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Insel vor Papua-Neuguinea

Seltene Fasantaube nach 140 Jahren wiederentdeckt

Die Schwarznacken-Fasantaube wurde wieder entdeckt
Nach 140 Jahren haben Biologen die verschollen geglaubte Fasantaube Papua-Neuguineas wiederentdeckt – sie lief vor eine Fotofalle Foto: Doka Nason/American Bird Conservancy
Ninja Sinke Autorin

7. Dezember 2022, 5:47 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Existenz der Schwarznacken-Fasantaube, eine seltene Vogelart Papua-Neuguineas, wurde Ende September auf einer Expedition von Biologen bestätigt. Zuletzt war die Fasantaube im Jahr 1882 dokumentiert worden – es folgten 140 Jahre ohne offizielle Sichtung. Einem Team aus indigenen und US-amerikanischen Forschern gelang es nun, den fast ausgestorben geglaubten Vogel aufzuspüren. Dazu wäre es jedoch beinahe nicht gekommen. PETBOOK erklärt, wie die Fasantaube nach so langer Zeit wiederentdeckt wurde und warum ihr Lebensraum bedroht ist.

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Fotos und Videoaufnahmen zeigen erstmals die verschollen geglaubte Schwarznacken-Fasantaube. Heimisch ist die große Taubenart auf den Fergusson-Inseln vor der Ostküste Papuga-Neuguineas im D’Entrecasteaux-Archipel. Damit bewohnt der Vogel einen der abgelegensten und schwer zugänglichsten Orte der Welt. Für 140 Jahre galt die sehr zurückgezogen lebende Art als nahezu ausgestorben. Mithilfe von Anhaltspunkten der indigenen Bevölkerung und einer großen Portion Glück konnte die Fasantaube von einem internationalen Forscherteam nun entdeckt werden. Was die Wissenschaftler über den Fund des Vogels zu berichten haben und wie es weitergehen könnte.

Die Chancen, die Fasantaube zu entdecken, schienen schlecht

Aufgrund der Seltenheit der Fasantaube ist fast nichts über sie bekannt. So gibt es keine Aufzeichnungen ihrer Laute, jedoch Erzählungen der indigenen Bevölkerung. Bei der Entdeckung der Vogelart im Jahr 1882 nahmen Wissenschaftler zwei Exemplare an sich, danach kam es zu keiner dokumentierten Sichtung mehr. Vereinzelte Berichte der Bewohner der Fergusson-Inseln über einen heimischen Vogel mit dem lokalen Namen „Auwo“, erreichten US-amerikanische Forscher im Jahr 2019, vermeldete „Live Science“. Drei Jahre später gelang es den Wissenschaftlern im Rahmen der einmonatigen Expedition, Aufnahmen der Fasantaube zu machen – zwei Tage, bevor die Suche beendet werden sollte.

„Den Großteil unserer Reise schien es, als hätten wir keine Chance, diesen Vogel zu finden“, berichtet Jordan Boersma, Co-Leiter der Expedition und Postdoktorand der New Yorker Universität Cornell in einer Meldung des „Cornell Chronicle“ über die Herausforderungen der Expedition. Glücklicherweise gelangt es dem Forscherteam mit einer von ihnen aufgestellten Fernkamera Aufnahmen des Vogels zu machen. Dieser soll umhergelaufen sein und seinen Schwanz aufgefächert haben. Damit gelang den Biologen etwas Einmaliges: Die allerersten Foto- und Videoaufnahmen der nach so langer Zeit wieder entdeckten Fasantaube.

