
10. März 2023, 6:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Nur noch rund 500 Exemplare des Sibirischen Tigers durchstreifen den äußersten Osten Russlands sowie kleine Teile von Nordkorea und China. Damit gehört die Großkatze nicht nur zu den seltensten der Welt, sie gilt auch als die größte Katze, die unseren Planeten bewohnt. PETBOOK stellt das anmutige Tier vor.
Rund zwei Meter lang und dazu eine Schwanzlänge von über einem Meter: Der Sibirische Tiger ist mit Abstand die größte Katze der Welt. Leider hat die Zerstörung ihres Lebensraums dazu geführt, dass der Bestand der Tiere stark zurückgegangen ist. Die IUCN, ursprünglich Weltnaturschutzunion genannt, stuft den Sibirischen Tiger deshalb als stark gefährdet ein.
Übersicht
Lebensraum des Sibirischen Tigers
Der Sibirische Tiger ist auch als Amurtiger bekannt, denn sein Verbreitungsgebiet ist durch den russisch-chinesischen Fluss Amur Richtung Westen beschränkt. Andere Tigerarten, wie etwa der Bengalische Tiger oder der Sumatratiger, bevorzugen warme bis tropische Lebensräume. Nur der Sibirische Tiger hält sich hauptsächlich in Gebieten auf, die zweistellige Minusgrade erreichen. Hierbei bewohnt er sowohl Wälder als auch bergige Regionen. Wichtig scheint nur ein dichtes Unterholz zu sein, damit sich die Raubkatze besser anschleichen kann. Dabei beansprucht der Amurtiger große Reviere für sich. Bis zu 3000 Quadratkilometer kann das Revier der männlichen Tiere umfassen. Meist überlappen sich die Reviere von einem Kater und zwei Katzen miteinander.
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Beutetiere des Sibirischen Tigers
Wichtiger als der Lebensraum selbst ist aber die Dichte der Beutetiere. Aufgrund seiner Größe und seines hohen Energiebedarfs benötigt der Sibirische Tiger bis zu zehn Kilo Fleisch am Tag. Hierfür frisst er bevorzugt er Elche, Rothirsche, Wildschweine oder sogar kleinere Bären. Meist ist die Raubkatze nachts aktiv. Aber auch tagsüber pirscht sich der Sibirische Tiger lautlos an seine Beute heran, um diese mit einem gezielten Sprung zu fassen. Mit einem Biss ins Genick der Beute wird das Tier festgehalten und schließlich erlegt. Doch nur jeder zehnte Jagdversuch gelingt. Daher muss der Sibirische Tiger den Großteil des Tages damit verbringen, immer wieder neue Beute aufzuspüren. Bis zu 20 Kilometer legt das Tier so pro Tag zurück, um seinen hohen Energiebedarf zu decken.
Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen
Weibchen markieren Bäume mit Urin und hinterlassen deutliche Kratzspuren, um Männchen aus umliegenden Revieren anzuzeigen, dass sie paarungsbereit sind. Findet sich ein Paar, bleibt es während der Paarungszeit zusammen und geht anschließend wieder getrennte Wege. Das Weibchen zieht die Jungen allein groß und diese bleiben bei ihr, bis die Jungtiger mit vier Jahren selbst geschlechtsreif sind und eigene Wege gehen. Bereits mit einem Jahr gehen die Tigerwelpen aber selbst auf die Jagd, um das Handwerk möglichst früh zu erlernen.

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Gefährdung des Sibirischen Tigers
Durch seine großen Revieransprüche braucht der Sibirische Tiger nahezu endlose Landschaften, die er ungestört durchstreifen kann. Landwirtschaftlich genutzte Flächen bedrohen diese unberührten Lebensräume. Darüber hinaus ist der Tiger stark abhängig von einer hohen Beutedichte in seinem Revier. Nicht nur sein Lebensraum, sondern auch der seiner Beutetiere wird durch den Menschen immer stärker eingegrenzt. Zudem wildern auch viele ärmere Bevölkerungsschichten selbst in den Wäldern, um ihren Fleischbedarf über Wildtiere zu decken und machen den Tigern so ihre Beute streitig.
Auch der Tiger selbst wird immer wieder von Wilderern gejagt. Sowohl sein Fell als auch seine Knochen sind beliebte Jagdtrophäen. In China werden Tigerknochen und -Zähne traditionell in der chinesischen Medizin eingesetzt und seit 2018 ist der Handel mit diesen auch wieder offiziell erlaubt. Die Knochen des Sibirischen Tigers sind also für Wilderer eine lukrative Einnahmequelle und gefährden den Bestand der Großkatzen.
Schließlich ist der Sibirische Tiger noch durch Waldbrände bedroht. Um Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen, werden vorsätzlich Feuer gelegt. Diese gefährden wiederum sowohl den Sibirischen Tiger selbst als auch seine bevorzugten Beutetiere.
Auch der Klimawandel sorgt dafür, dass es der Sibirische Tiger in seinem Verbreitungsgebiet schwerer hat. Wetterextreme wie extrem kalte und schneereiche Winter erschweren die Jagd der Großkatze und dezimieren den Bestand der Beutetiere weiter. Verschiedene Schutzprogramm versuchen seit Jahrzehnten, den Bestand des Tigers zu erfassen und gleichzeitig auf einem höheren Niveau zu halten. Die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Wilderei sind aber begrenzt, zumal die weitläufigen Lebensräume des Sibirischen Tigers kaum zu überwachen sind.