
22. Mai 2024, 12:24 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Von Geschwätzigkeit spricht man, wenn jemand den lieben langen Tag vor sich hin faselt, ohne dabei je viel Wertvolles zu sagen. Laut einer Studie scheint dies auch ein Verhalten zu sein, dass Erdmännchen routinemäßig an den Tag legen – obwohl ihr Plaudern und ihre Selbstgespräche wohl doch wichtige Funktionen erfüllen.
Viele werden sich noch an das geschwätzige Erdmännchen Timon aus den „König der Löwen“-Filmen erinnern. Der beste Freund des Warzenschweins Pumbaa hörte sich selbst oft gern reden, obwohl meist nicht viel Substanz dahintersteckte. Dabei verkaufte er anschließend Ideen von anderen als seine eigenen. Doch hinter der Geschwätzigkeit des Erdmännchens steckt wohl mehr als bloße Hollywood-Fantasie. Denn lange hieß es, dass nur Menschen miteinander sprechen und sich austauschen können und Tiere allerhöchstens Warn- oder Paarungsrufe ausstoßen. Dies ist allerdings falsch, denn auch Erdmännchen plaudern miteinander, tuscheln oder führen sogar Selbstgespräche, wie nun eine Studie zeigt.
Wie man Sprechen definiert
Zunächst einmal muss man eine Grundlage dafür haben, was eigentlich hinter dem Konzept „miteinander sprechen“ steckt, um es auch im Tierreich anwenden zu können. In der Sprachwissenschaft verbirgt sich dahinter der Austausch von „Signalen“ und einzelne Sprechakte.
Dies sind mit verschiedenen Informationen aufgeladene Aussagen, die unterschiedliche Bedeutungen haben können. Sprechen beginnt, wenn man sich äußert, der Gegenüber versteht und anschließend antwortet. Diese einzelnen Sprechakte werden so zu einem Gespräch.
Sprachliche Äußerungen haben zudem immer einen Produzenten und einen Adressaten. Das heißt, der Sprach-Produzierende passt seine Signale dem Adressaten an, weil er ihm Information vermitteln möchte. Man spricht etwa mit Chef oder Lehrern anders als mit Freunden oder Bekannten.
Erdmännchen plaudern miteinander
Diese Abfolge von verschiedenen Sprech-Akten ließ sich nun in einer Studie auch bei Erdmännchen beobachten. Forscher der Universität Konstanz und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie beschreiben im Fachmagazin „Philosophical Transactions of the Royal Society B“, was sie beobachtet haben. Verschiedene Erdmännchen-Gruppen in Südafrika zeigten laut den Daten der Forscher verschiedene Kommunikationsmodi.
Die auch Suricata suricatta genannten Tiere scheinen tatsächlich ziemlich gesprächig zu sein und gern zu schwatzen. Das Team um Vlad Demartsev und Ariana Strandburg-Peshkin stattete Erdmännchen in einem Forschungszentrum mit Halsbändern und GPS-Trackern aus. Anhand der mit den Bändern verbauten Audiodaten und den GPS-Standorten konnten sie den Gesprächen der Tiere lauschen. Zudem konnten sie beobachten, dass die Tiere auch sprachen, wenn kein Artgenosse in der Nähe war.
Hatten die Erdmännchen Lust auf ein Schwätzchen, setzten sie sogenannte „Close Calls“ ein. In der Sprachforschung wird dies auch Signal-Austausch genannt. Dabei wechseln sich die Rufe und die entsprechenden Antworten darauf miteinander ab. Tatsächlich ganz so, als ob sie ein Gespräch führten.
Erdmännchen führen Selbstgespräche
Dies ließ sich vor allem feststellen, wenn die untersuchten Erdmännchengruppen viele Nachbarn hatten, die ihnen antworteten. Dies geschah in der Regel innerhalb von 2,31 Sekunden. Die heranwachsenden Tiere antworteten den Erwachsenen sogar häufiger und schneller. Es handelt sich hier also ganz klar um eine soziale Interaktion, die mit dem Schwatzen der Erdmännchen produziert wird.
Aber auch wenn Erdmännchen niemanden zum Plaudern haben, sind sie nicht gerade still. So konnten die Forscher in Südafrika dokumentieren: Die Tiere führten eindeutig Selbstgespräche. Dies wurde in der Studie „Short Calls Note“ oder auch Broadcast-Signal genannt.
Die Selbstgespräche dienen jedoch nicht der eigenen Unterhaltung, wenn die Erdmännchen gerade niemanden zum Quatschen haben. Die Forscher stellen die Theorie auf, dass die Tiere damit trotzdem alle benachbarten Artgenossen über bestimmte Dinge informieren.

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Auch Selbstgespräche könnten dem Zusammenhalt dienen
Dabei riefen alle Erdmännchen gleichzeitig, eine Gesprächsstruktur ließ sich dabei nicht feststellen. Die Forscher stellten die Theorie auf, dass die Erdmännchen andere so über ihr Verhalten und Gemüt, Reaktion auf externe Ereignisse oder ihre Bewegungsmuster aufklären wollten.
Sie drückten über Laute zum Beispiel aus, wenn sie nach Nahrung stöberten oder plötzlich zu rennen begannen. „Obwohl die Funktion der kurzen Töne während der Bewegung bei Erdmännchen bisher noch nicht untersucht wurde, ist es möglich, dass diese Rufe als Mechanismus zur Aufrechterhaltung des Gruppenzusammenhalts bei schnellen Bewegungen dienen“, schreiben die Wissenschaftler abschließend.1, 2