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Fischkatze

Diese kaum bekannte Wildkatze hat Schwimmhäute und bellt

Eine Fischkatze in ihrem natürlichen Habitat
Ja, richtig gesehen: Hier plantscht und fischt eine Katze mit Begeisterung Foto: Getty Images / slowmotiongli
Louisa Stoeffler
Redakteurin

1. April 2025, 17:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Sie schwimmen wie Otter und bellen wie Hunde – und sind doch in einem ganz anderen Stammbaum zu finden: Fischkatzen. Diese schlauen und kaum bekannten Wildkatzen haben sich in bemerkenswerter Weise an ihren Lebensraum angepasst – der leider immer kleiner wird.

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Dass Katzen in der Regel ziemlich wasserscheu sind, hat die Fischkatze wohl nicht in im „So verhält man sich als Katze“-Briefing gelesen. Denn getreu ihrem Namen liebt die kaum bekannte Wildkatze es, zu schwimmen und sucht sich auch ihre fischige Beute gern im Wasser. Was man sonst noch über die faszinierende Kleinkatze aus Asien wissen sollte.

Eine bellende Katze?

Wer zum ersten Mal den Ruf einer Fischkatze hört, rechnet wohl nicht mit dem, was ihn erwartet: Statt des typischen Miaus einer Kleinkatze ertönt ein heiseres, bellendes Geräusch – verblüffend ähnlich dem Laut eines kleinen Hundes. Dieses für Katzen vollkommen untypische Lautrepertoire gehört zu den kuriosesten Eigenschaften der Fischkatze und ist bis heute Gegenstand biologischer Forschung.

Besonders während der Paarungszeit, die in der Regel zwischen Januar und Februar liegt, ist dieses Bellen in den Feuchtgebieten Süd- und Südostasiens häufiger zu hören. Die Laute dienen wohl vor allem der Reviermarkierung und Partneranlockung – ähnlich wie bei anderen Beutegreifern mit komplexer akustischer Kommunikation.

Doch auch außerhalb der Fortpflanzungszeit setzen Fischkatzen ihre Stimme gezielt ein, um zu warnen, zu kommunizieren oder sich bemerkbar zu machen. Bellen ist jedoch nicht der einzige Laut, den die Tiere beherrscht. In Gefangenschaft wurden neben dem bellenden Rufen auch Schnurren, Fauchen, Jaulen und ein kehliges Grollen beobachtet.

Hat die Fischkatze wirklich Schwimmhäute?

Ein weiteres besonderes Merkmal der Fischkatze sind ihre Pfoten. Diese zeigen eindeutige Anpassungen an ihren Lebensraum. Ob die Häutchen zwischen den Zehen aber wirklich Schwimmhäutchen sind, wird unter Forschern immer noch debattiert. Ihre Vorderpfoten erinnern jedoch vor allem optisch an Flossen. Diese anatomische Besonderheit erlaubt ihr, effizient durch das Wasser zu paddeln und Beute unter der Oberfläche zu greifen – ein einzigartiges Merkmal unter den Katzenarten.

Sie ist noch nicht einmal die einzige Wildkatzenart, die über Mechanismen verfügt, um sich im Wasser schneller zu bewegen. Auch die Bengalkatze und die Flachkopfkatze, die in einem ähnlichen Verbreitungsgebiet leben, verfügen in Ansätzen über ähnliche Strukturen. Bei der Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) zeigen sich ausgeprägte Hautpartien und bei der Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) vor allem zusammenhängende Zehen und kurze Beine.

Allerdings ist bei keiner anderen Wildkatze die vermutliche Schwimmhaut so funktional entwickelt und genutzt wie bei der Fischkatze. Sie nutzt ihre teilweise mit Haut überzogenen Vorderpfoten aktiv beim Schwimmen und Jagen, wodurch sie sich im Wasser besonders effizient bewegen kann. Sie scheut sich nicht einmal, vollständig unterzutauchen, um Fische und andere Wassertiere zu jagen.

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Fischkatzen sind sehr anpassungsfähig

Auch in ihrem Aussehen ist die Fischkatze perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Ihr Fell ist olivgrau mit dunkleren Streifen über den Schultern und im Nacken, die an den Seiten und Beinen in längliche Flecken übergehen. Somit ist sie in dicht bewaldeten Gebieten perfekt getarnt.

Mit einem Körpergewicht von 5 bis 16 kg und einer Kopf-Rumpf-Länge von 57 bis 78 cm ist sie etwa doppelt so groß wie eine Hauskatze. Ihr Schwanz ist mit 20 bis 30 cm relativ kurz. Allerdings macht ihn seine muskulöse Struktur und Länge zum perfekten Steuerinstrument im Wasser. Beim Schwimmen setzt die Fischkatze ihn gezielt ein, um sich stabil zu halten und schnell die Richtung zu wechseln – ein Verhalten, das tatsächlich eher an Otter oder kleine Wassermarder erinnert als an eine Wildkatze.

Allerdings fühlt sich die spezialisierte Wildkatze in ihren Lebensräumen nicht nur wohl – sie ist auf sie angewiesen. Sümpfe, Flussufer, Mangroven und Überschwemmungsgebiete bilden ihre bevorzugten Habitate. Abwechselnd schwimmend, watend oder tauchend findet man sie in Gebieten Indiens, in Nepal, Bangladesch, Sri Lanka, Thailand, Kambodscha, Myanmar und Pakistan. Besonders gern erbeutet sie dort heimische Fische, Frösche, Schnecken und Krebstiere.

