
25. Januar 2025, 8:07 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Stress bei Katzen hat viele Gesichter – sei es durch übermäßigen Trubel oder anhaltende Langeweile. Und nicht nur für Menschen ist er auf Dauer pures Gift. Um das Wohlbefinden der sensiblen Tiere zu fördern, ist es entscheidend, die Ursachen von Stress zu identifizieren und gezielt zu minimieren. Wie man ihn bei Katzen bekämpfen kann und ob Pheromon-Verdampfer etwas bringen.
Katzen verstecken gern, wenn es ihnen nicht gut geht. Dies liegt in ihrer Natur als kleine Beutegreifer, denn obwohl sie zwar auf andere Tiere Jagd machen, könnten größere Jäger ihnen gefährlich werden. Daher zeigen Katzen oft nicht eindeutig, wenn sie sich nicht wohlfühlen oder ihnen etwas nicht passt. So sind auch die Auslöser und Symptome von Stress bei Katzen oft sehr diffus und müssen durch den Halter zunächst identifiziert werden.
Stress bei Katzen erkennen
Ein anderes Futter, neue Mitbewohner oder ein Umzug sind für Katzen oft nicht leicht zu verkraften. Denn sie sind absolute Gewohnheitstiere, die ihre Routine lieben. Werden ihre täglichen Abläufe in irgendeiner Weise durcheinander gebracht, kann dies bereits Stress bei Katzen auslösen. Doch auch zu viel Trubel oder anhaltende Langeweile können Auslöser für Stress sein und den sensiblen Tieren zusetzen.
Ebenso vielfältig wie die Ursachen für Stress können aber auch die Symptome sein. Häufige Anzeichen sind übermäßiges Putzen und sich über die Lippen lecken, geringer Appetit oder übermäßig aggressives Verhalten. Dies zeigt sich auch in verstärktem Miauen oder Fauchen, oder wenn die Katze weder gestreichelt werden, noch spielen will. Katzen, die Stress empfinden, neigen ebenfalls häufiger dazu, sich zu verstecken, rastlos herumzulaufen oder unsauber zu werden.
Alle diese Symptome können jedoch auch Anzeichen für andere Erkrankungen sein und lassen sich häufig nicht leicht von Stress unterscheiden. Sie sind jedoch in jedem Fall ein Warnzeichen für den Halter. Besonders, wenn die Verhaltensänderungen ganz plötzlich auftreten. Dann sollte man sich darüber Gedanken machen, ob eine Veränderung im Umfeld der Katze die Symptome ausgelöst haben könnte und andere Erkrankungen mit einem gründlichen Check-up beim Tierarzt ausschließen.
Katzengerechte Einrichtung sorgt für weniger Stress
Egal, ob zu viel Trubel oder Langeweile: Auslöser für Stress bei Katzen gibt es einige. Da die Tiere Ruhe und Sicherheit benötigen, sollte man zunächst – so bisher nicht vorhanden – Rückzugsorte und eine klare Struktur schaffen, in der sie sich sicher fühlen können. Denn Katzen brauchen nicht nur ihre Routine, sondern auch Orte, die sie immer wieder aufsuchen können.
Dies bedeutet einen festen Platz für Katzentoilette, Futterschale und Wassernapf sowie Schlaf- und Spielplätze. Da Katzen sich dreidimensional orientieren, sollten diese sich nicht nur auf dem Boden, sondern auch auf einem Kratzbaum oder in anderen erhöhten Bereichen befinden.
Insbesondere die Rückzugsorte sollten zudem allein der Katze vorbehalten sein und Halter oder Besucher darauf achten, sich den Tieren an diesen besonderen Orten nicht aufzudrängen. Katzen sind gern Herr der Lage und beobachten ihre Umgebung aus der Ferne. Ein Platz auf einem fest installierten Schrank oder Regal ist dafür bestens geeignet.

