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Studie analysiert

Hat sich der Wolf selbst zum Hund gemacht?

Ein wolfsähnlicher Hund grinst einen Menschen an
Lange ging man davon aus, dass der Mensch den Wolf zum Hund gemacht hat. Aber was, wenn es andersherum war? Foto: Getty Images
Louisa Stoeffler
Redakteurin

17. Februar 2025, 17:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Dass die Domestizierung des Wolfes sich in der Jungsteinsteinzeit ereignet hat, wissen viele. Die gängige Annahme dazu ist, dass der Mensch sich die freundlichsten Wölfe herausgesucht hat und begann, sie zu züchten. Was allerdings, wenn es andersherum war? Wenn die freundlichsten Wölfe sich schon viel früher selbst zu Hunden gemacht haben? Eine Studie prüft diese These.

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Der Mensch hat in seiner Evolutionsgeschichte früh bemerkt, dass es Vorteile hat, wenn Pferd und Kuh, aber auch Hund und Katze domestiziert sind. Die einen sorgten für eine sichere Nahrungszufuhr und Transportmöglichkeit. Andere verteidigen Haus und Hof oder fraßen die Mäuse bevor sie ans Getreide kamen. Allerdings scheint es nicht nur bei Katzen, sondern auch bei Hunden Hinweise darauf zu geben, dass dieser Prozess nicht vom Menschen, sondern vom Tier selbst ausging. Denn eine Studie zeigt, dass Wölfe mehr als ausreichend Zeit gehabt hätten, sich selbst zum Hund zu machen.

Aktiv oder passiv – wie wurde der Wolf zum Hund?

Seit Jahrzehnten wird darüber debattiert, wie genau die Domestizierung des Hundes begann. Denn es gibt viele archäologische Funde, die belegen, dass urtümliche Hunde den Menschen seit mindestens 30.000 Jahren, wenn nicht sogar schon 40.000 Jahre begleiten. Doch wie kam der Mensch zum Wolf – oder andersherum: der Wolf vielleicht aktiv zum Mensch?

Denn während es für die jüngere Domestikationsperiode, die vor etwa 15.000 Jahren begann, klare Belege für künstliche Selektion durch den Menschen gibt, bleibt der Ursprung prähistorischer Hunde, die zuvor existierten, rätselhaft. Denn bislang wurde die These, dass der Wolf sich selbst dem Menschen angeschlossen hat, als unwahrscheinlich abgetan.

Eine Studie hat nun mithilfe eines Agenten-basierten Modells (ABM) untersucht, ob es nicht doch möglich gewesen wäre, dass sich Hunde allein durch natürliche und sexuelle Selektion aus Wölfen entwickelt haben könnten – und ob diese Evolution in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum möglich gewesen wäre.

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Modellrechnungen zeigen, ob Wölfe sich selbst zu Hunden machten

Dazu musste berechnet werden, welche Umweltbedingungen herrschen mussten, um eine evolutionäre Aufspaltung von Wolfsgruppen zu erreichen. Durch Analysen, die von natürlicher Selektion von Tieren mit hoher Menschentoleranz und solchen mit geringer Toleranz ausgehen.

Mögliche Selektionsmechanismen, die berücksichtigt wurden, waren:

  • Nahrungszugang: Tolerante Wölfe haben einen potenziell besseren Zugang zu menschlichen Nahrungsquellen
  • Partnerwahl: Weibliche Wölfe suchen gezielt Partner mit ähnlicher Menschentoleranz aus, da es für sie ein evolutionärer Vorteil ist.

Dieses Agenten-basierte Modell ist gut dafür geeignet, Interaktionen von Wölfen mit Umweltbedingungen und den Einfluss individueller Verhaltensweisen zu simulieren.

Anhand dieser Parameter führten die Forscher einige Modellrechnung durch und kamen zu spannenden Ergebnissen:

  • Mit Partnerwahl („sexuelle Selektion“) trat eine evolutionäre Trennung in 74,2 Prozent der Simulationen auf.
  • Ohne aktiv-selektierende Partnerwahl fand keine Trennung statt.
  • Die Trennung erfolgte durchschnittlich nach etwa 8030 Jahren und dauerte rund 3425 Jahre an.
  • Ein hoher Anteil an menschlicher Nahrung begünstigte die Entstehung hundeähnlicher Tiere.
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Haben weibliche Wölfe den Menschen als nutzbar identifiziert?

Anhand nur dieser Variablen konnten die Forscher also belegen, dass Wölfe durchaus die Zeit gehabt hätten, sich selbst zu Hunden zu machen. Der entscheidende Faktor dafür war die sexuelle Selektion. Wenn sich weibliche Wölfe also für tolerante, menschenfreundliche Partner entschieden, dann wäre es rechnerisch möglich, dass Wölfe sich selbst domestizierten.

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Gleichzeitig wurde untersucht, welchen Einfluss es hatte, wenn sich der Anteil der menschlichen Nahrung mit der Zeit steigerte. Also, wenn mehr und mehr Tiere angefüttert wurden und somit von der Anwesenheit der Menschen profitierten. Denn man kann davon ausgehen, dass dieser Prozess für Mensch und Wolf nutzbringend war und so zum evolutionären Faktor mit Selektionsdruck wurde.

Hinterließen steinzeitliche Menschen in den Modellrechnungen jedoch nur wenig oder gleichbleibend viel Nahrung für die Wölfe, ergab sich keine Trennung von Hund und Wolf. Dies würde der Hypothese der Selbstdomestizierung widersprechen.

Die Hypothese muss also weiter untersucht werden. Denn auch die möglichen Dominanzstrukturen in Rudeln und Faktoren wie Klimaveränderungen oder Konkurrenz mit anderen Beutegreifern wurde in diesen Modellrechnungen nicht berücksichtigt. 1

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Quellen

  1. Capaldi, A. et al. (2025). „Rapid evolution of prehistoric dogs from wolves by natural and sexual selection emerges from an agent-based model.“ Proceedings of the Royal Society B. ↩︎

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