
3. April 2025, 11:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das Feline Calicivirus (FCV) ist weltweit einer der häufigsten viralen Erreger bei Katzen. Vor allem in Mehrkatzenhaushalten, Tierheimen und Zuchten stellt es eine ernstzunehmende Gefahr dar. Doch wie äußert sich eine FCV-Infektion? Wie wird das Virus übertragen? Und kann man seine Katze überhaupt zuverlässig davor schützen?
Das Feline Calicivirus ist ein weit verbreitetes, hoch ansteckendes Virus, das vor allem die Atemwege und Schleimhäute von Katzen befällt. Konkret handelt es sich hier um ein unbehülltes einzelsträngiges RNA-Virus. Dieses kann schnell mutieren und bei Raumtemperatur mehrere Tage überleben.1 Neben typischen Erkältungssymptomen wie Niesen und Nasenausfluss können auch schwere Verläufe mit Maulhöhlengeschwüren oder systemischen Erkrankungen auftreten.
Vor allem junge und ungeimpfte Katzen sind gefährdet
„Das Feline Calicivirus verursacht hauptsächlich Infektionen des Respirationstraktes mit Entzündungen, häufig im Gesicht mit Beteiligung der Lippen und Ohren“, erklärt Tierärztin Dr. Vanessa Herder im Gespräch mit PETBOOK. „Auch die Lunge kann betroffen sein. Das Virus kann zudem Lahmheiten verursachen.“ Zu den häufigsten Symptomen des FCV zählen Geschwüre im Mund, Zahnfleischentzündung sowie Nasenausfluss.2
„FCV kommt relativ häufig vor. Etwa 15 bis 25 Prozent der Katzen tragen das Virus in sich“, ordnet Dr. Herder ein. „Oft sind Jungtiere betroffen. Die meisten Katzen erholen sich von einer Infektion mit dem FCV, die sich als Nasenausfluss und tränende Augen sowie Husten, Fieber und Appetitlosigkeit darstellen. Schleimhautentzündungen treten insbesondere im Maul-Rachen-Bereich auf.“ Katzen, die Trockenfutter bekommen, zeigten oft schwere Veränderungen am Gaumen, berichtet die Veterinärin. Insgesamt seien vor allem junge, ungeimpfte oder immungeschwächte Tiere gefährdet, sich zu infizieren.
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„Auch Jahre nach einer Infektion können Katzen das Virus ausscheiden und stellen somit eine Infektionsquelle dar“
Das Feline Calicivirus ist Teil des sogenannten Katzenschnupfenkomplexes und wird in vielen Fällen gemeinsam mit anderen Erregern wie dem Feline Herpesvirus (FHV-1) diagnostiziert. Da das Virus in der Umwelt über Tage infektiös bleiben kann, ist eine konsequente Hygiene ebenso wichtig wie die Immunprophylaxe durch Impfung. „Denn Katzen stecken sich durch direkten Kontakt an und auch Gegenstände, die das Virus tragen, können eine Infektionsquelle darstellen“, erklärt Herder weiter.
Je nach Immunstatus des Tieres variiere die Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen und die Erholungsphase könne zwischen sieben und 14 Tagen andauern. Allerdings sei mit einer Heilung nicht automatisch die Gefahr für andere im Haushalt lebende Katzen gebannt. Denn „auch noch Jahre nach einer Infektion können Katzen das Virus ausscheiden und stellen somit eine Infektionsquelle dar.“ Dennoch ist FCV nicht auf den Menschen übertragbar, betont Dr. Vanessa Herder.
Das Feline Calicivirus kommt in verschiedenen Formen vor
Das Feline Calicivirus kommt in verschiedenen Formen vor – ähnlich wie bei uns Menschen eine Erkältung. Das bedeutet, dass sich eine Katze im Laufe ihres Lebens mehrmals infizieren kann. Wir Menschen erkälten uns ja im Laufe des Lebens auch immer wieder.
Allerdings ist es ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Katzen FCV nicht mehr loswerden, wenn sie sich einmal infiziert haben. Tatsächlich kann ein empfängliches Tier bei der ersten Infektion Symptome entwickeln, muss es aber nicht. Danach trägt es das Virus noch einige Wochen bis Monate in sich, erholt sich aber in den meisten Fällen wieder. Dies gilt insbesondere, wenn das Tier allein lebt und sich nicht erneut infiziert.

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„Diese Erkrankung ist hoch ansteckend, führt schnell zum Tod“
Während eine Lungenentzündung durch das Feline Calicivirus selten auftritt, könne es hingegen etwas häufiger zu einer besonders schwerwiegenden Form namens „Virulent Systemic Feline Calicivirus“ (VS-FCV) kommen. „Diese Erkrankung ist hoch ansteckend, führt schnell zum Tod und betrifft Jungtiere sowie erwachsene Katzen. Auch Tiere, die eine Impfung erhalten haben, können von dieser schweren Form betroffen sein“, so Herder.
Dieses Krankheitsbild zeichne sich durch Wasseransammlungen – sogenannte Ödeme – aus. Sowie Defekte der Haut an Kopf, Beinen, Sohlenballen und der Leistengegend, zählt die Tierärztin auf. „Im Endstadium kommt es zu einer Gerinnungsstörung und mehrere Organe wie der Magen-Darm-Trakt sind ebenfalls betroffen.“ Zwar komme diese Form verhältnismäßig selten vor. Allerdings steht die Forschung hier noch sehr am Anfang.
Zudem bestehe kein Grund zur Panik, denn es gebe da einen „Pro-Tip“, verrät Dr. Herder: „Ob eine Katze das Virus nach der Infektion noch ausscheidet, kann untersucht werden, indem etwa der Speichel mittels PCR auf FeCV getestet wird.“ Dies könne eine sinnvolle Strategie sein, falls Halter eine weitere Katze aufnehmen wollen, aber ausschließen möchten, dass die neue Katze das Virus an die anderen Katzen überträgt.