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Abwehrverhalten

Warum „pinkeln“ Ameisen Menschen an? Biologin erklärt

Nahaufnahme einer Ameise auf einer menschlichen Hand
Krabbeln Ameisen auf der Hand, hinterlassen sie manchmal eine Flüssigkeit Foto: Getty Images
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

31. Januar 2025, 14:34 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Pinkelt mich diese Ameise gerade an? Das fragen sich einige bei ihrem Kontakt mit den kleinen Insekten. Denn nicht selten verspritzen Ameisen bei Kontakt mit Menschen einen Tropfen brennende Flüssigkeit. Aber warum tun sie das, und können Insekten überhaupt „Pipi machen“? PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider gibt Antwort.

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„Als Kind haben mich die Ameisen beim Wandern immer angepinkelt“, erzählte mir letztens eine Kollegin. Ist das wirklich „Pipi“? Auch andere erinnern sich daran, wie Ameisen Ausscheidungen auf ihren Händen oder Beinen hinterließen und dass das – je nach Art – auch ein stark brennendes Gefühl ausgelöst hat. Aber warum tun Ameisen das? Und handelt es sich dabei tatsächlich um eine Art Urin?

Können Ameisen „Pipi“ machen?

Während Säugetiere Urin und Kot getrennt ausscheiden, gibt es diese Unterteilung bei vielen anderen Tieren nicht. Das ist auch bei Ameisen der Fall. Wie alle Insekten setzen sie eine Art Brei ab, der sowohl flüssige als auch feste Komponenten enthalten kann.

Nimmt eine Ameise Nahrung auf, gelangt diese durch einen langen Schlund zunächst in den Kropf, der sich im Hinterleib der Tiere befindet. Hier können Ameisen Nahrung speichern und bei Bedarf wieder hervorwürgen. So können sie zuckerhaltige Flüssigkeiten sammeln, um später zum Beispiel Nestkolleginnen damit zu versorgen. 1

Der Anteil der Nahrung, den die Ameise selbst zum Leben benötigt, gelangt in den Magen. Dort wird die Nahrung hauptsächlich verdaut. Die Ausscheidungsprodukte sammeln sich in der Rektalblase und werden dann durch eine Öffnung am Ende des Hinterleibes ausgeschieden. Ameisen setzen also eher eine Art breiigen Kot als Urin ab.

Auch interessant: Auch Ameisen sind nachtragend und können sich sogar rächen

Ameisen verrichten ihr Geschäft im Nest – nicht auf dem Menschen

Übrigens verrichten Ameisen ihr Geschäft nicht wie Honigbienen außerhalb der Kolonie. Zumindest weiß man von Schwarzen Wegameisen, dass sie gewöhnlich daheim bleiben, wenn sie mal „für kleine Insekten“ müssen. Dabei befinden sich die Toiletten in den Ecken der Nester, wie eine Studie 2015 herausfand. Man wird als Mensch also selten zu Gesicht bekommen, wie eine Ameise „ihr Geschäftchen“ macht.

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Warum „pinkeln“ Ameisen Menschen an?

Aber was hat es dann mit der Flüssigkeit auf sich, die Ameisen auf den Händen oder Beinen von durch den Wald spazierenden Menschen hinterlassen? Tatsächlich handelt es sich hier um ein Abwehrverhalten. Vor allem Rote Waldameisen zeigen es – und das nicht erst, wenn man sie auf die Hand nimmt. Fühlen sich die Tiere bedroht, strecken sie ihren Hintern nach vorn – und spritzen Ameisensäure ab. Diese ist stark ätzend. In der Regel beginnt die Stelle daher auch zu jucken oder zu brennen. Eine gute Strategie, um sich Feinde vom Leib zu halten. 2

Die Ameisensäure wird in der Giftblase gespeichert. Sie endet – wie die Rektalblase – an der Hinterleibsspitze. Für den Menschen sieht es daher so aus, als würden die Ameisen tatsächlich „pinkeln“.

Themen Insekten

Quellen

  1. ameisenhaltung.de, „Anatomie“ (aufgerufen am 30.01.2025) ↩︎
  2. wald-vielfalt.ch, „Können Rote Ameisen wirklich pinkeln?“ (aufgerufen am 30.01.2025) ↩︎

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