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Gängiges Vorurteil

Von wegen monogam! „Scheidungen“ bei Pinguinen häufiger als beim Menschen

Zwei Zwergpinguine stehen einander gegenüber und schauen sich an
Ob diese beiden Pinguine wohl für immer zusammenbleiben werden? Eine Studie stellt diese lange gängige Annahme über die Monogamie der Tiere infrage. Foto: Getty Images
Louisa Stoeffler
Redakteurin

4. Februar 2025, 13:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wer viele Naturdokus schaut, der weiß: Pinguine gelten als Symbol für lebenslange Treue. Doch eine Studie zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich scheinen überraschend hohe „Scheidungsraten“ für die Tiere sogar besser als sture Monogamie zu sein.

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Das Konzept der lebenslangen Monogamie ist in der Tierwelt seltener, als viele denken. Zum Beispiel bei Pinguinen wird häufig angenommen, dass sie sich jedes Jahr mit demselben Partner paaren. Doch neuere Forschungen zeigen ein komplexeres Bild: Während einige Arten tatsächlich langfristige Paarbindungen eingehen, ist Untreue oder sogar ein kompletter Partnerwechsel durch eine „Scheidung“ bei Pinguinen nicht ungewöhnlich.

Leben Pinguine wirklich monogam?

Viele Pinguine leben in der Brutsaison mit einem Partner zusammen. Dies ist erst einmal nichts Ungewöhnliches und kommt bei vielen anderen Vogelarten ebenfalls vor. Brutpaare von Adelie-, Kaiser- oder Eselspinguin kommen jedoch häufig auch in der nächsten Brutsaison wieder mit demselben Partner zusammen und können auch längerfristige Bindungen mit geteilten Pflegeaufgaben für den Nachwuchs eingehen.

Dies hat dazu geführt, dass viele in diesem Verhalten eine Art Treue und sogar Monogamie erkennen wollen. Doch sind die Tiere außerhalb der Brutsaison allein unterwegs. Manche Arten verbringen gerade einmal einen Monat des Jahres mit ihrem Partner. Daher scheint diese komplette Trennung nach dem Großziehen der Jungen nicht gerade von einer lebenslangen Bindung, sondern eher von einer Zweckgemeinschaft zu zeugen.

Viel eher kann man sagen, dass Pinguine schlicht keinen Grund haben, in der nächsten Saison einen anderen Partner zu wählen, wenn es mit dem letzten geklappt hat. Also bleiben Pinguine immer dann zusammen, wenn der Bruterfolg hoch war, der Partner fit und immer für ausreichend Futter gesorgt war. Doch taucht einer der Partner nicht rechtzeitig auf, suchen sich Pinguine auch schnell mal „einen Neuen“. Ja, sogar Fälle von „Untreue“ sind – besonders bei Kaiserpinguinen – bekannt. 1

„Scheidungen“ bei Pinguinen viel häufiger als gedacht

Wie eine Langzeitstudie an Zwergpinguinen jetzt zeigt, gibt es bei ihnen sogar ziemlich hohe „Scheidungsraten“. Forscher der Monash University aus Melbourne haben sich 13 Jahre lang mit einer Population von 37.000 Tieren auf Phillip Island beschäftigt. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift „Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

In der Megakolonie auf Phillip Island wurden jährlich etwa 70 Nistkästen überwacht. Außerdem wurden die Pinguine mit elektrischen Transpondern ausgestattet, um Paarungs- und Fortpflanzungsmuster nachzuverfolgen. Eine „Scheidung“ wurde registriert, wenn ein Pinguin in einer neuen Saison mit einem anderen Partner brütete, obwohl sein vorheriger Partner noch in der Kolonie anwesend war.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Meeresvögel wie Pinguine ihre Brutstrategie zudem an Umweltbedingungen anpassen müssen. Daher erfassten die Forscher auch Schwankungen in der Meerestemperatur, Veränderungen in der Nahrungsverfügbarkeit oder klimatische Phänomene wie El Niño. Denn sie vermuteten, dass diese Faktoren die Reproduktionschancen erheblich beeinflussen können.

