9. August 2023, 9:32 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Albinos sind in der Tierwelt eine Seltenheit. Dennoch sind sie sowohl an Land als auch im Wasser oder in der Luft anzutreffen. Für Menschen sind die weißen Wesen faszinierend. Für die Tiere selbst wird ihr außergewöhnliches Äußeres in der freien Natur zum Problem. PETBOOK erklärt die Hintergründe.
Was als besonders gilt, erhält von uns Menschen naturgemäß unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. So auch bei besonders seltenen Tieren, wie Albinos. Albino-Tiere unterscheiden sich aufgrund eines sehr prominenten Merkmals von ihren Artgenossen – sie sind weiß und haben rote Augen. In manchen Regionen der Erde erfahren diese Tiere daher eine ganz besondere Behandlung. Weiße Elefanten gelten etwa in Thailand als Glücksbringer und weiße Kühe werden in Indien als Gottheit verehrt. Die Faszination, die wir Menschen diesen Tieren entgegenbringen, teilt die Natur nicht – Albinos haben es im Vergleich zu ihren Artgenossen schwer.
Übersicht
Wie entsteht Albinismus?
Albinismus entsteht sowohl bei Tieren als auch Menschen aufgrund eines Gendefekts. Dieser sorgt dafür, dass die Farbpigmente in Haut und Haaren oder Federn von den zuständigen Zellen nicht gebildet werden – daher sind diese hell bzw. weiß. Die Farbpigmente fehlen bei Albinos auch in den Augen, weshalb diese oftmals rot sind. Das liegt daran, dass die Iris des Auges durchsichtig ist und die kleinen, roten Adern so durch das Gewebe hindurchscheinen. Unter Albino-Tieren gibt es jedoch auch solche, die blaue Augen haben. In diesem Fall ist der Albinismus etwas schwächer ausgeprägt und es werden noch sehr wenige Farbpigmente, sogenanntes Melanin, produziert.

Die genetische Veränderungen des Albinismus wird an die Nachkommen weiter vererbt und tritt nicht zufällig auf. Die Vererbung erfolgt jedoch rezessiv, weshalb bei beiden Elternteilen das für die Bildung der Farbpigmente verantwortliche Gen fehlen muss. Aufgrund dieser Voraussetzungen ist Albinismus ein seltenes Phänomen.
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Warum Albino-Tiere es in der freien Natur schwer haben
Albino-Tiere haben es in der Natur nicht leicht. Das liegt einerseits daran, dass sie mit ihrer hellen Haut und weißem Fell, Federn oder Schuppen neben ihren Artgenossen sofort auffallen. Ihre Tarnung ist damit nicht vorhanden, sie sind optisch nicht an ihre Umgebung angepasst und sind daher Raubtieren oft schutzlos ausgeliefert. Dazu kommt, dass Albinos von ihren Artgenossen ausgegrenzt und teilweise sogar angegriffen werden. Damit verlieren sie, wenn sie Herdentiere sind, einen weiteren Schutzmechanismus. Im Hinblick auf die Fortpflanzung steht es für die besonders aussehenden Tiere ebenfalls schlecht: Sie werden oft gemieden.

Zu diesen sozialen Faktoren, die Albino-Tieren das Leben erschweren, kommen körperliche Einschränkungen und Risikofaktoren. Aufgrund der fehlenden Farbpigmente in den Augen der Tiere zeigen sie eine stärkere Lichtempfindlichkeit und sind in ihrem Sehvermögen eingeschränkt, besonders beim räumlichen Sehen. Das wirkt sich negativ auf die Fitness der Tiere aus und macht sie zu einer leichteren Beute.
Zudem ist ihre Haut ohne die schützenden Farbpigmente den UV-Strahlen der Sonne schutzlos ausgeliefert. Ihre empfindliche Haut verbrennt daher schnell und Hautkrebs ist bei Albino-Tieren keine Seltenheit. Die von vielen Menschen als besonders „schön“ befundenen Tiere haben in der Natur daher mitunter eine stark verringerte Lebenserwartung.

Einen kleinen Vorteil hat das helle Fell der Albino-Tiere aber doch. Aufgrund ihres hellen Fells beziehungsweise ihrer hellen Haut werden die Tiere in der freien Wildbahn weniger von Bremsen gestochen. Das liegt daran, dass Bremsen von polarisiertem Licht (Licht, dass in eine bestimme Richtung schwingt) angezogen werden, welches dunkles Fell abstrahlt. Daher leiden Albinos nicht nur unter weniger juckenden Stichen, sondern es sinkt auch ihr Risiko, an übertragenen Infektionskrankheiten oder Bakterien zu erkranken.
Bei welchen Tieren kommt Albinismus vor?
Albinos sind zwar vergleichsweise selten, kommen jedoch bei allen Wirbeltieren vor. Sie sind daher im Wasser, an Land und in der Luft anzutreffen. Etwa eines von 10.000 Tieren ist ein Albino. Die Wahrscheinlichkeit des Gendefekts ist bei manchen Arten besonders hoch, etwa bei Wildschweinen und Nagetieren. Hier weist eins von 500 Individuen die Genmutation auf. Bei anderen Arten kommt das Fehlen der Farbpigmente dagegen deutlich seltener vor, wie etwa bei den Pinguinen. Bei den Vögeln liegt die Wahrscheinlichkeit des Albinismus bei eins zu 1.000.000 Tieren.

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Haben alle weißen Tiere Albinismus?
Nicht alle weißen Tiere sind automatisch Albinos. Eisbären, Polarfüchse oder Schneehasen sind mit ihrem hellen Fell optimal an ihren Lebensraum angepasst und getarnt. Dennoch gibt es auch unter den Eisbären Albino-Tiere: Sie sind an ihrer weißen Nase und den roten Augen zu erkennen.
Schwer zu unterscheiden sind Albinos von leuzistischen Tieren. Leuzismus, die sogenannte Farblosigkeit, entsteht ebenfalls aufgrund eines Gendefekts. Dieser führt dazu, dass keine pigmentbildenden Zellen vorhanden sind, weshalb Fell oder Haare weiß sind und die Haut rosa. Im Gegensatz zu Albino-Tieren sind bei leuzistischen Tieren zum Teil Pigmentzellen an Augen oder Extremitäten vorhanden. Abhängig von der Anzahl der Pigmentzellen haben diese weißen Tiere hellbraune, dunkelblaue oder orangefarbene Augen. Unter den Vögeln tritt diese Mutation bei Amseln besonders häufig auf. Bei Amseln mit Leuzismus sind die Vögel häufig weiß-gefleckt, haben einen weißen Kopf oder ein komplett weißes Gefieder. Augen und Schnabel sind bei ihnen normal gefärbt. Demnach lohnt es sich bei weißen Tieren, ganz genau hinzusehen, um tatsächlich ein Albino zu entdecken.
Quellen
- Spektrum.de, „Albinismus“ (aufgerufen am 09.06.2023)
- Ardmediathek.de, „Von weißen Tieren und Albinos“ (aufgerufen am 09.06.2023)
- Deutschlandfunknova.de, „Albino-Tiere haben es schwer“ (aufgerufen am 09.06.2023)
- Nabu.de, „Über Albinos und Leuzismus“ (aufgerufen am 09.06.2023)
- Bionity.com, „Leuzismus“ (aufgerufen am 09.06.2023)