„Es fühlte sich an, als ob wir ein Einhorn gefunden hätten.“

Es bestehe die Möglichkeit, dass die seltene und bedrohte Vogelart nur weit im Landesinneren der Fergusson-Inseln vorkomme. Das Klima dort sei heiß, das Gelände extrem zerklüftet und von gewundenen Flüssen durchzogen. Für die Forscher barg die Expedition so einige Hindernisse. Das erklärt auch die Begeisterung über den Fund. John C. Mittermeier, Mitglied des Expeditionsteams, erzählte dem „Cornell Chronicle“ von dem Moment, als er die Aufnahmen des Vogels das erste Mal sah: „Nach einem Monat der Suche fühlte es sich an, als ob wir ein Einhorn gefunden hätten.“

Als Naturschützer und Vogelbeobachter habe er sein ganzes Leben von einem ähnlichen Moment geträumt. Sein Kollege Jordan Boersma gibt auf Anfrage von „Live Science“ preis, dass dem Forscherteam erst nach ihrer Rückkehr in den USA etwas entscheidendes bewusst geworden sei: Diese Art konnte seit 1882 nicht dokumentiert werden.

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Der Schlüssel zum Erfolg sei das Wissen der indigenen Bevölkerung gewesen

Die große, bodenbewohnende Vogelart mit rostfarbenem Rücken, schwarzem Kopf und Körper und einem wippenden fasanenartigen Schwanz lebe in einer dicht bewaldeten und stark zerklüfteten Landschaft. Entscheidend für den Erfolg der Expedition sei das Wissen der indigenen Bevölkerung gewesen. Ein ortsansässiger Vogelexperte namens Doka Nason habe sich der Suche nach der Fasantaube angeschlossen. Er beriet das Team und machte Vorschläge, in welchen Regionen sie nach dem Vogel suchen sollten.

Nason soll es sogar gewesen sein, der die Fernkamera aufstellte, mit welcher die Fasantaube entdeckt und aufgenommen wurde, schreibt der „Cornell Chronicle“. Als der Ornithologe die Aufnahmen das erste Mal sah, die dank seiner Hilfe entstanden waren, sei er sehr aufgeregt gewesen. Dem „Cornell Chronicle“ berichtete er: „Ich sprang herum und rief: Wir haben es geschafft!“ Ein weiterer Co-Leiter der Expedition, Jason Gregg, empfand es als einmalige Erfahrung, gemeinsam mit den Bewohnern der Fergusson-Inseln nach der Fasantaube gesucht zu haben. Ein Höhepunkt der Expedition seien die Vorträge in örtlichen Schulen und Dörfern gewesen. Dort haben die Forscher über die Suche nach dem seltenen Vogel berichtet.

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Die seltene Schwarznacken-Fasantaube wieder entdeckt zu haben und ihre Existenz zu dokumentieren, eröffne den Forschern neue Möglichkeiten. So könne mehr über die Vogelart und ihre „unglaubliche Heimat“ gelernt werden, erklärt Jason Gregg im „Cornell Chronicle“. Der Vogel bedeute den Menschen vor Ort etwas, er sei Teil ihrer Legenden und Kultur, ergänzt auch Co-Expeditionsleiter Jordan Boersma. „Wenn wir diese Art verlieren, dann geht ihre kulturelle Bedeutung ebenso verloren wie die Rolle, die sie in diesem fantastischen Ökosystem spielt.“

Die Sorge um das Fortbestehen der Vogelart ist nicht unbegründet. Der Besitzer des Gebietes, auf dem die Fasantaube gefunden wurde, habe kürzlich einen Vertrag mit einem Holzunternehmen unterzeichnet. Dies könne eine akute Bedrohung für den Vogel und seinen Lebensraum darstellen. Dazu kommt, dass die genaue Zahl der Vogelart aktuell nicht eindeutig bestätigt werden könne. Die internationale Vogelschutzorganisation „Bird Life“ schätzt die Population der Schwarznacken-Fasantaube auf unter 250 Exemplare ein. Das Forscherteam bemühe sich nun um die Finanzierung einer weiteren Expedition. Denn so könnten sie auf die Fergusson-Inseln zurückkehren und die Anzahl der Vögel näher erforschen. Je mehr über sie bekannt wäre, desto besser könne man die seltene Art schützen.

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