
16. Januar 2025, 14:07 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Auch Katzen lieben es kuschelig. Manche beginnen dann nicht nur laut zu schnurren, sondern an Stoffen, wie zum Beispiel Decken, zu nuckeln. Auch die Katze von PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider zeigte dieses Verhalten. Hier erklärt die Verhaltensbiologin, was dahintersteckt und ab wann man sich Sorgen machen sollte.
Katzen, die gern an Decken nuckeln, sind nichts Ungewöhnliches. Oft beobachtet man das Verhalten bei jungen Tieren, die noch gern alles Mögliche in den Mund nehmen. Meine Katze Kila nuckelte aber auch noch im Erwachsenenalter gern. Am liebsten tat sie das, wenn sie in meinem Arm lag und kuschelte. Dabei nahm sie stets ein Stück meines Ärmels in den Mund und begann, daran zu nuckeln.
Später bekam die Katze sogar ein eigenes „Nuckeltuch“, damit sie mir nicht immer die ganzen Oberteile vollsabberte. Bisher habe ich keine andere Katze getroffen, die das Nuckeln so intensiv gezeigt hat wie Kila. Doch warum nuckeln Katzen überhaupt an Decken, Tüchern oder anderen Stoffen?
Warum nuckeln Katzen an der Decke?
Das Verhalten stammt – wie Sie wahrscheinlich schon vermutet haben – aus der Kindheit unserer Katzen. Es imitiert das Saugen an der Zitze der Mutter. Dieses Verhalten ist sehr tief in den Tieren veranlagt – schließlich ist es zu Beginn ihres Lebens eine der ersten Fähigkeiten, die kleine Kätzchen können müssen. Manche Tiere behalten dieses Verhalten bis ins hohe Alter bei. Allerdings verbinden sie es dann nicht mehr mit der Nahrungsaufnahme, sondern mit einer entspannten, wohligen Stimmung.
Katzen, die an der Decke nuckeln, zeigen dieses Verhalten fast immer, wenn sie sich wohlfühlen. Etwa, wenn sie mit ihrem Menschen kuscheln oder es sich auf flauschigen Stoffen gemütlich machen. Es ist mit dem Milchtritt zu vergleichen, der ebenfalls aus der Kindheit stammt und den erwachsene Katzen zeigen, wenn sie sich geborgen fühlen. Oft wird das Nuckeln an der Decke sogar von den Tretbewegungen begleitet.
Nuckeln löst Glückshormone aus
Zudem hat das Nuckeln oder Lecken eine beruhigende Wirkung auf die Tiere. Wenn die Katze an der Decke nuckelt, ist das etwa so, wie wenn wir als Kind am Daumen nuckeln. Es fühlt sich gut an, und die Stimulation sorgt für einen Ausstoß an Glückshormonen wie Oxytocin. Diese versetzen die Katze in einen fast tranceartigen Zustand, der ihr hilft, sich zu entspannen.1
Dabei nuckeln Katzen nicht nur an Stoffen wie Decken oder Tüchern. Manche nehmen auch andere weiche Gegenstände in den Mund. So kannte ich einen Kater, der tatsächlich am Daumen genuckelt hat. Dabei schob er den Ballen seines „Daumens“ an der Vorderpfote in den Mund, während die Krallen eingezogen blieben. Dies tat er am liebsten, wenn man ihn ausgiebig am Bauch kraulte – ein Bild für die Götter!
Ist das Nuckeln schädlich?
Das Nuckeln an sich schadet höchstens der Decke, aber nicht der Katze. Allerdings sollte man sein Tier nur an Decken nuckeln lassen, die keine giftigen Farbstoffe enthalten. Babydecken eignen sich zum Beispiel gut dafür, da sie in der Regel keine bedenklichen Stoffe enthalten. Darauf sollten Sie auch beim Waschen der Decke achten. Wenn Ihr Tier diese oft zum Nuckeln nutzt, sollten Sie besser auf Weichspüler verzichten, da dieser sich über die Fasern legt und von Katzen aufgenommen werden kann.
Manche machen sich vielleicht Sorgen, ob die Katze dadurch Zahnfehlstellungen oder Verformungen im Kiefer bekommen kann – ähnlich wie wir Menschen, wenn wir am Daumen nuckeln. Das ist enorm unwahrscheinlich und ich kenne keinen Fall, bei dem das passiert ist. Zumindest, solange die Tiere auf weichen Gegenständen herumlutschen.
Was Sie dagegen tun können
Nuckelt Ihre Katze an der Decke, müssen Sie sich erst einmal keine Sorgen machen. Aber nicht jeder ist begeistert, wenn das Haustier überall kleine Sabberflecken hinterlässt. Das Einfachste und Effektivste ist, das Verhalten freundlich, aber deutlich zu unterbrechen. Etwa, indem man die Katze von der Decke entfernt oder ihr den Stoff immer wieder aus dem Mäulchen nimmt.
Wichtig ist, nicht laut zu schimpfen oder die Katze grob zu behandeln. Das könnte der Bindung zwischen Ihnen und dem Tier nachhaltig schaden. Denn es handelt es sich hier um ein Wohlfühlverhalten. Es tut unseren Katzen gut, an der Decke zu nuckeln. Daher wäre es eine bessere Alternative, der Katze eine eigene Kuscheldecke zuzuteilen, an der sie sich auslassen kann. Bis diese etabliert ist, kann es helfen, andere Stoffe zunächst außer Reichweite der Katze zu legen.
Mit meiner Katze Kila habe ich es immer so gemacht: Sobald sie zu mir auf den Schoß kam, griff ich zu ihrem „Nuckeltuch“ und schob es unter ihren Vorderkörper. Meist nehmen die Tiere den Stoff, der gerade beim Kuscheln in nächster Nähe ist.

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Ab wann Sie zum Tierarzt sollten
Wie jedes Verhalten kann auch das Nuckeln an der Decke schädlich sein, wenn es die Katze exzessiv zeigt. Die meisten Tiere fangen dann an zu nuckeln, wenn sie sich wohlfühlen oder kuscheln. Sollte die Katze aber wiederholt umherlaufen und nach Möglichkeiten suchen, zu nuckeln, sollte man einen Tierarzt aufsuchen, der auf Verhalten spezialisiert ist, und sein Tier untersuchen lassen.
Wirklich gefährlich wird es, wenn die Katze nicht nur an der Decke nuckelt, sondern versucht, Teile davon zu fressen. Dann könnte eine ernste Krankheit namens Pica dahinterstecken, bei der Katzen Gegenstände fressen, die eigentlich nicht essbar sind. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel von PETBOOK: Katze frisst auf einmal Gegenstände! Ursachen und Behandlung des Pica-Syndroms.
Zur Autorin: Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.