
27. Januar 2025, 16:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Denkt man an Mäuse, hat man wohl niedliche Nagetiere im Kopf, die häufig als Beute von anderen Tieren enden. Nicht so bei der Grashüpfermaus, die selbst mit Vorliebe Jagd auf andere macht. Zu ihrer Lieblingsbeute zählen Skorpione – und die Wissenschaft weiß noch nicht, warum sie gegen deren hochpotentes Gift immun ist.
Hätte Ihnen noch vor ein paar Sekunden jemand gesagt, dass es eine fleischfressende Maus gibt, die Skorpione verspeist, im Notfall sogar Artgenossen frisst und wie ein mythischer Werwolf den Mond anheult, dann hätten Sie es sicher nicht geglaubt. Doch all diese Dinge vermag die Grashüpfermaus, die aus Nordamerika stammt, und Wissenschaftler nicht nur wegen ihrer Vorliebe für lebende Beute vor Rätsel stellt.
Grashüpfermaus stellt Annahmen über Nagetiere infrage
Die Grashüpfermaus findet sich vor allem im Westen der USA, Mexiko und auch in Teilen Kanadas. Es gibt drei Arten dieser fleischfressenden Maus, die sich alle mit Vorliebe in halbtrockenen Steppen- und Graslandschaften, in der Prärie und in Buschwüsten aufhalten. Dazu zählen die Nördliche und Südliche sowie die Chihuahua-Grashüpfermaus. Alle drei haben sich perfekt an ihre Lebensräume – und vor allem ihre toxische Beute – angepasst.
Den Namen Grashüpfer erhielten sie vermutlich, da sie – anders als andere Vertreter der Mäuse – so gar nicht scheu sind, sondern eher mit vollem Elan Jagd auf ihre Beute machen. Aber wohl auch, weil sich Grashüpfer und andere Gliederfüßer wie Skorpione auf ihrem Speiseplan finden. Doch auch vor Eidechsen, Vögeln und Mäusen – inklusive Artgenossen – macht die Grashüpfermaus nicht Halt. 1
Entsprechend groß ist die Faszination für die fleischfressende Maus. Denn sie widerspricht komplett der Annahme, dass Nagetiere und ihr Verdauungssystem auf rein pflanzliche Nahrung ausgerichtet sind. Zuletzt wurde dies auch von einem weiteren Nagetier auf dem amerikanischen Doppelkontinent infrage gestellt: dem fleischfressenden Erdhörnchen (PETBOOK berichtete).
Eine eigene Jagdtaktik für jede Beute
Bei Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass Grashüpfermäuse schwerere Köpfe haben als ihre nächsten Verwandten, damit sie kraftvoller zubeißen können. Auch ihre Mägen weisen Anpassungen auf, um harte Exoskelette von Gliederfüßern verdauen zu können. Zudem hat die Grashüpfermaus clevere Taktiken entwickelt, um auf Skorpione, Taranteln und Schwarzkäfer Jagd zu machen. Sie zögert dabei nicht einmal, um Risiken einzuschätzen, sondern legt direkt mit ihren unterschiedlichen Strategien los, um die Beutetiere zu schlagen.2
Dabei gebraucht sie nicht nur den Frontalangriff, um Jagderfolg zu haben, sondern viele verschiedene Taktiken. Denn ihre unterschiedlichen Beutetiere verfügen über potente Gifte, die sie entweder mit einem Stachel oder einem Biss – im Falle des Schwarzkäfers in Form eines Sprays – ausstoßen. Die Grashüpfermaus stört sich jedoch nicht an den tödlichen Werkzeugen und Toxinen. Den Schwarzkäfer drückt sie auf den Boden, damit er sein Gift nicht auf sie versprühen kann. Den Stachel von Skorpionen reißt sie dagegen einfach heraus.

Skorpiongift als Schmerzmittel für Grashüpfermäuse
Eine der drei Arten – die Südliche Grashüpfermaus – hat sich zudem besonders auf den Arizona-Rindenskorpion spezialisiert. Dessen Gift ist so potent, dass Kleinkinder an einem Stich sterben können. Nicht so die Grashüpfermaus. In einer Studie von 2013 konnte gezeigt werden, dass Stiche dieses Skorpions für sie nicht einmal schmerzhaft sind. Stattdessen werden ihre Schmerzrezeptoren durch das Gift blockiert und es wirkt somit wie ein Schmerzmittel. Dieser Mechanismus ist für die Forschung sehr spannend und könnte – auf den Menschen übertragen – Erfolg bei der Therapie von chronischen Schmerzen versprechen.3
Die fleischfressende Maus erbeutet aber auch Tausendfüßler, die größer als sie selbst sind und lähmende Neurotoxine versprühen. Auch der Tabakschwärmer, ein Nachtfalter, der gern nikotinhaltige Pflanzen frisst und das Nervengift bei Gefahr auch absondert, fällt ins Beuteschema der Grashüpfermaus. Wie sie es fertigbringt, gegen alle diese verschiedenen Gifte immun zu sein, muss noch näher erforscht werden. 1

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Grashüpfermäuse heulen den Mond an
Allerdings machen es diese faszinierenden Nagetiere Wissenschaftlern nicht besonders einfach, sie zu erforschen. Denn Grashüpfermäuse sind nachtaktiv und haben ein riesiges Verbreitungsgebiet, in dem sie sich ihre Beute sichern. Entsprechend leben sie relativ weit von ihren Artgenossen entfernt, und auch Forscher können froh sein, wenn sie einmal ein Exemplar zu Gesicht bekommen, um es zu studieren.
Viel effektiver ist es, einfach den Geräuschen der Grashüpfermaus zu folgen. Denn die Angewohnheit, die ihr auch den Beinamen Werwolfmaus eingebracht hat, ist der beste Weg, eine aufzuspüren. Ähnlich wie Wölfe stoßen Grashüpfermäuse schrille Laute aus, um ihr Revier anzuzeigen. Dabei handelt es sich aber eher um einen Pfeifton als um ein Heulen. Dieser lässt sich auch im Ultraschallbereich messen und zeigt Artgenossen in einem Umkreis von 100 Metern an, dass sie sich besser verziehen sollten.
Denn Nähe lässt die Grashüpfermaus nur während der Paarungszeit zu. Dann ändert sich ihr Ruf, denn auch beim „Heulen“ hat sie verschiedene Taktiken. Der abschreckende Pfeifton wird dann von einem Fernruf abgelöst, der vor allem durch Ausstoßen von Luft und die Stimmbänder produziert wird. Diese Sozial- und Paarungsrufe stoßen Grashüpfermäuse regelmäßig aus, da sie sich das ganze Jahr über fortpflanzen können. Allerdings werden dann auch die jungen Grashüpfermäuse schnell aus dem Territorium „weggeheult“, da sie spätestens nach sechs Wochen selbst geschlechtsreif sind. 4