
28. Februar 2025, 6:05 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Jeder Hundehalter wird sie sehr wahrscheinlich kennen, die sogenannten „Zoomies“. Die Momente, in denen der Hund plötzlich ohne ersichtlichen Grund wie wild durch die Gegend rennt, Haken schlägt oder im Kreis sprintet. Doch was hat es eigentlich damit auf sich?
Auch Hunde haben ihre „verrückten fünf Minuten“. Diese Aussage können sicherlich die meisten Hundebesitzer unterschreiben. Denn wer kennt sie nicht, die Zoomies, in denen der Hund plötzlich wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend rennt oder im Kreis sprintet? „Zoomies, auch Frenetic Random Activity Periods (FRAPs) genannt, treten häufig in verschiedenen Situationen auf. Zum Beispiel nach dem Baden, bei Aufregung oder vor dem Schlafengehen“, erklärt Hundepsychologe Marc Ebersbach im Gespräch mit PETBOOK.
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Zoomies können Stress abbauen oder Ausdruck emotionaler Erregung sein
Hunde können aber auch Zoomies zeigen, wenn sie die positive Stimmung einer Feier oder eines Grillabends im Garten aufsaugen und sich mit den Anwesenden freuen, weiß der Hundeexperte. „Dann rennen sie plötzlich mit hoher Geschwindigkeit in engen Kreisen oder ändern abrupt die Richtung.“ Zoomies können also durch aufgestaute Energie oder emotionale Erregung entstehen.
„Zoomies dienen dem Stressabbau und sind Ausdruck purer Freude. Ein Hund zeigt damit, dass er sich wohl fühlt und glücklich ist.“ Im Idealfall jedenfalls. Denn hektische, wahllose Aktivitätsphasen müssen de facto nicht immer etwas Gutes sein, weiß der Hundepsychologe. Denn: „Häufiges Auftreten kann auf Langeweile oder Bewegungsmangel hinweisen. Aber auch gesundheitliche Probleme, hormonelle Veränderungen, Stress, Angst oder Überstimulation sind mögliche Ursachen“. Daher sollten Halter ihrem Haustier ausreichend Bewegung bieten. Regelmäßige Spaziergänge und Spielzeiten können exzessive Zoomies reduzieren.
Das gilt es bei Zoomies zu berücksichtigen
Deshalb sollten Hundehalter die Zoomies ihres Hundes nicht einfach als „verrückte fünf Minuten“ abtun, sondern darauf achten, in welchen Situationen und wie häufig sie auftreten. „Wenn ein Hund Zoomies zeigt, ist es wichtig, dass er sich in einer sicheren Umgebung aufhält, um Verletzungen zu vermeiden, also zum Beispiel nicht im Freilauf und nicht in der Nähe einer Straße“, erklärt Marc Ebersbach.
Ist die Umgebung sicher, sollten Halter ihren Hund seine Energie abbauen lassen und ihn dabei nicht stören, rät der Hundepsychologe. Denn dabei spielt sich im Körper des Vierbeiners auch hormonell viel ab. „Auf neuronaler Ebene spielen Hormone wie Adrenalin und Dopamin eine Rolle. Adrenalin wird bei Aufregung ausgeschüttet. Dopamin aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn des Hundes.“

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Halter sollten Zoomies nicht mit Verhalten nach Konflikten verwechseln
Nicht zu verwechseln seien Zoomies auch mit dem Beschwichtigungsverhalten des Hundes nach einem Konflikt, warnt Ebersbach. „Hier kann der Hund durch wildes Herumrennen Restanspannungen abbauen und beschwichtigendes Verhalten zeigen. Das dient der Selbstberuhigung und hilft, die Situation positiv zu beenden.“ Mit diesem Verhalten wolle der Vierbeiner zeigen, dass er keinen Groll hegt und die Interaktion in etwas Angenehmes umwandeln möchte.
„Dieses Verhalten tritt im Zusammenhang mit einer zuvor erlebten Anspannung oder Aufregung auf. Der Hund könnte um die Person herumlaufen, immer wieder den Blickkontakt suchen und insgesamt eine positive Körpersprache zeigen“. Grundsätzlich kann also gesagt werden, dass Zoomies generell ein positives Verhalten bei Hunden darstellen. Es ist jedoch wichtig, immer darauf zu achten, wie oft und in welchen Situationen sie auftreten. Tritt das Verhalten sehr häufig auf, ist es ratsam, die Ursachen zu untersuchen und gegebenenfalls einen auf Verhaltensberatung spezialisierten Tierarzt oder Hundepsychologen aufzusuchen.