
31. März 2025, 17:41 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Dass auch Tiere unter Stadtlärm leiden, ist nichts Neues. Studien belegen bereits, dass Vögel in der Stadt lauter singen oder ihr Morgenkonzert früher abhalten. Eine US-amerikanische Studie zeigt jetzt erstmals, dass auch Spinnen ihr Verhalten an den Stadtlärm anpassen – mit „Noise Cancelling“.
Hupende Autos, Lkw-Kolonnen und Baustellen – in der Stadt ist es laut. Darunter leiden auch viele Wildtiere. Besonders gut belegt ist dies bereits bei Wildvögeln. Aber auch die kleinen, unscheinbaren Bewohner fühlen sich anscheinend durch Stadtlärm belästigt. So fanden Forscher der University of Nebraska-Lincoln nun heraus, dass Spinnen der Art Agelenopsis pennsylvanica ihre Netze mit einem speziellen Schallschutz ausstatten, um die starken Vibrationen abzudämmen. Denn diese stören die Jagd der Achtbeiner …
Trichterspinnen spüren Beute durch Vibrationen auf
Pennsylvania-Trichternetzspinnen (Agelenopsis pennsylvanica) bauen trichterförmige Netze am Boden, um ihre Beute zu fangen. Obwohl sich der Name ähnelt, ist die Art nicht verwandt mit der berühmten Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), die als eine der giftigsten Spinnenarten der Welt gilt. Während letztere der Verwandtschaftsgruppe den Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae) zugeordnet werden, gehört die Pennsylvania-Trichternetzspinne zur Gruppe der Trichterspinnen (Agelenidae).
Trichterspinnen sind Lauerjäger, die in ihren trichterförmigen Netzen auf Beute warten. Sobald diese mit dem Eingangsbereich des Trichters in Berührung kommt, spürt die Spinne dies durch feinste Vibrationen im Netz und schnellt hervor, um ihre Beute zu überwältigen.1
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Stadtlärm kann Sinneswahrnehmung von Spinnen beeinträchtigen
Die Art kommt in den Vereinigten Staaten vor. Üblicherweise findet man sie in offenen Graslandschaften, aber auch im Stadtgebiet. Zwar können Spinnen nicht wie Säugetiere „hören“ – sie nehmen allerdings Vibrationen über viele feine Sinneshärchen auf ihrer Körperoberfläche wahr. Forscher vermuteten daher, dass Stadtlärm die Spinnen mit ihrer sensiblen Sinneswahrnehmung beeinträchtigen könnte. Nur ist dies bei den kleinen Achtbeinern anatomisch schwer nachzuweisen, denn dafür müsste man die inneren Sinnesstrukturen genauer untersuchen.
Die Netze der Tiere lassen sich hingegen besser erforschen, wie die Autorinnen Brandi J. Pessman und Eileen A. Hebets in ihrer Studie schreiben, die kürzlich im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde. Daher wurde die Pennsylvania-Trichternetzspinne zum Forschungsobjekt ihrer Wahl, weil diese Art sowohl in der Stadt als auch in ländlichen Gebieten vorkommt.
Untersuchung von Land- und Stadtspinnen
Die Forscherinnen wollten herausfinden, wie sehr der Stadtlärm die Fähigkeit der Spinnen beeinflusst, ihre Beute im Netz wahrzunehmen. Denn fahrende Autos oder Baustellen erzeugen Vibrationen, die über den Boden bis in die Netze der Spinnen gelangen.
Dafür sammelten sie über 80 Tiere aus ländlicher und städtischer Umgebung und setzten diese jeweils leisen Geräuschen oder lautem Lärm aus. Anschließend untersuchten sie die Fähigkeit der Netze, Vibrationen vom Netzeingang bis zu dem Teil zu übertragen, in dem die Spinne sitzt. 2
Spinnen aus der Stadt integrieren eine Art Lärmschutz im Netz
Tatsächlich konnten die Forscherinnen einen Unterschied zwischen dem Verhalten der Stadt- und Landspinnen feststellen. Exemplare, die in städtischer Umgebung gesammelt wurden, begannen bei Lärm ihre Netze so zu verändern, dass diese hochfrequente Schwingungen – wie sie von Stadtlärm erzeugt werden – weniger stark weiterleiteten. Die Spinnen integrierten also eine Art Schallschutz, der Lärm im Frequenzbereich von 300 bis 1000 Hz ausblendet, bevor er die Spinne erreicht.
Die Landspinnen verfolgten hingegen eine andere Strategie: Sie begannen, ihre Netze so zu verändern, dass diese Vibrationen in einem Frequenzbereich von 350 bis 600 Hz verstärkt weiterleiteten. In diesem Bereich liegen auch die Bewegungen von typischen Beutetieren der Spinnen. Die Forscherinnen vermuten, dass die Spinnen diese dadurch besser wahrnahmen. Dies ist allerdings nur eine kurzfristige Lösung des Problems. Denn der konstante Stadtlärm könnte bei Spinnen zu einer sensorischen Überlastung führen, heißt es in der Studie. Daher entwickelten die Spinnen in der Stadt scheinbar eine andere Strategie, um langfristig mit dem Umgebungslärm fertig zu werden.
Nutzen auch andere Spinnen Lärmschutz im Netz?
Die Studie gehört zu einer der ersten, die den Effekt von Stadtlärm auf Spinnen und ihr Verhalten untersucht. Allerdings ist der Stichprobenumfang von etwas mehr als 80 Tieren sowie das Areal, in dem die Tiere gesammelt wurden, noch zu gering, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können. Es ist aber davon auszugehen, dass auch andere Spinnen, diese Strategie verfolgen und ihre Netze mit einer Art Schallschutz ausstatten. Denn viele von ihnen sind bei der Jagd auf die Übertragung von Vibrationen im Netz angewiesen.