Zudem ist bekannt, dass stabile Paarbindungen oft mit einer höheren Fortpflanzungsrate einhergehen, während ein Partnerwechsel kurzfristig Nachteile mit sich bringen kann. So können sich Effekte bei den Eiern pro Paar, Schlupfrate und der Überlebensrate der Küken zeigen. Auch die Dauer der Nahrungssuche wurde dokumentiert, da sie die Brutpflege ebenfalls beeinflusst.

„Scheidungsrate“ bei Pinguinen höher als beim Menschen

In den untersuchten Jahren konnten die Forscher insgesamt 250 „Scheidungen“ bei den Pinguinen beobachten. Dies entspricht – da die Nistkästen nicht immer voll belegt waren – einer Trennungsquote von etwa 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Scheidungsquote in Deutschland lag laut Daten des Statistischen Bundesamtes 2023 bei 35,7 Prozent.

Doch bei Pinguinen geht es bei „Ehestreitigkeiten“ eher weniger darum, wer häufiger den Müll herausbringt oder das Badezimmer putzt. Stattdessen zeigte sich, dass Umweltfaktoren die „Scheidungen“ maßgeblich beeinflussen. Denn häufig trennten sich die Paare, weil der Bruterfolg ausblieb, oder einer der Partner durch die starken El-Niño-Winde zu lange brauchte, um am Anfang der Saison zum Nest zurückzukehren.

Auch muss die hohe Scheidungsrate der Pinguine nicht sonderlich negativ sein. In der Saison, in der sich die Vögel einen neuen Partner suchen mussten, war die Fortpflanzung zwar etwas langsamer und es schlüpften weniger Küken. Allerdings hat dieser Effekt längerfristig zu größerem Erfolg mit einem fitteren Partner mit einem besseren Nest geführt, sodass mehr Küken flügge wurden.

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Scheidungen bei Pinguinen geschehen nie ohne Grund

Bei der Untersuchung konnte auch festgestellt werden, dass die Nahrungssuche einen Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg bei Pinguinen hat. Kürzere Wege nach dem Schlupf führten dazu, dass mehr Küken flügge wurden, während längere Nahrungssuchen während des Brütens für mehr Eier sorgten.

Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Brauchte ein Pinguin während der Nahrungssuche zu lange, musste der Partner sich selbst etwas zu fressen suchen, um Unterernährung zu vermeiden. In dieser Zeit waren die Eier jedoch unbeaufsichtigt, was zu einem niedrigeren Schlupf führte. Entsprechend war der Fortpflanzungserfolg nicht mehr gegeben und die Wahrscheinlichkeit für eine „Scheidung“ in der nächsten Saison größer. Liebe – oder erfolgreiche Brutpartnerschaft – geht also auch bei Pinguinen eindeutig „durch den Magen“.

Die Ergebnisse der Studie stellen unser romantisiertes Bild von treuen Pinguin-Paaren infrage. Allerdings zeigen sie auch, dass soziale Dynamiken eine entscheidende Rolle für die Fortpflanzung spielen – und „es ist kompliziert“ auch als Beziehungsstatus unter Pinguinen gelten könnte. Denn ihr Sozialverhalten ist deutlich komplexer als gedacht und wird zusätzlich noch durch verschiedene Umweltphänomene beeinflusst. 2

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Quellen

  1. Nordbayern.de, „Von wegen monogam: Pinguin-Drama bewegt die Welt“ (aufgerufen am 3.2.2025) ↩︎
  2. Simpson, M.D. et al. (2024). „Divorce Rates Better Predict Population‐Level Reproductive Success in Little Penguins Than Foraging Behaviour or Environmental Factors.“ Ecology and Evolution. ↩︎

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