
1. Februar 2025, 8:06 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können – und zwar mit ihren Händen! Auch ihre Schlafposition ist faszinierend, denn sie hängen dabei mit dem Kopf nach unten. Warum sie das tun und dabei außerdem nicht herunterfallen, erklärt PETBOOK.
Seit rund 50 Millionen Jahren flattern die Fledertiere durch die Nacht, und seit jeher ranken sich gruselige Geschichten um sie. Dabei sind Fledermäuse wahre Meisterwerke der Natur. Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können, und das mit den Vordergliedmaßen – genauer genommen mit den Händen! Vor allem aber ihre Schlafposition sorgt für Faszination, denn sie hängen dabei mit dem Kopf nach unten. Aber läuft den Tieren dabei nicht das Blut in den Kopf, und warum fallen Fledermäuse beim Schlafen nicht von der Decke?
Übersicht
Warum schlafen Fledermäuse kopfüber?
Wie wohl die meisten wissen, ist das Besondere bei Fledermäusen ihre ungewöhnliche Schlafposition. Sie hängen mit dem Kopf nach unten und umhüllen ihren Körper schützend mit ihren Flügeln. Wenn Menschen so schlafen würden, würde ihnen schon nach kurzer Zeit das Blut in den Kopf fließen und ihnen schwindelig werden. Nicht so bei Fledermäusen: Ihre kompakte Größe und ihr besonderer Kreislauf sowie das relativ große Herz sorgen dafür, dass das Blut nicht nur in den Kopf fließt, sondern durch den ganzen Körper gepumpt wird.
Dieses ungewöhnliche Schlafverhalten könnte durch die Evolution von Fledermäusen bedingt sein, wie Tara Hohoff, Biologin mit Schwerpunkt Fledermäuse, dem Wissenschaftsmagazin „LiveScience“ erklärte. „Als sich Fledermäuse von landgebundenen Säugetieren zum Fliegen entwickelten, begannen sie mit dem Gleiten wie fliegende Eichhörnchen“.
Das bedeutet, dass sie wohl zunächst auf Bäume kletterten und sich fallen ließen, um wie Flughörnchen durch die Luft zu gleiten. Denn Fledermäuse haben schwerere Knochen als Vögel, was ihnen das Abheben im Flug praktisch unmöglich macht. Daher ließen sie sich auch heute noch „kopfüber hängen, um sich in den Flug fallen zu lassen“, sagte Hohoff „LiveScience“ weiter.
Warum Fledermäuse im Schlaf nicht von der Decke fallen
Die Extremitäten von Fledermäusen sind jedoch noch auf andere Art und Weise einzigartig: ihre Krallen klicken in eine Art Ruhemechanismus, wenn sie sich zum Schlafen „aufhängen“. Dies kann man sich ganz ähnlich wie bei einer geschlossenen Wäscheklammer vorstellen. Die Fledermaus benötigt aktiv Muskelkraft, um ihre Klauen zu öffnen und stattdessen keine, wenn sie wieder geschlossen sind. Durch das Gewicht der hängenden Fledermaus wird zusätzlich Druck auf ihre Sehnen ausgeübt, was die Krallen ganz von selbst geschlossen hält.
Sobald sie hängt, benötigt sie also kaum Kraft, um sich festzuhalten. Zusätzlich sind diese Sehnen mit einem Häutchen ummantelt, welches mit Widerhaken besetzt ist. Erst wenn die Fledermaus ihre Muskeln anspannt, löst sich dieser Griff wieder, was bedeutet, dass sie auch noch nach ihrem Ableben eine Zeit lang weiter von der Decke hängt. Ziemlich gruselig!
Mit ihren „Händen“ können sie dies jedoch nicht. Da sich zwischen ihren verlängerten Fingern eine Flughaut spannt, die über den Hals bis zum Schwanz geht, können sie sozusagen mit ihren Händen fliegen, sich dafür aber nirgends mit ihnen festhalten. 1
Sind alle Fledermäuse nachtaktiv?
Fledermäuse gelten oft als nachtaktive Tiere, die sich während des Tages zur Ruhe begeben und in ihren Tagesquartieren schlafen. Das Schlafverhalten von Fledermäusen kann jedoch je nach Art, Jahreszeit und Umgebung variieren. Auch die Schlafdauer ist unterschiedlich. Einige Arten schlafen nur wenige Stunden, während andere den größten Teil des Tages verschlafen.
Die Zeit, zu der Fledermäuse aktiv werden oder schlafen gehen, hängt oft von ihrer Nahrungsquelle ab. Insektenfressende Fledermäuse sind normalerweise nachtaktiv und schlafen tagsüber, während fruchtfressende Arten (in tropischen Gegenden) sowohl tagsüber als auch nachts unterwegs sein können. Während des Schlafens bleiben die Sinne der Fledermäuse dennoch aktiv, da sie auf potenzielle Bedrohungen oder andere Reize aus ihrer Umgebung achten müssen.