Mein Kater ist anfällig für Stress
Mein Kater Remo und ich haben eine sehr gute Beziehung. Ich kann fast immer einschätzen, wie es ihm gerade geht. Allerdings ist Remo auch sehr auf mich geprägt und lässt sich von meinen Stimmungen beeinflussen. Hatte ich einmal einen sehr stressigen Tag und berichte abends meinem Mann davon, setzt sich der Kater neben mich, miaut laut und berührt mich sogar mit der Pfote, scheinbar um mich wieder zu beruhigen. Er versteht in dieser Situation nicht, dass ich gerade Dampf ablasse. Also versuche ich, so wenig Anspannung wie möglich mit nach Hause zu bringen.
Doch nicht nur, wenn ich angespannt spreche, setzt dies meine Katze unter Stress. Wir leben in einem hellhörigen Altbau und in der Nachbarswohnung wohnen zwei Kleinkinder und ein Musiker. Wann immer es dort wieder lauter zugeht, sehe ich eindeutige Stresssymptome bei Remo. Meist versucht er dann, den Geräuschen so gut wie möglich zu entgehen und sucht einen seiner Ruheplätze auf. Diese hat er in jedem Zimmer, sogar auf der Schuhbank im Flur. Wenn ihm alles zu viel wird, werfe ich seine Flummis, damit er richtig Dampf ablassen kann.
Auch interessant: 5 Spielzeuge gegen Langeweile bei der Katze
Was Halter aktiv tun können
Stimmt die Umgebung der Katze erst einmal, können Halter jedoch noch einiges mehr tun, um Stress bei ihren Tieren zu reduzieren. Das Wichtigste ist, geduldig zu sein und die Grenzen der Katze zu respektieren. Viele Tiere beruhigt es, wenn man leise mit ihnen spricht und sie sanft streichelt. Allerdings sollte man dabei genau darauf achten, ob das Tier die Interaktion auch möchte.
Außerdem sollte man generell eine ruhige und entspannte Atmosphäre schaffen. Laute Musik und Partys im Umfeld der Katze sind nicht geeignet, ihren Stress zu reduzieren, und sollten daher möglichst vermieden werden. Auch der eigene Stress durch einen hektischen Alltag kann sich auf unsere Tiere übertragen. Generell sollte man – auch für die eigene Gesundheit – das Zuhause der Katze zu einem Ruheort für alle Haushaltsmitglieder machen.
Viele Halter unterschätzen zudem, wie wichtig es ist, mit ihren Tieren regelmäßig zu spielen. „Denn das beim gemeinsamen Spielen imitierte Jagen baut Stress bei Katzen ab und festigt die Bindung zwischen Mensch und Tier“, sagt Denise Riggers, die eine mobile Tierarztpraxis in Putzbrunn betreibt.
Tägliche Spieleinheiten von wenigen Minuten sind daher essenziell, um die Tiere auszulasten. Diese können auf mehrere kleine Einheiten aufgeteilt werden, sollten aber insgesamt etwa 30 Minuten pro Tag betragen. Zusätzlich kann Clicker-Training etwa bei Langeweile und Unsicherheiten helfen. Denn Katzen wollen geistig gefordert werden und Erfolgserlebnisse haben.

Ursachen und Warnzeichen Katze übergibt sich oft? Das sind mögliche Gründe

„Revierwechsel“ 8 Tipps, damit der Umzug für Ihre Katze möglichst stressfrei abläuft

Experten ordnen ein Katze hat Schuppen? Es könnten ernste Krankheiten dahinterstecken!
Manchmal lässt sich Stress für Katzen nicht vermeiden
Manche Situationen wie Umzüge, Baulärm oder Reisen können nicht verhindert werden. Hier können spezielle Beruhigungshilfen zum Einsatz kommen. „Bis zu einem gewissen Grad kann man die Katze etwa mit Pheromon-Verdampfern für die Steckdose unterstützen“, so Riggers.
Diese Produkte sind frei verkäuflich, doch Maren Püschel, Tierärztin der Kleintierklinik Wasbek, warnt: „Wurden sie privat zusammengemischt, kann man sich nicht sicher sein, was da alles genau drinnen ist.“ Der Kauf sollte daher nur über vertrauenswürdige Händler erfolgen.
Eine weitere Option ist der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln wie Zylkene. „Dieser Stoff steckt auch in der Muttermilch von Katzen und beruhigt die Tiere. Der Stoff erhöht die Fähigkeit, Serotonin zu bilden, benebelt die Katze aber nicht“, erläutert Püschel. Dieser Stoff sollte jedoch nur in Absprache mit einem Tierarzt verabreicht werden.
Manche Halter schwören auch auf CBD-Öl zur Beruhigung. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: „Wichtig ist dann, dass das Öl kein THC enthält und speziell für Katzen zugelassen ist. Cannabinoide haben nachweislich eine schmerzlindernde Wirkung“, sagt die Tierärztin.
Mit Material der dpa