
29. März 2025, 15:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein Tierarztbesuch ohne Anfahrt, Stress und Wartezimmer? Die digitale Sprechstunde macht es möglich und wird daher von immer mehr Haustierbesitzern genutzt. Doch auch wenn Telemedizin viele Vorteile bietet, ersetzt sie keinesfalls den klassischen Praxisbesuch in jeder Situation.
Immer mehr Tierärzte in Deutschland bieten Online-Sprechstunden an. Das geht aus einer Pressemitteilung des Industrieverbands Heimtierbedarf e. V. (IVH) hervor. Besonders für Fälle, die nicht akut sind – wie etwa Beratungsgespräche – kann Telemedizin Tierhaltern helfen. Doch bei akuten Symptomen sowie Notfällen bleibt der Praxisbesuch unverzichtbar.
Virtuelle Tierarzttermine werden immer beliebter
Der Trend zur Online-Sprechstunde in der Tiermedizin hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Immer mehr Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland setzen auf digitale Beratung per Video. Für Tierhalter bedeutet das nicht nur weniger Aufwand, sondern auch geringeren Stress für ihre Tiere.
„Ein wesentlicher Vorteil der Online-Sprechstunde, wir sprechen hier von Telemedizin, ist die Entlastung des tierärztlichen Notdienstes. Wenn bereits vorab festgestellt werden kann, dass es auch reicht, abzuwarten und etwa einen Termin am nächsten Tag auszumachen, dann kann sich der Notdienst auf die akuten Fälle konzentrieren“, erklärt Dr. Karl-Heinz Schulte, ehemaliger 2. Vizepräsident und Vorsitzender des Arbeitskreises Telemedizin im Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) und Mitglied des Vorstands der Tierärztekammer Nordrhein in der Pressemitteilung des IVH.
Auch der Komfort ist ein Pluspunkt: Weder Transport noch Wartezeit in der Praxis fallen an, das Tier bleibt in seiner gewohnten Umgebung. Alles, was für eine Online-Sprechstunde benötigt wird, ist ein internetfähiges Gerät wie ein Smartphone oder Laptop sowie eine stabile Internetverbindung.
Für welche Anliegen sich Telemedizin eignet
Virtuelle Tierarzttermine bieten sich besonders dann an, wenn keine akuten Schmerzen oder Verletzungen vorliegen. Viele Halter nutzen die Online-Sprechstunde, um sich vergewissern zu lassen, dass mit ihrem Tier alles in Ordnung ist. Häufige Themen sind Ernährungsfragen, Verdauungsprobleme, Appetitlosigkeit oder ungewohnte Verhaltensweisen wie verringerte Aktivität.
Auch zur Einholung einer Zweitmeinung eignet sich die digitale Beratung. Dabei gelten dieselben Standards wie im direkten Gespräch in der Praxis: Die Tierärztin oder der Tierarzt lässt sich die Symptome schildern und schätzt ein, ob ein gesundheitliches Problem vorliegt und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
In der Video-Sprechstunde kann zusätzlich ein erster optischer Eindruck vom Tier gewonnen werden. Tierärztinnen und Tierärzte können Anleitungen zur genaueren Beobachtung geben oder um Fotos von betroffenen Körperstellen oder Parasiten bitten, die digital übermittelt werden. Einige Anliegen lassen sich auf diesem Weg vollständig klären. Sollte eine weiterführende Untersuchung notwendig sein, wird ein Termin in der Praxis vereinbart.
Auch interessant: Wie funktioniert eine Online-Sprechstunde beim Tierarzt?
Klare Grenzen bei Notfällen und Diagnostik
Doch nicht jedes tiermedizinische Problem ist virtuell lösbar. Die Telemedizin hat klare Grenzen – vor allem bei Notfällen oder wenn spezielle Untersuchungen notwendig sind.
„Bei akuten Notfällen, also etwa bei Atemnot, starken Blutungen, Verletzungen oder nach einem Unfall, sollte man nicht zögern und sofort eine Tierarztpraxis oder einen tierärztlichen Notdienst aufsuchen, damit unmittelbar geholfen werden kann. Hier kann jede Minute zählen. Die Online-Beratung kann aber bei der Entscheidung helfen, mit dem Tier direkt in eine Klinik zu fahren, statt erst einen normalen Termin auszumachen“, so der Experte.
Bluttests, Röntgenaufnahmen oder die Verabreichung verschreibungspflichtiger Medikamente sind nur nach Untersuchung vor Ort möglich. Auch die Ausstellung entsprechender Rezepte setzt einen Besuch in der Praxis voraus.
So finden Tierhalter passende Angebote
Ob der eigene Haustierarzt digitale Sprechstunden anbietet, lässt sich meist über die Praxiswebsite herausfinden oder beim nächsten Besuch erfragen. In der Regel erhalten Tierhalter einen Link und einen festen Termin für das Online-Gespräch.
Alternativ bieten Plattformen wie Pfotendoctor, HaustierDocs oder FirstVet speziell auf Telemedizin zugeschnittene Dienste an. Sie arbeiten mit approbierten Tierärzten zusammen und ermöglichen oft eine rund um die Uhr verfügbare Beratung. Allerdings sind Folgeuntersuchungen in der Praxis dort nicht möglich. Teilweise beschränkt sich das Angebot auf Hunde und Katzen, andere Anbieter behandeln auch Heimtiere oder Pferde.
Telemedizin Wie sinnvoll ist ein Besuch beim Tierarzt via Internet? Experten klären auf

Telemedizin Wie funktioniertr eine Online-Sprechstunde beim Tierarzt?

Ab 22. November Neue Gebührenordnung für Tierärzte! Lohnt sich nun eine Versicherung?
Abrechnung und Kostenübernahme durch Versicherungen
Die Kosten für eine Online-Sprechstunde sind bislang nicht gesondert in der Gebührenordnung für Tierärzte geregelt. „Bei den Kosten merkt man, dass Online-Sprechstunden noch eine relativ junge Entwicklung sind“, sagt Dr. Schulte. „In der Gebührenordnung für Tierärzte gibt es daher noch keinen eigenen Eintrag für diese Dienstleistung. Telemedizin wird deshalb meist als ‚Beratung im einzelnen Fall ohne Untersuchung‘ oder als ‚Eingehende Anamneseerhebung oder Beratung‘ abgerechnet und entsprechend auf der Rechnung vermerkt.“
Zahlreiche Tierkrankenversicherungen übernehmen mittlerweile auch Kosten für Telemedizin. Es empfiehlt sich jedoch, die Bedingungen im Vorfeld genau zu prüfen oder direkt bei der Versicherung nachzufragen.