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Fischkatzen täuschen ihre Beute

Tatsächlich sind Fischkatzen nicht nur besonders geschickt darin, ihre Beute zu fangen. Sie locken sie auch aktiv an. Dazu klopfen sie mit ihren Pfoten auf das Wasser, sodass es für Fische und Frösche so aussieht, als ob ein Insekt auf der Oberfläche schwimmt. Will das Beutetier dann zuschnappen, wartet eine böse Überraschung und es wird selbst verspeist. 1

Allerdings ist die Fischkatze auch ganz Opportunist und jagt in Zeiten starker Überschwemmungen auch auf Bäumen. Anhand von Kamerafallen konnte 2024 nachgewiesen werden, dass sie dies häufiger tun als lange angenommen wurde. So finden sich auch Kleinsäuger und Vögel relativ häufig auf ihrem Speiseplan. 2

Dabei helfen ihr auch ihre nicht ganz einziehbaren Krallen, mit denen sie geschickt Bäume erklimmen kann. Wenn ihr Lebensraum komplett überschwemmt ist, kann sie sich so auch in von Ast zu Ast fortbewegen und geht dort auf Beutesuche. Ihre Anpassungsfähigkeit macht sie zu einer wichtigen Art in ihrem Ökosystem, einem sogenannten Spitzenprädator.

Mensch-Tier-Konflikte sind keine Seltenheit

Die geschickte Jägerin sucht sich in Zeiten der Not leider auch immer häufiger Nahrung in der Nähe von Menschen. So wurden auch Lämmer als ihre Beute dokumentiert. Bereits 2015 wurde in einer Untersuchung in Bangladesch festgestellt, dass Fischkatzen von der Bevölkerung häufig getötet werden.

Über 90 Prozent der Zwischenfälle finden demnach in der Trockenzeit (November bis Mai) statt. Viele Konflikte resultierten aus den Annahmen, die Fischkatzen würden Hühner reißen oder zu viele Fische jagen, als das Fischer noch selbst genug entnehmen könnten – oder sogar aus Angst, da sie mit Tigerjungen verwechselt werden. Diese Studie zeigt deutlich, dass Mensch-Tier-Konflikte eine erhebliche Gefahr für das Überleben der Fischkatze in Bangladesch darstellen, denn viele der Zwischenfälle basieren auf Unwissenheit.

Ebenfalls zeigte sich, dass fast die Hälfte aller gemeldeten Mensch-Tier-Konflikte später im Unklaren enden und der Verbleib der Tiere nicht sicher ist. Das zeigt, dass auch erheblich Lücken bei Überwachung und Umgang mit Wildtieren bestehen. Einige gerettete Tiere wurden sogar in ungeeignetem Lebensräumen wie einem dichten Waldgebiet ohne Zugang zu Wasser ausgesetzt. 3

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Warum der Schutz der Wildkatzen so entscheidend ist

Angesichts des rapiden Rückgangs intakter Feuchtgebiete und wachsender menschlicher Besiedlung braucht es dringend systematische Schutzmaßnahmen und Aufklärungsarbeit, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Denn die massiven Lebensraumverluste durch Entwässerung oder Überflutung sowie die massive Überfischung ihrer Habitate führen zu einem starken Rückgang dieser bemerkenswerten Kleinkatze.

Seit 2008 wird sie auf der Roten Liste der IUCN als „stark gefährdet“ eingestuft. Weltweit leben wahrscheinlich weniger als 10.000 Tiere, in vielen asiatischen Ländern ist die Art bereits verschwunden. Als Spitzenprädator von Feuchtgebieten spielt die Fischkatze aber eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht. Ihr Rückgang ist ein Warnzeichen für den Zustand der gesamten Ökosysteme im südasiatischen Raum. Der Schutz der Fischkatze bedeutet also auch den Schutz von Mangroven, Überschwemmungswäldern und zahlreichen anderen Tierarten, die dort leben.

In mehreren Regionen Asiens, vor allem in Indien und Sri Lanka, laufen daher mittlerweile vielversprechende Schutzinitiativen. Diese basieren auf der Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden und verfolgen Ansätze, wie sie auch in anderen bedrohten Gebieten erfolgreich angewandt wurden. Denn ohne Aufklärung und entsprechende Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ist Naturschutz unmöglich. Der Erhalt ihrer Lebensräume, gezielte Schutzprojekte und mehr Aufmerksamkeit für ihre Situation könnten daher den entscheidenden Unterschied machen.

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Quellen

  1. Animalia.bio „Fischkatze“ (aufgerufen am 1.4.2.2025) ↩︎
  2. Sadik, A. S., & Akash, M. (2024). A treetop diner: camera trapping reveals novel arboreal foraging by fishing cats on colonial nesting birds in Bangladesh. Mammalia, 88(2), 100-105. ↩︎
  3. Chowdhury, S. U., Chowdhury, A. R., Ahmed, S. A. K. I. B., & Muzaffar, S. B. (2015). Human-fishing cat conflicts and conservation needs of fishing cats in Bangladesh. Cat News, 62, 4-7.PDF. ↩︎

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