
31. März 2025, 17:37 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Am frühen Morgen des 21. März liegt ein Karton vor dem Münchner Tierheim – darin eine schwache, hochträchtige Katze. Was dann geschieht, bewegt nicht nur die Mitarbeitenden des Tierschutzvereins. Der Vorfall wirft auch ein Schlaglicht auf eine Gesetzeslücke, die Tierschützer seit Langem kritisieren.
Vor dem Münchner Tierheim wurde eine dehydrierte, trächtige Katze in einem Karton ausgesetzt. Das teilte der Verein am 31. März in einer Pressemeldung mit. Die Tierschutzorganisation erstattete Anzeige und bittet um Hinweise. Tierschützer fordern nun erneut eine bundesweite Katzenschutzverordnung.
Katze in Karton vor Tierheim ausgesetzt
Am Morgen des 21. März staunten die Mitarbeiter des Tierschutzvereins München nicht schlecht: Direkt vor dem Eingang des Tierheims in der Riemer Straße 270 stand ein Karton auf dem Gehweg – und aus ihm drang lautes Miauen. Darin entdeckten die Büromitarbeiter eine völlig verängstigte, dreifarbige Katze, die sichtlich dehydriert, geschwächt und – wie sich bald herausstellte – hochschwanger war.
Ob die Katze bereits die gesamte Nacht über in der feuchten Box ausgeharrt hatte oder erst am frühen Morgen abgestellt wurde, konnte nicht geklärt werden. Klar war jedoch: Das Tier war dringend auf Hilfe angewiesen. Die Mitarbeiter brachten die Katze umgehend in die Quarantänestation, wo Tierärzten alle Neuzugänge von medizinisch versorgen.

Die Hälfte der Kitten war bereits im Mutterleib verstorben
Ein Ultraschall bestätigte die Trächtigkeit – vier Jungtiere waren erkennbar. Die Tierheimmitarbeiter tauften die Katze „Perla“. Noch in der Nacht brachte Perla zwei Kitten zur Welt. Doch die Geburt veränderte ihre gesamte Verhaltensweise.
Am Freitag hatte sie sich noch kooperativ und zutraulich gezeigt, doch am Samstagmorgen schlug die Stimmung um: Als die Tierpfleger das Katzenzimmer betraten, wurden sie von einer aggressiven Mutterkatze angegriffen. Perla verteidigte ihre Babys mit unbändiger Wut – offenbar in der Annahme, diese seien in Gefahr. Die Sorge war nicht unbegründet: Zwei der vier erwarteten Kitten waren bereits im Mutterleib verstorben und mussten am darauffolgenden Montag unter Narkose aus Perlas Körper entfernt werden.
Ein Bild der kleinen Familie ist bislang nicht möglich. „Bis heute ist es nicht möglich ein Bild der jungen Katzenfamilie gemeinsam zu machen, ohne der armen Mama massiven Stress zuzumuten und unsere Pfleger in Gefahr zu bringen.“ Einzig während einer Behandlung gelang es, die beiden überlebenden Jungtiere abzulichten. Das Bild von Perla stammt noch vom Tag ihrer Aufnahme – vor der Geburt.

„Tiere sind empfindsame, leidensfähige Lebewesen“
Die Pressesprecherin des Vereins, Kristina Berchtold, äußert sich betroffen über das Verhalten der unbekannten Person, die die Katze aussetzte: „Tiere sind empfindsame, leidensfähige Lebewesen. Man stelle sich nur einen Moment lang vor, wie es sich anfühlen muss, hochschwanger und wahrscheinlich bereits mit Schmerzen und Schwangerschaftskomplikationen einfach an einer Straße abgestellt zu werden.“
Weiter erklärt sie: „Wer die Verantwortung scheut, sich um den Nachwuchs seiner Katze zu kümmern, der lässt sie rechtzeitig kastrieren oder bringt zumindest so viel Anstand auf, Mutter und Babys persönlich im Tierheim abzugeben, statt sie einfach heimlich abzustellen. Damit lässt man nicht nur eine ohnehin schon überlastete, gemeinnützige und spendenfinanzierte Einrichtung feige auf den selbst verursachten Kosten sitzen. Man erschwert auch mangels Informationen zum Tier dessen Versorgung und riskiert damit, besonders in diesem Fall, Leben und Gesundheit.“
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Tierschutzverein bittet um Hinweise
Dass Perlas Gesäuge auf frühere Würfe hindeutet, lässt vermuten, dass es sich nicht um ihren ersten Nachwuchs handelt. Ihr extrem aggressives Verhalten deutet auf ein tiefsitzendes Trauma hin. Vielleicht hätten die beiden toten Babys noch gerettet werden können – hätte man rechtzeitig ärztlich eingreifen können.
Der Tierschutzverein München hat Anzeige erstattet. Um die Herkunft der Katze zu klären, wird nun die Öffentlichkeit um Mithilfe gebeten. Gesucht werden Zeuginnen und Zeugen, die in der Nacht zum Freitag, dem 21. März, oder am frühen Morgen in der Riemer Straße verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder die Katze erkennen und Hinweise auf die Halterin oder den Halter geben können. Personen mit relevanten Informationen werden gebeten, sich an die nächste Polizeidienststelle zu wenden.

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Forderung nach bundesweiter Regelung
Um solche Fälle künftig zu verhindern, fordern Tierschutzorganisationen schon lange eine bundesweite Katzenschutzverordnung. Diese soll Katzenhaltern zur Kennzeichnung und Registrierung verpflichten sowie bei Freigängern die Kastration vorschreiben. Doch bislang wurde eine solche Regelung nicht in die Neufassung des Bundes-Tierschutzgesetzes aufgenommen – trotz wiederholter Appelle aus dem Tierschutz.