
10. Juli 2024, 17:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Dass Hamster anspruchsvolle Haustiere sind, ist vielen mittlerweile bekannt. Doch selbst wenn man sich die größte Mühe gibt, dem Tier ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, kann es passieren, dass der Nager einem die kalte Schulter zeigt. PETBOOK erklärt, welche Gründe es dafür gibt, dass manche Hamster ihre Halter nicht mögen.
Das Gehege steht bereit, ist artgerecht eingerichtet, aber der neue Mitbewohner will nichts von einem wissen? Manche Hamster vermitteln ihren Haltern den Eindruck, sie würden diese nicht mögen. Dabei hat man sich solche Mühe gegeben, ihnen ein möglichst artgerechtes Leben zu bereiten. Und dann sind da noch die ganzen anderen Hamsterhalter, die ihre auf der Hand eingekuschelten Tiere stolz auf Social Media präsentieren, während sich der eigene Hamster versteckt, faucht oder knurrt, wenn man sich ihm nähert. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hamster uns als Person nicht mögen. Tatsächlich stecken meist Gründe hinter dem Verhalten, die mit der Lebensweise der kleinen Nager zu tun haben.
Hamster hat Angst
Hamster sind Beutetiere und stehen auf der Nahrungskette ziemlich weit unten. Das bedeutet, es gibt viele Tiere, die die kleinen Nager zum Fressen gern haben. Um zu überleben, müssen Hamster immer auf der Hut sein vor allem, was größer ist als sie. Kein Wunder also, dass Menschen auf die Tiere wie eine riesige Bedrohung wirken. Vor allem, wenn wir versuchen, nach ihnen zu greifen – auch wenn die Geste freundlich gemeint ist.
Hamster, die Angst haben, flüchten in der Regel. Manche Tiere schalten aber auch in den Verteidigungsmodus und beginnen zu fauchen, knurren oder beißen zu.
Hamster ist nicht sozialisiert
Hamster sind Einzelgänger. Im Gegensatz zu Hund und Katze leben sie nicht in Sozial- oder Familienverbänden zusammen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht eine Beziehung zu ihrem Halter aufbauen können. Dafür sollten sie allerdings schon möglichst früh an Menschen gewöhnt werden.
In der Regel ziehen die kleinen Nager aber frühestens mit fünf Wochen bei ihrem Menschen ein.1 Je nachdem, wie die Jungtiere aufgewachsen sind und was sie in dieser Zeit bereits kennengelernt haben, reagieren sie mehr oder weniger ängstlich, wenn sie das erste Mal auf ihre neuen Halter treffen.
Idealerweise haben die kleinen Hamster während der ersten Wochen schon Kontakt mit Menschen gehabt und gute Erfahrungen gemacht. Das ist aber nicht immer der Fall. Viele Hamster, die man in Fachgeschäften kaufen kann, kommen aus Zuchtbetrieben, in denen zum Teil schlechte Zustände herrschen. 2
Hamster hat schlechte Erfahrungen gemacht
Hat ein Hamster bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, wird er diese in Zukunft meiden. Vor allem, wenn man Tiere aus dem Tierschutz adoptiert, kann es sein, dass diese aus schlechten Verhältnissen gerettet wurden. Das führt nicht nur dazu, dass die Hamster mit Angst, sondern auch mit aggressivem Verhalten wie beißen reagieren.
Hat ein Hamster gelernt, dass er immer erst zubeißen muss, um in Ruhe gelassen zu werden, wird er dieses Verhalten häufiger und schneller im Zusammenleben mit Menschen zeigen. Das bedeutet aber nicht, dass solche Tiere niemals eine Beziehung zu Menschen eingehen können. Hier ist einfach viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Denn um eine schlechte Erfahrung wieder auszugleichen, braucht es viele gute.
