
31. Januar 2025, 11:51 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Eisbären haben sich perfekt an ihre arktische Heimat angepasst. Dazu zählen nicht nur die dicke Speckschicht und das warme Fell – es muss darüber hinaus auch noch ungewaschen und fettig sein, wie eine Studie belegt.
Während wir Menschen uns in regelmäßigen Abständen die Haare waschen und nervös kontrollieren, ob unsere Ansätze bereits wieder fettig aussehen, scheinen Eisbären sich darüber nur wenig Gedanken zu machen. Dies hat bei den Tieren jedoch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, wie eine internationale Gruppe von Forschern herausfand. Denn das fettige Fell des Eisbären hat entscheidende, überlebenswichtige Vorteile für die Arktisbewohner.
Fettschicht auf dem Fell verhindert Anhaften von Eis
Shampoo, Conditioner, Kur und Serum – der Mensch tut schon so einiges, damit sein Haar gesund, aber vor allem sauber bleibt. Eisbären dagegen würden vermutlich eher auf alle Produkte zur Haarwäsche verzichten und sich stattdessen richtig fettiges, ungewaschenes Fell wünschen. Dies ist zumindest das Ergebnis, zu dem eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern in einer Studie im Fachmagazin „Science Advances“ kommt.
Denn Eisbären haben am ganzen Körper eine isolierende Schicht aus Speck und Fell. Es gelangt also nur sehr wenig ihrer Körperwärme nach außen. Dies würde aber bedeuten, dass sich Eiskristalle im Fell bilden müssten, wenn die Tiere schwimmen gehen und das Wasser danach in der eisigen Luft gefriert. Das ist allerdings nicht der Fall. Denn große Ansammlungen von Eis würden die Tiere bei Bewegungen einschränken und ihre Jagd erschweren. Zum Beispiel, wenn gefrorenes, schweres Fell auf dem Eis kratzt.
Warum dies nicht der Fall ist, war lange ein Rätsel. Denn im Gegensatz zu den Federn bei Pinguinen, die das Wasser abperlen lassen, bevor es gefriert, bleibt es im dichten Fell der Eisbären hängen. Daher haben sich die Forscher in ihrer Arbeit zunächst der Theorie gewidmet, dass die Struktur des Haares anders sein müsse. Allerdings stellte sich bei einer Analyse von sechs Proben von Eisbärenfell unter dem Mikroskop heraus, dass es nicht anders aufgebaut ist als menschliches Haar und die eisabweisenden Eigenschaften somit nicht erklären konnte.

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Fettiges Eisbärfell hält Eis so gut ab wie Skiausrüstung
Daher schauten sich die Forscher als Nächstes die Lipide an, die auf ungewaschenem Eisbärenfell vorhanden waren. Die Analysen zeigten eine ungewöhnliche Mischung aus Cholesterin, Diacylglycerolen und verzweigten Fettsäuren. Jedoch fand sich kein Squalen, das bei den meisten anderen aquatischen Säugetieren und beim Menschen vorkommt.
„Der Talg erwies sich schnell als Schlüsselkomponente für diesen Anti-Eis-Effekt“, sagte Erstautor Julian Carolan in einer Pressemitteilung des Trinity College Dublin. Denn die Forscher stellten auch fest, „dass die Haftkraft beim Waschen der Haare stark beeinträchtigt wurde. Ungewaschenes, fettiges Haar machte es dem Eis viel schwerer, zu haften.“ Es hatte eine Eisadhäsionskraft von nur etwa 50 kPa – weit unter der Schwelle von 100 kPa, die gemeinhin als eisabweisend gilt.
Im nächsten Schritt wollten die Forscher dann herausfinden, was passiert, wenn das Fell sauber wäre. Dabei zeigte sich eine drastisch erhöhte Eisadhäsion (über 150 kPa). Dr. Richard Hobbs, Seniorautor der Studie, sieht in den gewonnenen Daten nicht nur spannende Erkenntnisse über Bären, sondern auch weitere Anwendungsmöglichkeiten: „Tiere, die in polaren Lebensräumen leben, haben sich als Inspirationsquelle für die Entwicklung neuer Anti-Eis-Materialien erwiesen.“
Denn im Moment werden für Anti-Eis-Beschichtungen sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ genutzt. Diese Per- und Polyfluorcarbone (PFAS) finden sich in vielen Materialien, die schmutz-, fett- und wasserabweisend sein sollen. Die Chemikalien sind allerdings biologisch nicht abbaubar und stehen im Verdacht, sich im menschlichen Körper anzureichern – mit schweren, gesundheitlichen Folgen. Die Forscher hoffen daher, dass die Eigenschaften der natürlichen Lipidbeschichtungen im Eisbärenfell ihnen dabei helfen werden, nachhaltige Alternativen zu entwickeln. 1