Fledermäuse, die in unseren Breitengraden Winterschlaf halten, hängen von Anfang November bis Ende März fast ein halbes Jahr in ihrer bevorzugten Schlafposition. Allerdings suchen sich verschiedenen Arten unterschiedliche Quartiere für ihre Kolonien, die, wie beim Großen Mausohr, mehr als 2000 Tiere umfassen können.
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Welche Fledermausarten leben in Deutschland?
Die meisten der mehr als 1400 Fledermausarten leben in tropischen Klimazonen, denn die Flattertiere mögen es gern warm. Je weiter man sich vom Äquator wegbewegt, desto geringer wird die Anzahl der Arten. In Deutschland leben gerade einmal 24 verschiedene Fledermäuse, die es sich nicht nur in Höhlen, Baumhöhlen und Tunneln, sondern wegen schwindender Lebensräume auch Viehställen und Dachstühlen gemütlich gemacht haben.
Zu den häufigsten zählt die Breitflügelfledermaus, die auch als „Hausfledermaus“ bezeichnet wird, da man sie oft in besiedelten Gebieten antrifft, während die Waldfledermaus und die Baumfledermaus in der freien Natur leben. Dort jagen sie mit bis zu 60 km/h (der Große Abendsegler hat eine Flügelspannweite von bis zu 40 cm) nach Insekten. Hier eine Auswahl einiger unserer heimischen Fledermausarten und ihrer bevorzugten Schlafplätze:
Alpenfledermaus
Sie nächtigt eigentlich in Felshöhlen und wurde bereits in Höhen von 3300 Metern nachgewiesen. Allerdings scheint sie sich vom Alpenraum aus auch in Richtung Norden aus und ist auch schon in urbanen Gebieten gesichtet worden. Dort nutzt sie Baumhöhlen oder Gebäuderisse zum „Abhängen“.
Braunes Langohr
Sie hängen gern in Dachstühlen, aber noch lieber verbergen sie sich im Zwischendach oder in den Spalten der Dachkonstruktion. Ihren Winterschlaf verbringen sie aber lieber in kühlen Kellern, Höhlen und Bunkern oder oberirdisch in Gebäuden und Baumhöhlen.
Breitflügelfledermaus
Die Breitflügelfledermaus hat stark unter Habitatsverlusten zu leiden und besetzt daher häufig Räume in der Nähe von Menschen. Man findet sie zwar selten direkt auf dem Dachboden, dafür aber eher im Dachfirst, zwischen der Isolierung und den Dachpfannen.
Fransenfledermaus
Sie lebt in Baumhöhlen, findet sich aber zunehmend auch in Gebäuden oder in den Zwischenwänden von Häusern. In südlichen Regionen quartieren sie sich zudem gern in Kuhställen ein.
Graues Langohr
Die auch Hausfledermaus genannte Art wohnt in Gebäudespalten. Für ihr Winterquartier bevorzugt sie Höhlen und Gewölbe, die sie vor Kälte und Frost schützen.
Große Hufeisennase
In den Sommermonaten findet man sie tagsüber auf Dachböden oder Kirchtürmen, aber auch in Höhlen. Zum Überwintern sucht sie sich frostsichere Gewölbe und Höhlen.
Großer Abendsegler
Eine typische Baumfledermaus, die in verlassenen Baumhöhlen, z.B. von Spechten, lebt. Manchmal ist sie auch in speziellen Fledermaus-Nistkästen anzutreffen. 2

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Sind Fledermäuse in Deutschland gefährdet?
Vier der heimischen Arten sind laut Nabu vom Aussterben bedroht, drei Arten gelten als „stark gefährdet“ und fünf als „gefährdet“. „Ursache für die starken Bestandseinbrüche der meisten Fledermausarten in den vergangenen Jahrzehnten ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Neben dem Verlust der Vielfalt bäuerlicher Kulturlandschaften sind die Auswirkungen auf das Angebot an Beutetieren wie Nachtfaltern, Fluginsekten oder Käfern erheblich, ebenso wie der Einsatz von Pestiziden“, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke.
Aber auch Windräder stellen eine Gefahr für die migrierenden Flugtiere dar. Dies belegen unter anderem Publikationen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Demnach sterben hunderttausende fliegende Tiere jährlich an Kollisionen oder dem Barotrauma, welches Organschäden durch starke Luftdruckveränderungen verursacht. Dies betrifft auch Fledermäuse, die eigentlich nur auf der Durchreise sind, wie die baltische Rauhautfledermaus. 3,4