eine ausführliche, spezialisierte Diagnostik und Therapie notwendig. 

Parkinson und Demenz

Parkinson oder Demenz können auch Hunde betreffen. 

Symptomatik bei Parkinson oder Demenz 

  • Zitteranfälle
  • Muskelzuckungen
  • Steife, unkontrollierbare Muskeln 
  • Unregelmäßige und verlangsamte Bewegungen 
  • Gleichgewichtsstörungen und Stolperanfälligkeit 
  • Antriebslosigkeit 
  • Verwirrtheit, Vergesslichkeit, Angst 
  • Verstopfung 
  • Eventuell nachlassender Geruchssinn 

Treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf, sollte das Tier von einem Tierarzt untersucht werden, um eine mögliche Parkinson- oder Demenzerkrankung auszuschließen oder rechtzeitig behandeln zu können. 

Nebenwirkungen von Medikamenten

Tritt Zittern im Zusammenhang mit der Gabe von Medikamenten auf, ist eine sofortige und ausführliche Beratung des behandelnden Tierarztes nötig.12

Quellen

  1. wedog.com, „Woran es liegt, wenn dein Hund zittert & wie du ihm helfen kannst“ (aufgerufen am 30.04.2024) ↩︎
  2. aniforte.de, „10 Gründe, warum Hunde zittern“ (aufgerufen am 30.04.2024) ↩︎

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