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Tilcayo: Neue Katzenart in Bolivien entdeckt

Jahrhundert-Entdeckung

Unscheinbare Wildkatze entpuppt sich als völlig neue Art

Die neu entdeckte Wildkatzenart Tilcayo

Mehr als 100 Jahre lang wurde keine neue lebende Katzenart wissenschaftlich beschrieben, nun sorgt die Tilcayo-Katze für eine Sensation Foto: Fernando Faciole/National Geogra/via REUTERS

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Jasmin Reddmann Autorenfoto Berlin, 3.6.2026 (c) Niels Starnick / BILD

Jasmin Reddmann Redakteurin

18. September 2026, 14:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Sie ist kleiner als viele Hauskatzen, trägt ein geflecktes Fell und lebt versteckt in den Nebelwäldern Boliviens: die Tilcayo-Katze. Lange hielten Forscher sie für eine Vertreterin einer bereits bekannten Gruppe südamerikanischer Tigerkatzen, doch eine umfangreiche Genanalyse enthüllte, dass es sich bei ihr um eine eigene Art handelt. Damit wurde erstmals seit mehr als 100 Jahren eine neue lebende Katzenart wissenschaftlich identifiziert und beschrieben: Leopardus tilcayo. Wie die Wildkatze so lange unerkannt bleiben konnte und warum ihre Entdeckung für den Artenschutz wichtig ist, erklärt PETBOOK.

Erst die DNA enthüllte die neue Katzenart

Südamerikanische Tigerkatzen sehen sich teilweise so ähnlich, dass sie äußerlich nur schwer auseinanderzuhalten sind. Ein internationales Forschungsteam untersuchte deshalb das Erbgut von insgesamt 38 Katzen der Gattung Leopardus. Dazu gehörten 26 Tiere aus der Gruppe der Tigerkatzen sowie acht historische Museumsexemplare.1

Der Vergleich zeigte, dass die ähnlich aussehenden Tigerkatzen zu fünf verschiedenen Arten gehören. Eine davon war bislang nicht als eigenständige Art erkannt worden: die Tilcayo-Katze aus Bolivien, die nun den wissenschaftlichen Namen Leopardus tilcayo trägt. Die Genomanalyse deutet darauf hin, dass sich die Entwicklungslinie der Tilcayo-Katze schon vor etwa 1,43 Millionen Jahren von den anderen Tigerkatzen trennte.

Daher kommt der Name Tilcayo

Die neue Katzenart lebt in den feuchten Bergwäldern Boliviens, die oft von Wolken bedeckt sind. In der Region nennen die Menschen die Wildkatze „Tilcayo“, weshalb die Forschenden den Namen für die Art übernahmen. Grundlage der wissenschaftlichen Beschreibung waren DNA-Analysen und äußerliche Merkmale der Tiere. Eines der untersuchten Männchen wurde 2021 nahe dem Ort Arapata gefunden und lebte danach in menschlicher Obhut.

Tilcayo in Nahaufnahme

Die Tilcayo-Katze ist an ihrem hellbraunen Fell mit den großen, unregelmäßigen dunklen Flecken und Rosetten zu erkennen Foto: Fernando Faciole/National Geogra/via REUTERS

So sieht die neue Wildkatze aus

Leopardus tilcayo ist etwa so lang wie eine Hauskatze, mit rund 1,4 Kilogramm aber deutlich leichter. Ihre Kopf-Rumpf-Länge beträgt zwischen 42,5 und 50,5 Zentimetern, der Schwanz ist etwa 25 bis 26,5 Zentimeter lang. Das Fell ist hellbraun und auf dem Rücken etwas dunkler. Auffällig sind die relativ großen, unregelmäßigen dunkelbraunen bis schwarzen Rosetten auf dem Fell.

Von verwandten Tigerkatzen unterscheidet sich die neue Art unter anderem durch die Form ihrer Fellzeichnung, die Länge des Fells und die Beschaffenheit ihres Schwanzes. Gegenüber Leopardus pardinoides besitzt sie beispielsweise kürzeres Fell, weniger kontrastreiche Muster und einen weniger buschigen Schwanz.

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Über die Lebensweise ist kaum etwas bekannt

Obwohl die Tilcayo-Katze nun als eigene Art beschrieben wurde, wissen Forschende bislang nur wenig über ihre Lebensweise. Die verfügbaren Informationen stammen von zwei untersuchten lebenden Tieren sowie wenigen Aufnahmen aus Kamerafallen. Über gesammelte Kotproben konnten man lediglich auf Nahrung schließen. Dort waren Überreste kleiner Nagetiere enthalten. Kamerafallenaufnahmen liefern außerdem Hinweise darauf, dass die Katzen nachts aktiver sein könnten als tagsüber.

Entdeckung ist für den Artenschutz entscheidend

Dass die Tilcayo-Katze nun als eigene Art gilt, ist für ihren Schutz besonders wichtig. Werden mehrere Arten unter einem gemeinsamen Namen geführt, bleibt möglicherweise unbemerkt, wie wenige Tiere von einer einzelnen Art tatsächlich noch existieren. Erst durch die genaue Einordnung lässt sich untersuchen, wie gefährdet die Tilcayo-Katze ist und welche Schutzmaßnahmen sie benötigt. Bislang wurde sie noch nicht eigenständig auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN bewertet.

Ihr Lebensraum in den bolivianischen Bergwäldern ist durch Abholzung, Landwirtschaft, Brände und Bergbau bedroht. Um die Tilcayo-Katze zu erhalten, müssen deshalb die verbliebenen Wälder und die Verbindungen zwischen ihren Lebensräumen geschützt werden. Die Entdeckung zeigt zugleich, wie wenig selbst über vermeintlich gut erforschte Tiergruppen bekannt ist. Erst die Untersuchung ihres Erbguts enthüllte, dass die kleine Wildkatze eine eigenständige Art ist.

Quellen

  1. Lescroart, J., Nogales-Ascarrunz, P., Cassatt-Johnstone, M., et al. (2026). Phylogenomics and museomics reveal five distinct species of tiger cats in South America. Current Biology. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.cub.2026.08.059 ↩︎