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Laut Studie

Seesterne laufen wohl gar nicht auf ihren Armen, sondern auf ihren Lippen

Ein Seestern mit fünf „Armen∑ hängt an einem Riff
Wer behauptet, Seesterne hätten keine Arme, wäre noch vor kurzem belächelt worden. Nun deckt eine Studie die wahre Anatomie der Meeresbewohner auf. Foto: Getty Images
Louisa Stoeffler
Redakteurin

2. November 2023, 17:09 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Meeresbiologen gingen lange von der Annahme aus, dass Seesterne fünf Arme haben. Allerdings scheinen sie vielmehr körperlose Köpfe zu sein, die auf ihren Lippen laufen! Klingt komisch, ist laut einer bahnbrechenden Studie aber so.

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Seesterne, die am Strand angespült werden, sind für viele ein schönes Deko-Element. Sie wirken mit ihren fünf Armen wie kleine Urlaubsboten des Meeres und faszinieren auch Aquarianer, die sich die Tiere in ihre Salzwasserbecken holen. Doch Halt: Wer hat eigentlich je bestätigt, dass Seesterne wirklich „Arme“ haben? Eine neue Studie stellt genau diese Annahme nun – buchstäblich – auf den Kopf.

Seesterne haben keine Arme, sondern nur einen großen Kopf

Um die Anatomie von Seesternen zu enträtseln, haben sich Biologen um Professor Chris Lowe von der Stanford University in den USA einmal den Patiria miniata, der auch Federmausseestern genannt wird, näher angeschaut.

Mit einer Genanalyse, die an heranwachsenden Tieren durchgeführt wurde, konnten sie die verschiedenen Zellstrukturen und Gensequenzen eindeutig entschlüsseln und in einem 3D-Modell darstellen. Eins war dabei jedoch auffällig: Zellen für einen Rumpf, Torso oder Beine bildeten sich dabei nicht! Somit konnten sie aufzeigen, dass sich in den „Armen“ nur aktivierte Zellen befinden, die eigentlich in Köpfen von Tieren vorkommen.

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Seestern-Anatomie noch seltsamer als bisher gedacht

Die Forscher konnten sogar belegen, dass die verschiedenen Enden des Seesterns unterschiedliche Teile des Kopfes darstellen. In der Mitte, neben dem Saugrüssel auf der Unterseite befindet sich demnach das, was beim Menschen der vordere Hirnlappen wäre. Auf den Seiten zwischen den Fortsätzen befanden sich Nervenstränge, die dem Mittelhirn und Nerven im Rückenmark entsprechen. Das Stammhirn dagegen befand sich auf der Oberseite – also da, wo bei Seesternen auch der Anus ist.

Entsprechend setzten sich diese Hirnzellen auch in den „Armen“ des Seesterns fort. Doch was die Wissenschaftler darüber hinaus verblüffte, war, dass sie durchaus Genmaterial für die Ausbildung eines Rumpfes und von Gliedmaßen in der DNA der Tiere gefunden haben. Sie benutzen es nur seit über 200 Millionen Jahren nicht mehr! Stattdessen laufen sie seitdem – offenbar evolutionär erfolgreich – auf ihren Lippen über den Meeresboden.

Doch wie beschreiben wir von nun an Seesterne, wenn sie also keine „Arme“ haben? Dr. Jeff Thompson, Co-Autor der Studie, hatte in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ eine erste Einschätzung parat: „Um die Anatomie des Seesterns zusammenzufassen, würde ich sagen, dass es sich um ein meist kopfähnliches Tier mit fünf Fortsätzen handelt, mit einem Mund, der zum Boden zeigt, und einem Anus auf der gegenüberliegenden Seite, der nach oben zeigt.“

Nimmt man jetzt noch die Tatsache hinzu, dass Seesterne zu den Stachelhäutern gehören und Seegurken und Seeigel laut den Daten eine ähnliche Zellstruktur haben, finden sich sicher viele weitere Anlässe zu Studien über die „verkopften“ Meeresbewohner.

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Quellen

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