Persönlichkeit und Genetik
Wie alle Tiere haben auch Hamster ihre eigene Persönlichkeit. So sind manche bereits von Geburt an einfach scheuer oder ängstlicher als andere. Zwar gelten bestimmte Arten wie Goldhamster als aufgeschlossen und neugierig, letztendlich hängt dies aber auch von der Genetik der Tiere ab.
Hamster hat Schmerzen oder ist krank
Zieht sich der Hamster zurück oder reagiert mit Abwehr auf seine Halter, können auch Krankheiten oder Schmerzen dahinterstecken. In der Natur würden Hamster versuchen, zu verbergen, dass es ihnen nicht gut geht, um nicht als leichte Beute zu enden. Eine Verletzung oder Erkrankung ist für Halter daher oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Sie kann aber dazu führen, dass der Hamster aggressiv reagiert, wenn man ihn anfasst.
Vor allem, wenn der Hamster sonst aufgeschlossen und freundlich reagiert, sollte man stutzig werden, wenn er sich plötzlich zurückzieht oder beißt. Oft verhalten sich Hamster nicht aggressiv, weil sie uns nicht mehr mögen, sondern weil es ihnen schlecht geht. Daher sollte man dies immer beim Tierarzt abklären.
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Hamster wird falsch gehalten
Hamster galten noch vor 30 Jahren als anspruchslose Haustiere, ideal für Kinder. Heute wissen die meisten Nagerfreunde, dass die Tiere hohe Ansprüche an Haltung und vor allem das Gehege stellen.
Stehen Hamstern nicht genügend Rückzugsorte oder Möglichkeiten zur Verfügung, natürliche Bedürfnisse wie Buddeln, Nestbau oder Sandbaden zu befriedigen, kann das die Tiere unter Stress setzen. Dieser sorgt dafür, dass Hamster weniger mit uns interagieren oder gar aggressives Verhalten ihren Haltern gegenüber zeigen.3
Wie Sie dafür sorgen, dass der Hamster sie mag
Oft brauchen die Nager einfach Zeit, um sich an ihr neues Zuhause und ihre Halter zu gewöhnen. Vor allem, wenn die Tiere nicht schon früh Kontakt zu Menschen hatten, kann dies mehrere Monate in Anspruch nehmen. Wichtig ist, das Tier nicht zu sehr zu bedrängen. Auch wenn es verführerisch ist, die kleinen Fellknäuel in die Hand nehmen zu wollen, sollte man sich für den Anfang einfach neben das Gehege setzen. So kann sich der Nager an Stimme und Gerüche gewöhnen.4
Sobald der Hamster nicht mehr gleich Reißaus nimmt oder in den Verteidigungsmodus geht, sobald man sich nähert, sollte man als Erstes versuchen, eine positive Assoziation zu schaffen, in dem man dem Tier einen Snack anbietet. Auch hier ist Geduld gefragt. Erwarten Sie nicht, dass ihnen der Hamster gleich aus der Hand frisst. Sobald dieser Schritt geschafft ist, kann man versuchen, den Nager mithilfe der Snacks auf die Hand zu locken.

Körpersprache Wie Hamster zeigen, dass sie sich bedroht fühlen

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Fazit
Nur weil der Hamster sich zurückzieht und faucht oder gar beißt, wenn man sich ihm nähert, bedeutet nicht, dass einen die Nager nicht mögen. Meist zeigen sie das Verhalten aus Angst, Stress oder weil wir Menschen ihre Körpersprache (noch) nicht verstehen.
Als Halter sollten wir dafür Verständnis zeigen und nicht erwarten, dass die Tiere in kürzester Zeit eine innige Beziehung zu uns aufbauen, nur weil wir Ihnen artgerechtes Futter und ein riesiges Gehege zur Verfügung stellen.
Hamster sind von Natur aus Einzelgänger. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht zugänglich für Interaktionen oder sogar Kuscheleinheiten mit ihren Menschen sind. Wichtig ist, dass sich die kleinen Nager dabei sicher fühlen und dies kann je nach Genetik, Vorerfahrung und Gesundheitszustand eben Zeit in Anspruch nehmen.